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Montag, 18. Mai 2015 Drucken

Speyer Land

„Du goldiges Bobbele“

Einmal im Monat herrscht im Vitanas Senioren-Centrum am Rheinufer große Freude. Dann besuchen Gizmo und Debby aus der Hundeschule Royal Steps die Heimbewohner und spielen mit ihnen. Heimleiterin Mareen Thielemann ist begeistert und setzt auf die therapeutische Wirkung dieser Begegnungen.

Von vera Barth

 

 

Ludwigshafen. Die Augen glänzend, der Körper bebend, die Schritte nervös – Gizmo fiebert seinem großen Auftritt entgegen und stürmt ungeduldig auf die letzte Glasschiebetür zu, die ihn von seinem Publikum trennt. „Schätzelein, ja hallo.“ Die 94-jährige Ella Bechtelsheimer entdeckt den quirligen Yorkshire Terrier im Eingangsbereich des Vitanas Senioren-Centrums am Rheinufer als eine der Ersten und begrüßt ihn überschwänglich.

Einmal im Monat besucht Gizmo gemeinsam mit dem Schäferhundwelpen Debby die Bewohner des Altenheims. Ein fester Termin, den viele Senioren freudig erwarten. Auch an diesem Donnerstag ist das Foyer gut gefüllt. Gizmo dreht seine erste Runde, trippelt von Stuhl zu Stuhl und begrüßt jeden Gast einzeln, lässt sich streicheln und mit Leckerchen füttern. Ella Bechtelsheimer würde den Terrier am liebsten gar nicht mehr hergeben. „Ich hatte mein ganzes Leben lang Hunde. Immer Dackel. Das fehlt mir sehr“, erinnert sie sich ein wenig wehmütig, doch kaum springt Gizmo schwanzwedelnd an ihrem Stuhl hoch, legt sich wieder ein Lächeln auf das Gesicht der gebürtigen Ludwigshafenerin. „Mein kleines Bobbele, du goldiges“, murmelt sie und streichelt ihrem vierpfotigen Besucher über sein Köpfchen.

Einen eigenen Hund könnte die 94-Jährige nicht mehr versorgen, eine Tatsache, die die Hundenärrin nur schwer akzeptieren kann. „Eigentlich bin ich doch noch fit. Auch weil ich für meine Hunde immer aktiv sein musste und viel an der frischen Luft war.“ Im Grunde weiß sie aber, dass ihre Kräfte nicht mehr reichen. Umso mehr freut sie sich über den tierischen Besuchsdienst.

Die Leiterin des Seniorenzentrums, Mareen Thielemann, ist überzeugt vom Konzept. Seit mehreren Jahren setzt sie auf die therapeutische Wirkung der Hundebesuche. Seit November arbeitet sie dafür mit der Hundeschule Royal Steps aus Ludwigshafen zusammen. „Dass Tiere, besonders Hunde, gesundheitsfördernd und heilend auf Menschen wirken können, belegen viel Studien. Gerade bei dementen Bewohnern erleben wir, dass die Hunde sie noch erreichen, ihnen Wärme und Geborgenheit geben können“, erklärt Thielemann. Auch Iris Kaspar hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie ist Trainerin in der Hundeschule, Besitzerin der Schäferhündin Debby und immer bei allen Besuchen im Seniorenzentrum dabei. „Es ist faszinierend zu sehen, was Hunde alles bewirken können. Hände die vorher spastisch verkrampft waren, können sich lösen, um Hunde zu streicheln oder zu füttern. Das schaffen selbst Krankengymnasten nicht.“ Das hänge mit der Ruhe und Entspannung zusammen, die Hunde mitbringen, ist die Trainerin überzeugt. „Tiere erwarten so wenig, da kann man sich leichter öffnen als bei Menschen – im wahrsten Sinne des Wortes.“

Welche Hunde mit zum Besuchsdienst dürfen, wählt Kaspar sorgfältig aus. Sie spricht in der Hundeschule Besitzer von sehr sozialen Hunden an, ob sie Zeit und Lust hätten, ehrenamtlich Senioren zu besuchen. Dabei müssen die Hunde vor allem gut mit anderen Hunden auskommen, keinen Futterneid zeigen und vom Wesen generell eher ruhig und gelassen sein. Ein besonderer Pluspunkt ist, wenn es sich um eine alte Hunderasse wie Schäferhund, Dackel oder Boxer handelt. „Das aktiviert die Senioren am meisten. Fast jeder kennt aus seiner Vergangenheit ein solches Exemplar, und wenn es der Schäferhund des Nachbarn war. Moderne Rassen wie australische Wasserhunde lösen weniger Emotionen aus“, weiß Kaspar.

Übrigens: Um sich für das Engagement zu bedanken, veranstaltete das Vitanas-Centrum zu Ostern eine Tombola. Der Erlös, rund 100 Euro, wurde der Hundeschule gespendet.