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Freitag, 16. Februar 2018 Drucken

Olympia-Tagebuch

Danke, danke – Kamsahamnida

Olympia-Tagebuch: Die höfliche koreanische Variante der Personenkontrollen

Von

Elisabeth Schlammerl

Sicherheitskontrollen sind eine lästige Pflicht bei Olympischen Spielen. In der Regel bilden sich lange Schlangen vor den Schleusen. Ein Schild zeigt jene Gegenstände, die man auf keinen Fall mit in den internen Bereich nehmen darf. Glasflaschen, Flüssigkeiten nur in kleinen Mengen, Spraydosen, Messer, Waffen, das übliche eben. Rucksäcke und Taschen werden durchleuchtet und gründlich inspiziert, die Menschen müssen durch einen Metalldetektor laufen, und wenn der anschlägt, wird per Handscanner der Körper gründlich abgesucht.

In Pyeongchang gibt es auch diese obligatorischen Schleusen, ebenso wie ein ausgeklügeltes elektronisches Sicherheitssystem mit High-Tech-Equipment wie Drohnen und High-End-Kameras. Aber dennoch unterscheiden sich Personenkontrolle grundlegend von denen bei anderen Olympischen Spielen.

Zum einen gibt es keine langen Schlangen, zum anderen scheint den Koreanern der Check am Mann oder der Frau eher unangenehm zu sein. Womöglich liegt es daran, dass sie in einem der sichersten Länder der Welt leben, vielleicht aber auch wollen sie ganz einfach aus Höflichkeit fremden Menschen nicht zu nahe kommen. Schon bevor sie zum Handscanner greifen, sagen sie deshalb lächelnd „Kamsahamnida“, danke, hinterher gleich nochmal. Und wenn sie in den Rucksäcken dann doch einmal etwas entdecken, was ihrer Meinung nach auf die offizielle Indexliste gehört, übersehen sie es entweder oder bitten freundlich darum, die Gegenstände zurückzulassen.

Da treffen aber unter Umständen zwei Kulturen aufeinander. In Korea gilt es als unhöflich, eine Bitte nicht zu erfüllen. Die Europäer lassen sich dagegen von einem sanften Hinweis nicht unbedingt beeindrucken. Als ein deutscher Kollege mit einer Getränke-Dose durch die Sicherheitskontrolle in Alpensia marschieren wollte, sagte der junge Mann dort: „No can“. Seinem schlechten Englisch war es vermutlich geschuldet, dass er dies nicht als Bitte formulierte. Dem Journalisten klang dies aber auch so nicht bestimmt genug, jedenfalls antwortete er mit „yes can“. Das Spiel wiederholte sich – und dann gab der Koreaner auf, nickte und erklärte: „Yes can“.

Ähnlich erging es einer anderen Kollegin, die ihr Frühstück, Banane und Joghurt, hätte zurücklassen sollen. Als der junge Mann am Sicherheitscheck sie bat, die Speisen aus dem Rucksack zu nehmen, ließ sie ihn deutlich wissen, dass sie sich nicht daran halten würde. Sie nahm den Rucksack aus der Hand und marschierte ohne sich umzudrehen auf den Bus Richtung Yongpyong Alpine Centre zu – allerdings mit schlechtem Gewissen. Sie wusste, sie war nicht nur sehr unhöflich, sondern der junge Mann hatte auch noch sein Gesicht verloren. Übrigens: Bei allen anderen Kontrollstellen sind weder Banane noch Joghurt ein Problem, meistens ist sogar eine Wasserflasche erlaubt.

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