Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Mittwoch, 27. März 2019 Drucken

Bad Dürkheim

Digitale Revolution im Weinberg

von Dagmar Schindler-Nickel

Winzer Ulrich Meyer (links) und Marc Van Luyten beim Aufbau eines Funkmastes in der Kallstadter Gewanne „Hessel“.

Winzer Ulrich Meyer (links) und Marc Van Luyten beim Aufbau eines Funkmastes in der Kallstadter Gewanne „Hessel“. ( Fotos: Led)

Vier solcher Funkeinheiten wurden rings um Kallstadt aufgebaut. Sie sind mit der zentralen Wetterstation in der Weinlage Kronenberg verbunden.

Vier solcher Funkeinheiten wurden rings um Kallstadt aufgebaut. Sie sind mit der zentralen Wetterstation in der Weinlage Kronenberg verbunden. (Foto: led)

Vier solcher Funkeinheiten wurden rings um Kallstadt aufgebaut. Sie sind mit der zentralen Wetterstation in der Weinlage Kronenberg verbunden.

Vier solcher Funkeinheiten wurden rings um Kallstadt aufgebaut. Sie sind mit der zentralen Wetterstation in der Weinlage Kronenberg verbunden. (Foto: led)

Die Kallstadter Winzer steigen in den smarten Weinbau ein. Sie nutzen künftig digitale Technologien, um auf die Folgen des Klimawandels besser reagieren zu können. Das soll auch der Umwelt zugute kommen.

Der Funkmast in der Gewanne „Hessel“ im Norden von Kallstadt ist rasch aufgebaut. Marc Van Luyten zieht noch ein paar Schrauben fest und das mit Solarenergie betriebene Gerät ist einsatzbereit. Vier solcher Funkmasten hat der technische Leiter der Firma Visiovitis aus dem südhessischen Egelsbach rings um Kallstadt aufgebaut. Sie fangen die Daten auf, die 20 kleinere Funkeinheiten direkt in den Wingertzeilen messen. Alles ist vernetzt mit der zentralen Wetterstation in der Weinlage Kronenberg am östlichen Rand der Kallstadter Gemarkung.

„So können wir hier ein Gebiet von 350 Hektar abdecken“, erläutert Van Luyten. Gemessen werden Temperatur, Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeit, Luftdruck oder Wind. In den Weinbergen kommen beispielsweise noch Werte über die Blattnässe hinzu. Auch die Bodenfeuchtigkeit wird gemessen, um die Winzer auf drohende Trockenschäden aufmerksam zu machen.

Von Toskana zu Toskana

Die Daten werden über das Mobilfunknetz an Rechner übertragen, die anhand von Berechnungsmodellen vor Gefahren warnen. „Die Rechner befinden sich in Florenz, sie gehören der Firma Netsens, mit der wir zusammenarbeiten. Somit schaffen wir eine Datenverbindung von der pfälzischen in die italienische Toskana“, sagt Van Luyten schmunzelnd. Die Winzer selbst könnten eigenständig Informationen über Austrieb oder Blüte hinzufügen. Alle so gewonnenen Daten, die per Internet abrufbar sind, sollen dabei helfen, Infektionskrankheiten oder drohenden Spätfrost schneller zu erkennen.

„Ich erhoffe mir von dem System, künftig schneller und genauer reagieren zu können“, erklärt Winzer Ulrich Meyer, der damit das Kleinklima in seinem Weinberg per Smartphone, Tablet oder PC weltweit überwachen kann. Auch der ökologische Aspekt sei nicht zu unterschätzen. „Man kann künftig gezielter Pflanzenschutzmaßnahmen ergreifen. Womöglich lassen sich einige sogar ganz vermeiden“, erläutert der 58-Jährige mit Blick auf Krankheiten wie echter oder falscher Mehltau oder den Befall von Botrytis. Auch ein weiterer Ausbau des Netzes, beispielsweise nach Osten in Richtung Erpolzheim, wohin die Sensoren schon reichen, sei möglich.

Offizieller Start ist am Montag

750 Euro kostet die Winzer ein Sensor im Weinberg, 110 Euro seien für den Cloudzugang zu zahlen, erläutert Van Luyten. Aufmerksam geworden auf die digitale Revolution im Weinberg sind die Kallstadter Winzer bei einem Messebesuch. Die Gemeinde sowie einige örtliche Firmen haben sich bereiterklärt, das Projekt zu unterstützen. 6000 Euro, so Ortsbürgermeister Thomas Jaworek, habe der Gemeinderat dafür bewilligt. Die Daten der Wetterstation sollen künftig auf der Kallstadter Website abrufbar sein. Offizieller Start des Projekts – laut Van Luyten bislang das größte seiner Firma in Deutschland – ist am Montag.

Pfalz-Ticker