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Freitag, 14. Juni 2019 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

Das Ende ist nahe

„8:27“ ist ein böser und lustiger Film über die letzte Zeit vor dem Weltuntergang

Von Gereon Hoffmann

Countdown bis zum bitteren Ende: Der bekannte Fernsehschauspieler Heinz Hönig spielt in dem Film einen Piloten.

Countdown bis zum bitteren Ende: Der bekannte Fernsehschauspieler Heinz Hönig spielt in dem Film einen Piloten. ( Filmstill/Foto: Raúl Semmler)

Der Schauspieler und Drehbuchautor Raúl Semmler.

Der Schauspieler und Drehbuchautor Raúl Semmler. ( Foto: KUNZ)

Wenn die Welt in knapp achteinhalb Minuten untergeht – was machst du dann noch? Die Frage stellten sich junge Filmemacher, zu denen Raúl Semmler gehört. Der Mannheimer ist Schauspieler, Drehbuchautor und Sprecher für Audioproduktionen und Sychronisationen. Der gemeinsame Film heißt „8:27“ ist böse und lustig und hat sogar schon internationale Preise gewonnen.

Die heimlich angebetete Chefin noch verführen? Einmal einen Looping fliegen? Welche heimlichen Wünsche würde man sich noch unbedingt erfüllen, wenn das Ende käme? Raúl Semmler saß mit ein paar Freunden zusammen und beobachtete den Sonnenuntergang, als einer die Idee hatte: Was wäre, wenn plötzlich die Sonne aufhören würde zu scheinen? Das Licht braucht 8:27 Minuten bis zur Erde – also hätte die Menschheit noch die paar Minuten Lebenszeit, im vollen Bewusstsein, dass danach der sichere Tod kommt. Die Ausgangssituation, ein Countdown bis zum bitteren Ende, ist ein Klassiker. Hier waren es acht junge Filmschaffende, von denen jeder die Ausgangsfrage anders beantwortet hat. Und so gibt es verschiedene Schauplätze und Schauspieler, die Menschen darstellen, denen klar wird, dass ihr letztes Stündlein schon fast vorbei ist.

Einer von ihnen ist der aus dem Fernsehen bekannte Heinz Hoenig, den Raúl Semmler für das Projekt gewinnen konnte. Er spielt den Piloten einer Linienmaschine, der wenigsten einmal in seinem Leben einen Looping fliegen will.

Heinz Hoenig und Raúl Semmler kennen sich von den Bad Hersfelder Festspielen, wo beide unter der Regie von Dieter Wedel gespielt haben. Und Hoenig scheint ein netter und hilfsbereiter Kollege zu sein, denn er war gleich zur Mitwirkung bereit, ebenso Guido A. Schick, bekannt aus „Absolute Giganten“. Raúl Semmler lernte ihn 2014 kennen, als beide bei den Nibelungenfestspielen in Worms auf der Bühne standen.

8:27 ist ein Episodenfilm geworden. Gemeinsam ist den Szenen, dass sie grotesk und voll schwarzen Humors sind. Der wird so trocken serviert, dass der Film schon fast etwas britisch wirkt. Da überrascht es nicht, dass das Werk schon bei der Vorstellung der Projektidee beim British-European-Talentscreening den ersten Platz belegt hat. Der komplette Film hat dann beim Boston Sci Fi Festival den Publikumspreis gewonnen.

Raúl Semmler ist in dem Film in einer winzigen Nebenrolle zu sehen. Größere Rollen hatte er unter anderem als Romeo und als Caliban in Shakespeare-Dramen, in Worms war er König Giselher. In Sönke Wortmanns „Die Päpstin“ spielte er einen Mönch, der sich gegen Abt und Obrigkeit erhebt und dafür ausgepeitscht wird.

Die Schauspielerei ist sein ursprüngliches Fach. „Ich spiele, seit ich 16 bin“, sagt er. Seine Ausbildung machte der 1984 in Jena geborene Künstler an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Danach war er am Landestheater Tübingen engagiert. „Ich war lange der Berufsjugendliche und wurde als junger Revoluzzer besetzt“, sagt der heute 34-Jährige. Als Drehbuchschreiber ist er Quereinsteiger. Aber das habe Vorteile, sagt er, obgleich die Erfahrung an Filmsets natürlich hilfreich sei. Der Rest war „learning by doing“. Nach Mannheim gekommen ist er durch seine Frau, die in Germersheim studiert hat. Nach wie vor ist er mit der Filmszene Rhein-Main-Neckar gut vernetzt. Und Mannheim sei ein guter Standort. Bei Aufträgen als Schauspieler oder Sprecher könne er schnell zu den Studios nach Frankfurt kommen, inzwischen habe er auch zuhause ein Studio, um Sprache aufzunehmen. Das Leben im Südwesten gefällt dem in Berlin aufgewachsenen Künstler. „Hier sind die Menschen viel entspannter, man kennt sich und das Leben ist angenehm“, sagt er. Von Vorteil sei auch die Filmförderung in Baden-Württemberg, die Produktionen unterstützt.

Seine Idee und sein Beitrag zu dem Weltuntergangsfilm ließen sich leider nicht realisieren. Er hatte die Idee, ein spannendes Fußballspiel zu zeigen, bei dem ein Underdog gegen einen Erstligisten spielt. Das zu realisieren war dann leider aus Kostengründen nicht möglich.

„8:27“ in der Regie von Matthias Kreter, mit dem Produzenten Nicolas Kronauer und der Produktionsfirma Fourmat Film GmbH wird vorerst noch auf Festivals gezeigt. Ein Making-of ist auf dem Youtube Kanal von Fourmat Film zu sehen. Dort soll dann auch der komplette Film erscheinen.