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Samstag, 09. März 2019 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

Der Ruf nach Freiheit

Das Stück „Nicht ohne dich oder You bury me“ klagt die Militärdiktatur in Ägypten an und erlebt seine Uraufführung im Mannheimer Theaterhaus G7

Von Hans-Ulrich Fechler

Junge Menschen mit großen Problemen: Szene aus der Inszenierung „Nicht ohne dich“ im Mannheimer Theaterhaus G7.

Junge Menschen mit großen Problemen: Szene aus der Inszenierung „Nicht ohne dich“ im Mannheimer Theaterhaus G7. ( Foto: Thomas Tröster/frei)

Der kurze arabische Frühling ist einem langen frostigen Winter gewichen. Die aufflackernde Freiheitsbewegung hat eine Militärdiktatur wieder erstickt. Vom Leben Jugendlicher nach der Revolution erzählt das Theaterstück einer jungen Ägypterin, das jetzt am Theaterhaus in G 7 seine Uraufführung erlebt hat.

Sie kiffen und trinken Alkohol. Sie sammeln erste sexuelle Erfahrungen und haben ihr Coming-out. So weit, so normal problembeladen. Was die sechs jungen Leute in Ahlams Stück aber zusätzlich bedrückt, das ist die ständige Furcht vor Polizei und Geheimdienst, vor Bespitzelung, Verhaftung und Folter. Ahlam ist ein Pseudonym, denn die junge ägyptische Autorin, die das Stück „Nicht ohne dich oder You bury me“ geschrieben hat, hat Angst, ihren Namen preiszugeben. Ihr Stück ist nämlich eine Anklage der Unterdrückung in ihrem Heimatland und der Ruf nach Freiheit.

Da sind Alia und Tamer, gespielt von Vivien Zisack und Aaron Jeske. Sie ist Muslima, er Christ, und Alias Vater ist bei der Geheimpolizei. Beide sammeln ihre ersten schüchternen Erfahrungen. Doch als Tamer Alia beim Petting versehentlich die Jungfräulichkeit nimmt, geraten sie in Panik. Auf einem Floß wollen sie über das Mittelmeer nach Italien fliehen.

Da ist Tamers biedere Mauerblümchenschwester Lina und ihre Freundin, die kokette Maya, gespielt von Anna Göbel und Irina Maier. Nachdem Maya zum x-ten Mal von einem Liebhaber enttäuscht worden ist, offenbart Lina ihre lesbischen Neigungen, und die beiden werden ein Paar.

Und da sind Osman und Rafik, gespielt von Björn Luithardt und Müjdat Yüksel. Osman ist Journalist und wird vom Regime schikaniert. Bei ihm findet Rafik Unterschlupf, nachdem sein Vater ihn vor die Tür gesetzt hat. Erst nennt Rafik als Grund, dass er Atheist ist. Später gesteht er nicht nur, dass er homosexuell ist und sein Vater ihn mit einem Mann überrascht hat. Er warnt Osman auch, denn er sei verhaftet und gefoltert und mit der Auflage entlassen worden, seinen Freund vom Posten im Internet abzubringen. In einer packenden Szene bemüht Rafik sich, Osman von der Sinnlosigkeit eines Märtyrertodes zu überzeugen. „Niemand hört zu, niemand schert sich darum“, brüllt er ihn an.

Eine weitere Hauptrolle spielt die Millionenstadt Kairo, die immer wieder einmal in ihrer zerstörerischen Unbekümmertheit aufgerufen wird. Es ist ein Glück, dass das Mannheimer Theaterhaus die Uraufführung dieses sehenswerten Stücks besorgt hat. Inka Neubert hat sie flott und spannend inszeniert. Und es ist eine Schande, dass Deutschland und die Europäische Union um gute Beziehungen zu der brutalen Militärdiktatur in Ägypten bemüht sind, um Flüchtlinge aus Afrika von den Grenzen fernzuhalten.

Termine

Aufführungen am 16. März, 20 Uhr, 17. März, 16 Uhr. Kartentelefon: 0621/154976