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Montag, 02. November 2015 Drucken

Zweibrücken

Ein Bunker als Zockerparadies

Wir sind digital: Alter Atombunker soll Treffpunkt für Computerspieler werden – Online-Spendenaktion

Von Benjamin Sachon

 

Um seine Pläne für den Bunker realisieren zu können, braucht Krüger 1,5 bis zwei Millionen Euro. ( Foto: Steinmetz)

Fabian Krüger ( Foto: Steinmetz)

2200 Quadratmeter Fläche, 600 LAN-Plätze – ein außergewöhnlicher und dauerhafter Treffpunkt für „Gamer, Technikaffine und Nerds“ in einem Atombunker am Zweibrücker Flughafen. Das ist die Vision von Fabian Krüger, Fachinformatiker und Systemadministrator aus Speyer. Was noch fehlt, ist das Geld. 1,5 bis zwei Millionen Euro werden benötigt.

 

Seit gestern läuft eine Spendenkampagne im Internet auf Ululu.com. Auch die projekteigene Internetseite www.derbunker.xyz ist online. Die Idee, einen Bunker zum „24/7 Communitytreff/Freizeitpark“ zu machen, entwickelte Krüger standesgemäß beim Onlinezocken mit Clan-Freunden. „Eher früher als später kommt dann der Vorschlag, sich mal im echten Leben zu treffen und miteinander zu feiern“, so Krüger. Und damit beginnt das Problem. Denn bislang gibt es deutschlandweit keinen Ort, an dem sich „Nerds“ aus allen Ecken des Landes oder Europas ohne großen Aufwand und tagelange Vorplanung treffen können.

Wer mal eine private LAN-Party organisiert hat, kennt die Schwierigkeiten. Viel zu lange kriecht man unter den Tischen herum, bis allein das Netzwerk für wenige Leute steht. Die Internetverbindung läuft dann für alle über die Privatleitung, die dafür nicht ausgelegt ist. „Da startet einer einen Download und dann war’s das erst mal“, so Krüger. Für einen Clan, der aus Dutzenden oder Hunderten Mitgliedern besteht, ist im privaten Rahmen kaum ein vernünftiges Treffen organisierbar. Es bleiben oft nur langwierig geplante Treffen auf speziellen Veranstaltungen, die eher selten sind und zu denen auch nicht jeder kommen kann, weil es beruflich oder privat zeitlich nicht passt.

Diese Situation ist eine der Hauptquellen für das Vorurteil vom Computernerd und Technikfreak, der einsam im Keller hockt und nie unter Leute geht. „In der Disco sind zu viele normale Leute, wenn man da anfängt, über Quadrocopter, Computertechnik oder Onlinespiele zu plaudern, verstehen die einen nicht. Man redet aneinander vorbei. Man ist allein unter Leuten, mit denen man keine Themen hat“, bestätigt Krüger aus eigener Erfahrung. Leute mit den gleichen Interessen sind online unterwegs und weit verstreut. Treffpunkte in der realen Welt gibt es nicht. Also bleibt der typische „Nerd“ eher daheim.

Das Isolationsproblem will Krüger nun beseitigen. „Wir brauchen einen Ort, an dem man sich über solch spezielle Themen unterhalten kann und das Gefühl hat, unter Gleichgesinnten zu sein, und der die technische Infrastruktur bietet. Einen Ort für ganz Deutschland.“ Auf der Suche ist Krüger „über den Bunker gestolpert“. Der sei ideal: Der Trumm liegt am Kopenhagener Ring im Gewerbegebiet Flugplatz Zweibrücken-Mitte. Man ist unter sich und stört auch nachts niemanden, wenn man durchfeiert. Die Autobahn ist nur zwei Kilometer entfernt. Dass Zweibrücken nicht unbedingt zentral liegt, stört Krüger nicht weiter. „Die Leute in den Clans sind über ganz Deutschland verteilt. Weit fahren muss die Mehrheit also immer, da ist es egal, ob nach Frankfurt oder Zweibrücken.“ Und ein Bunker ist was Besonderes. Krüger: „Eine Lagerhalle bleibt eine Lagerhalle, egal, was man damit macht. Der Bunker ist dagegen ein gewaltiges Bauwerk. Er hat eine unglaubliche Atmosphäre, man spürt das Gewicht der Mauern, fühlt sich durch die Größe aber in keinster Weise eingeengt. Die Infrastruktur ist vorhanden. Und drumherum ist genug Platz. Das hat man nirgends sonst in Deutschland.“

Der Bunker soll nicht nur ein einfacher Zockerkeller oder ein Internetcafe in besonderem Gewand sein. Die Rechnerplätze sind nur der Kern, drumherum soll einiges mehr geboten werden: ein kleines Rechenzentrum, Kinosaal mit Dauerstream, Bistro und Ruheraum. Je nach Finanzierung ist ein Fahrservice und auf dem Dach des Bunkers ein kleines Restaurant geplant. Krüger setzt auch auf Besucher aus dem nahen Outlet Center. Daher soll es einige „fest installierte Computer mit vorinstallierten Programmen geben, an die man sich spontan setzen kann“. Computer und Konsolen werden auch für die Partyrunde unter Gelegenheitszockern vorhanden sein. „Normalos“ sind ebenso willkommen wie „Nerds“.

Bis Sommer 2016 soll alles fertig sein und der Betrieb beginnen. Die notwendigen Gespräche mit der Stadt und dem Flughafenzweckverband für den Kauf und die Genehmigungen zum Betrieb des Bunkers seien abgeschlossen und das Projekt komplett durchgeplant. Sieben Köpfe zählt Krügers Mannschaft derzeit. „Wir stehen auf Go“, so Krüger. Es ist alles fertig, „bis auf das Geld“. Nun hofft er auf viele enthusiastische Spender, die mithelfen, den Bunker zu neuem Leben zu erwecken und „viele Tausend Leute glücklich zu machen.“