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Samstag, 14. Mai 2016 Drucken

Kreis Germersheim

Pfälzische Tabakbranche kämpft um ihre Existenz

Von Natascha Ruske

 

Der Wegfall der EU-Subventionen vor sechs Jahren bedrohte die Existenz pfälzischer Tabakbauern. Nicht zuletzt wegen der Nachfrage aus den USA nach nachhaltig produziertem Tabak hat sich die Branche erholt. Markus Fischer aus Hördt ist einer der Landwirte, die rein organischen (Bio-)Tabak anbauen.

Es ist ein Blatttag im Mondkalender. Ein guter Tag für Markus Fischer seine hellgrünen Bio-Tabakpflänzchen aufs Feld zu bringen. Der Blick des 39-jährigen Landwirts schweift durch das feuchtwarme Folienhaus auf seinem Hof, in dem seit März Tausende Pflanzen heranwachsen. „Die Jungpflanzenanzucht ist das Wichtigste“, sagt der Hördter. So gut wie in dieser Saison lief es in den Vorjahren bislang nicht – bis zu 70 Prozent Ausfall bei der Anzucht musste der Tabakbauer schon hinnehmen. „Wir sind am experimentieren“, sagt er. Dazu gehört auch die Kulturarbeit nach dem Mondkalender. „Einige Dinge sind vielleicht Humbug, an anderen ist was dran.“ An Blatttagen wird auch ausgesät. „Wir haben es an anderen Tagen probiert“, erzählt er. „Die Pflanzen waren nur halb so groß.“

Pestizide oder künstliche Düngemittel sind beim organischen Tabakanbau tabu. Fischer setzt auf Lösungen aus der Natur: Der Boden des Bio-Ackers wird etwa durch müffelnde Haarmehlpellets mit Stickstoff angereichert, die Fotosynthese der Pflanzen mit Gesteinsmehl angeregt. Statt der chemischen Keule kommt gegen Unkraut öfter die Hacke zum Einsatz. Die schlimmste Krankheit des Tabaks, den Blauschimmel, bekämpft der Landwirt mit Kupfer. „Mit einem Naturprodukt hast du halt ein viel höheres Risiko“, weiß er. Den Ertrag gegenüber konventionellem Tabak schätzt er um ein Drittel weniger, den Zeitaufwand um ein Dreifaches höher ein. „Dafür erzielen wir aber einen höheren Kilopreis.“

Hauptabnehmer ist die amerikanische Firma Santa Fe Natural Tobacco. Nicht nur der Hördter Bio-Tabak landet bei dem Unternehmen, das in seiner Produktlinie „Natural American Spirit“ ausschließlich nachhaltig angebauten Tabak verarbeitet. Auch andere Pfälzer Landwirte haben diesen Wachstumsmarkt erkannt. Von den rund 50 pfälzischen Tabakbetrieben produziert etwa die Hälfte nachhaltig in sogenannter Integrierter Wirtschaftsweise, erklärt Guido Hörner, Vorsitzender des Landesverband rheinland-pfälzischer Tabakpflanzer. Der Einsatz von bestimmten umweltfreundlichen Dünge- und Pilzbekämpfungsmitteln ist dabei noch erlaubt. Nur vier zertifizierte Landwirte – neben Fischer drei Höfe in Kandel, Minfeld und Insheim – befolgen noch strengere Richtlinien und bauen zu 100 Prozent organischen Tabak an. Die Nachfrage aus den USA habe den Tabakanbau nach dem drohenden Kollaps der Branche 2010 wieder stabilisiert, sagt Hörner. Damals hatte die EU die Subventionen gestoppt.

„Wir sind durch das Tal des Todes durchgegangen“, sagt Markus Fischer, der mittlerweile zu seinen rumänischen Arbeitern aufs Feld gefahren ist. Drei Männer und eine Frau sitzen hinten auf dem Traktor und legen Pflänzchen für Pflänzchen in eine rotierende Maschine ein. Eine Arbeit so monoton wie das Geräusch des Schleppers, der langsamer als Schritttempo seine Bahnen zieht. Sechs Hektar Bio-Tabak baut Fischer an, pro Hektar werden rund 35.000 Pflanzen ausgebracht. Die auffälligen gelben Blumen am Feldrand sind nicht von allein aufgegangen: Der Schutz- und Blühstreifen aus Raps, Ölrettich, Gelbsenf und Sonnenblumen soll Insekten und andere Schädlinge anlocken und damit vom Tabak fernhalten. „Ohne American Spirit gäbe es keinen Tabakanbau mehr in der Pfalz“, meint der Nichtraucher. Fischers Blick schweift über den endlos erscheinenden Acker: „Wir sind stolz und froh, dass wir diese Tradition in der vierten Generation fortführen können.“ Der Tabak gehöre als Kulturpflanze einfach zur Pfalz dazu.