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Mittwoch, 29. Juli 2015 Drucken

Kusel

Bürgergemeinschaft Obereisenbach gestaltet leerstehendes Haus zum Treffpunkt mit Steinbackofen um

Von Susanne Cahn

Jede Menge Arbeit, aber viele Mitstreiter: Sören Büllesfeld (links) und Hubert Huck von der Bürgergemeinschaft Obereisenbach im Haus von Tante Klara. ( Foto: M. Hoffmann)

Tante Klara würde sich bestimmt freuen, wenn sie sehen könnte, was die Obereisenbacher mit ihrem Haus schon alles gemacht haben. Denn rund um das Anwesen der vor wenigen Jahren verstorbenen Dorfbewohnerin in der Ortsmitte entsteht ein einzigartiges Projekt von Bürgern für Bürger. Herzstück des neuen Treffpunktes wird ein großer Steinbackofen sein. Zu Weihnachten soll er in Betrieb gehen.

 „Lasst uns ein Backhaus bauen“, wirbt die Bürgergemeinschaft Obereisenbach für ihr Projekt „Tante Klara“. Namensgeberin ist Klara Jung, die letzte Bewohnerin des künftigen Dorfzentrums. Wie in vielen anderen Häusern im Dorf, gab es auch in der Ortsstraße 7 einst einen alten Steinbackofen. „Alles soll wieder so werden wie früher“, sagt Sören Büllesfeld von der Bürgergemeinschaft. Und damit meint er auch den Ofen. Büllesfeld zeigt auf eine Mauer, hinter der demnächst wieder leckeres Brot gebacken werden soll. Wie, das kann man sich schon gut vorstellen, denn die Kinder haben ein Bild eines Backofens an die Wand gemalt.

Doch das Projekt „Tante Klara“ beinhaltet noch mehr. Neben dem Backhaus soll ein Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft und Vereine entstehen, Generationentreff, Ferienwohnung und Ausflugsziel werden angeboten. Auch gehe es darum, den Ort attraktiv zu gestalten und die Nahversorgung zu unterstützen, erläutert Büllesfeld. So entwickelt sich der frühere Kuhstall derzeit zum Aufenthaltsraum, im Schweinestall sollen Toiletten installiert werden. Eine Garage ist schon fertig, mehrere Lagerräume sowie ein großer Speicher werden aufgemöbelt.

Noch allerhand Arbeit haben die Macher auch mit der ehemaligen Wohnung von Klara Jung. Auf zwei Stockwerken ist dort nämlich die Zeit stehen geblieben, die Einrichtung noch so wie zu Lebzeiten der Bewohnerin: In einem Zimmer liegen die Weihnachtskugeln bereit, unter dem Glas der Kommode die Häkeldeckchen, Retro-Tapeten aus den 1960er Jahren, die gesammelten Walnüsse in Plastikeimern. „Wir werden renovieren, aber die Einrichtung bleibt, wie es einmal war“, schildert Büllesfeld.

Als die Gastwirtschaft in dem 60-Seelen-Ort vor Jahren geschlossen worden war, sei das ein großer Verlust für das dörfliche Gemeinschaftsleben gewesen, erzählt Mitstreiter Hubert Huck. 1996 sei die Bürgergemeinschaft Obereisenbach gegründet worden, die vergangenen Jahre aber nicht recht aktiv gewesen. „Es fehlte einfach der Treffpunkt“, blickt er zurück. Um diesen nun zu gestalten, seien alle sehr motiviert, berichtet Huck. Der Verein zähle inzwischen 62 Mitglieder, auch von außerhalb.

„Am Freitag, den 13. (Februar, die Red.) haben wir das Haus gekauft“, blickt Sören Büllesfeld zurück. 10.000 Euro kostete die Immobilie aus dem Jahr 1936 mit 92 Quadratmetern Wohnfläche. Insgesamt seien bislang 16.000 Euro Spenden eingenommen worden. Seit dem Frühjahr laufen Umbau, Entrümpelung und Räumung. Erster Arbeitseinsatz war eine Dachreparatur – kostenlos von der Fachfirma spendiert. „Wir machen alles selbst“, erklärt Büllesfeld. Einige Elektriker seien mit von der Partie, auch andere Handwerker aus dem Dorf seien vertreten. „Zehn Leute sind hier immer am Werk“, meint Büllesfeld lachend. Schließlich soll an Weihnachten unten alles fertig sein. Gerne angenommen werde auch Bau-Material. Eine Heizung etwa fehlt in dem Gebäude komplett. Und: „Wir könnten noch 30.000 Euro gebrauchen“, kalkuliert Büllesfeld. Der Verein hofft derzeit auf eine Förderung aus Fremdenverkehrsmitteln, 13.000 Euro seien im Mai beantragt worden.

Das Projekt „Tante Klara“ bringt schon jetzt das Dorfleben wieder in Gang. „Es gibt hier keine Leerstände mehr“, freut sich Büllesfeld. Und nach zehn Jahren Pause feierte Obereisenbach Anfang Juli wieder eine richtige Kerwe. 200 Leute seien gekommen, berichtet der 42-jährige Ex-Lauterer, den es vor zehn Jahren in den Westrich verschlug.

In ihrem Projekt, das von dem Architekten Klaus Dockendorf kostenlos begleitet wird, sieht die Bürgergemeinschaft einen Beitrag, den Auswirkungen des demografischen Wandels entgegenzuwirken. Der Verein will sich sozialer Aufgaben annehmen und Strukturen zur Unterstützung hilfsbedürftiger Bürger aufbauen. Beratung, gemeinsame Aktivitäten und die Förderung des Kontaktes zwischen den Generationen sind weitere Ziele. Auch gehe es darum, Neubürger ins Dorf zu ziehen. „Ein Projekt, das sich eigentlich auf jedes Dorf adaptieren lässt“, findet Sören Büllesfeld.

  Info

Bürgergemeinschaft Obereisenbach: Telefon 06387 994442, www.obereisenbach.de. Spenden: IBAN DE46 5405 1550 0130 038094.