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Sonntag, 18. Dezember 2016 Drucken

RHEINPFALZ am Sonntag

Bombenfund lässt viele Fragen offen

Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse

Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) versichert, der mutmaßliche Bombenleger sei an einem sicheren Ort untergebracht. (Foto: Kunz)

Abgestellte Tasche.

Dass am Rande des Ludwigshafener Weihnachtsmarktes selbstgebastelte Sprengsätze gefunden wurden, verunsichert Besucher und lässt jede herrenlose Tasche als mögliche Gefahr erscheinen. (Foto: Kunz)

In dem Alter basteln andere noch mit Lego. Doch Experten sind davon nicht überrascht, dass ein Zwölfjähriger in Ludwigshafen versucht haben soll, aus islamistischer Überzeugung eine Bombe zu zünden.

Am Tag nach Bekanntwerden des mutmaßlichen Anschlagsversuchs eines Zwölfjährigen in Ludwigshafen sind viele Fragen offen. Es lasse sich nichts Neues sagen, betonte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft gestern in Karlsruhe. Gegen wen sich die Ermittlungen richten, ist weiter unbekannt. Der in Ludwigshafen geborene Junge soll Kontakt zu radikalen Islamisten gehabt haben. Er selbst ist noch strafunmündig. Laut Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) befindet er sich an einem sicheren Ort. Von ihm gehe keine Gefahr aus. Fraglich ist, wer ihn bei seiner angeblichen Tat antrieb. Der Südwestrundfunk berichtete, der Junge sei über den Messengerdienst Telegram angeleitet worden, die Spur führe zum IS. Dazu äußerte sich die Bundesanwaltschaft bislang nicht.

Wie gestern berichtet, soll der Junge zunächst am 26. November versucht haben, ein mit Pulver aus Feuerwerkskörpern und Wunderkerzen gefülltes Konservenglas auf dem Weihnachtsmarkt zu zünden. Später, am 5. Dezember, soll er es dann in einer Tasche neben einem Müllcontainer im Hinterhof des Rathauses deponiert haben. Dort wurde es entdeckt.

Fachleute reagierten auf das Alter des mutmaßlichen Täters wenig überrascht. „Es wäre nicht neu, dass Terrororganisationen versuchen, Kinder zu rekrutieren“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, gestern der „Passauer Neuen Presse“. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, sprach sich dafür aus, die Suche nach potenziellen Tätern im Internet zu intensivieren. Die Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam der Universität Frankfurt, Susanne Schröter, sagte: „Kinder sind überhaupt noch nicht im Fokus von Präventionsmaßnahmen.“ Schon in der Grundschule müsste aus ihrer Sicht begonnen werden, Widerstandsfähigkeit gegen extremistische Ideologie aufzubauen.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium sieht keine neue Sicherheitslage: In der Gesamtschau sei von einer „abstrakten Gefährdung von Weihnachtsmärkten in Deutschland aus dem Bereich des islamistischen Terrorismus“ auszugehen. Dem Bundeskriminalamt lägen aber keine Erkenntnisse vor, aus denen sich eine konkrete Gefahr für die Märkte ableiten lasse. |ras/dpa