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Dienstag, 21. Mai 2019 Drucken

Speyer: Kultur Regional

Die Schule von Sago

Aus der berühmten Liedermacherschule von Berlin kommen die jüngsten Gäste in Ulis Wohnzimmer im „Philipp eins“ in Speyer

Von Christian Plötz

Ulis Wohnzimmer im alten Gemäuer des „Philipp eins“ ist das Kind des namensgebenden Uli Zehfuß, dass am Freitag seine zehnte Auflage feiern durfte. Ein wiederkehrender Begriff im Kontext dieser Veranstaltungsreihe ist Sago.

Nach einigen Wohnzimmerabenden mit Ulis Gästen kann man sich schon zusammenreimen, dass Sago der Name einer Liedermacherschule ist. Und weil Uli diesmal neben Liedermacherin Lucid auch Matthias Binner auf dem Sofa und auch an diversen Instrumenten Platz nahmen, bietet es sich an, Sago mal genauer zu betrachten, denn der Begriff war am Freitag allgegenwärtig. Nicht nur Uli Zehfuß, sondern auch Lucid und Matthias Binner sind durch diese Liedermacherschule gegangen.

Gegründet wurde Sago 1989 von Christoph Stählin. Selbst ein Liedermacher, der schon auf dem berühmten Festival auf Burg Waldeck 1964 dabei war, In seinem künstlerischen Schaffen hat er sich allerdings von der Tradition des politischen Liedes zugunsten eines ästhetischen Anspruches distanziert. Womöglich einer der Gründe, warum sein Namen der Öffentlichkeit weniger geläufig ist als Degenhardt, Biermann, Wader oder Hüsch. In seinem Hechinger Domizil hat Stählin „hinter den Kulissen“ des Kleinkunstbetriebes jedoch wichtige Arbeit geleistet. In Seminaren haben sich Generationen von angehenden und bereits etablierten Künstler mit ihrer eigenen Musik unter Anleitung auseinandergesetzt und weitergebildet. Entsprechend enthusiastisch waren die Elogen, die auch an diesem Abend dem 2017 verstorbenen Mentor ganzer Generationen von Liedermachern dargebracht wurden.

Matthias Binner, aus Berlin stammend, ist einer derjenigen, der Stählins Arbeit weiterführt. In seinen chansonhaften Liedern ging es hintergründig-poetisch zu, mit viel Charme und typisch Berliner Kolorit.

Aufgewachsen im Schatten der Mauer, sprechen seine Lieder immer wieder von der großen Stadt im Osten. Seien es die Schuttberge, die von der größenwahnsinnigen Nazi-Stadt „Germania“ blieben, die fröhlichen Kindern jetzt als Schlittenhügel dienen, oder seine Erinnerungen an den Fall der Mauer. Mit scharfer Zunge und noch schärferem Blick macht er aus Alltäglichem wie dem Vorgang „Kontaktlos bezahlen“ im Handumdrehen poetisches. Ebenfalls ehemalige Sago-Elevin Claudia Fink alias Lucid setzte dagegen eine andere Tonart. Mit vielfältigen Stimmkolorierungen von zart bis kraftvoll singt sie ihre Stücke größtenteils in englischer Sprache. Jazz und Folk vermischen sich mit Pop, ihre Texte sind weniger gegenständlich, doch genauso berührend. Und weil sie und Matthias Binner sich gut kennen, gibt es, für Ulis Wohnzimmer eher ungewöhnlich, sogar einen gemeinsamen Vortrag beider. Nicht ganz so proppenvoll wie im Februar, haben sich einige angesichts des lauen Sommerwetters wohl lieber fürs Straßencafé entschieden. Sie haben etwas verpasst.