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Montag, 10. April 2017 Drucken

Sport

Das Imperium schlägt zurück

HANDBALL: THW Kiel gewinnt zum zehnten Mal den DHB-Pokal – 29:23-Sieg im Finale gegen SG Flensburg-Handewitt

VON UDO SCHÖPFER

 

Der Kieler Domagoj Duvnjak feiert mit der Trophäe und seinen Mannschaftskollegen den Gewinn des DHB-Pokals ( Foto: dpa)

Hamburg. Von wegen titellose Saison: Der THW Kiel wurde gestern zum zehnten Mal DHB-Pokalsieger. In einem sehr giftigen Finale bezwang der THW den alten Rivalen SG Flensburg-Handewitt mit 29:23 (13:12). Das Imperium schlug zurück.

 

Es war wie am Samstag – nur umgekehrt. So wie die SG Flensburg-Handewitt die Rhein-Neckar-Löwen in den letzten 20 Spielminuten vorführte, so klar und eindrucksvoll dominierte der THW Kiel gestern seinen Kontrahenten. Vom Glanz des erstes Tages war bei Flensburg nichts mehr zu sehen. Da schien eine andere Mannschaft auf dem Feld zu stehen, eine mit viel weniger Selbstvertrauen. Klar zu erkennen: Die SG war mehr und mehr beeindruckt. „Wir haben noch einen Titel zu gewinnen, der Kopf wird nicht lange unten sein“, betonte Flensburgs Holger Glandorf.

Kiel gewann, weil der Rekordpokalsieger die bessere Abwehr stellte. Der Flensburger Rückraum kam kaum zum Zug. Und Kiel hatte mit dem formidablen Niklas Landin den besseren Torhüter. Er bot eine sagenhafte Leistung. Nach dem Abpfiff hatte er seine kritischste Situation zu überstehen – als alle Kieler Spieler auf ihn zustürmten und ihn schier erdrückten. Dreimal parierte Landin spektakulär nach der Pause alleine bei Würfen des freien französischen Weltmeisters Kentin Mahé. Er wurde zum besten Keeper der Veranstaltung gewählt. „Mit dem Sieg fällt viel Druck von uns ab“, gestand Landin.

Zwischen der 36. und 44. Minute blieben die Flensburger knapp acht Minuten ohne Torerfolg. Und dann ist Kiel eben Kiel. Wenn der Champion die Schwäche des Gegners wittert, schnappt die Mannschaft unbarmherzig zu. Das Team spielte seine Angriffe routiniert und unaufgeregt durch, der am Knie verletzte Domagoj Duvnjak gab noch einmal alles und dirigierte seine Mannschaft vorzüglich. „Das ist unglaublich, mir war klar, dass ich noch einmal alles gebe. Die Abwehr war phänomenal. Wahrscheinlich mache ich nächste Woche die Operation“, erklärte Duvnjak. Die Pause: wohl neun Monate.

Vorsprung durch Taktik: Kiels Trainer Alfred Gislason hatte sich gleich etwas einfallen lassen. Er beorderte seinen Linksaußen Rune Dahmke auf die Mittelposition. Die Idee: Der schnelle Spieler sollte Tempo in die Partie bringen, die Flensburger Abwehr auf Trab halten. Eine Viertelstunde haute das hin mit der taktischen Finesse, dann kam die Flensburger Abwehr klar. Aber Kiel war gestern dem Widersacher fast immer einen Schritt voraus. „Der Sieg bedeutet mir sehr viel, in welcher Manier wir gewonnen haben, das hat mich beeindruckt“, kommentierte Alfred Gislason. Manager Thorsten Storm: „Dieser Sieg hat viele Geschichten, eine handelt von einer Mannschaft, die wirklich eine ist und von einem Kapitän, der überragend war und einem Torhüter, der doch große Spiele gewinnen kann.“

Viele der Kieler Fans waren in Hamburg mit dem offiziellen Trikot des THW für das Final Four unterwegs. Auf dem Hemd war zu lesen: Da sind wir wieder. Abgebildet waren der Pokal und die Jahreszahlen der Erfolge: 1998, 1999, 2000, 2007, 2008, 2009, 2011, 2012 und 2013. Bei der nächsten Teilnahme brauchen die Kieler Anhänger ein neues Leibchen …

So spielten sie

THW Kiel:

Landin, Wolff (bei einem Siebenmeter) - Weinhold (1), Dahmke (3), Duvnjak (7) - Ekberg (6/2), Santos (1) - Wiencek (4) - René Toft Hansen, Bilyk (3), Vujin (4), Brozovic, Nilsson

SG Flensburg-Handewitt:

Andersson, Moeller (ab 45.) - Glandorf (4), Mogensen (1), Lauge (4) - Svan (3), Mahé (4) - Heinl (1) - Karlsson, Henrik Toft Hansen (2), Eggert (2), Jakobsson, Gottfridsson, Djordjic (2)

Spielfilm:

3:3 (6.), 6:3 (11.), 9:9 (21.), 13:12 (29.), 17:15 (37.), 21:15 (44.), 23:18 (48.), 26:21 (56.) - Zeitstrafen:

3/4 - Siebenmeter:

2/2 - 2/2 - Beste Spieler:

Landin, Duvnjak, Wiencek, Vujin - Henrik Toft Hansen, Lauge - Zuschauer:

13.200 (ausverkauft) - Schiedsrichter:

Schulze/Tönnies (Magdeburg/Dodendorf).