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Montag, 12. Februar 2018 Drucken

Olympia-Tagebuch

Aquarium voller Fischroboter

Olympia-Tagebuch: Die koreanischen Gastgeber und ihr Technik-Spleen

Von Elisabeth Schlammerl

Südkorea - Land der Roboter. (Symbolfoto:dpa)

Gopher braucht eine Pause, sein einäugiger, bauchiger Gefährte auch. Gemeinsam stehen sie in einer Ecke und tanken Energie auf. Gopher heißt natürlich gar nicht so, der Name, der eigentlich einen Informationsdienst bezeichnet, steht nur unter einem Fisch-Emblem auf dem kleinen runden Freund, der stets zu Diensten ist. Denn wenn nicht gerade der Akku leer ist, liefert er Wasserflaschen auf Zuruf. Der Getränkeroboter flitzt dann durchs Pressezentrum und sorgt für das eine oder andere Lächeln.

 

Der große Saugroboter, der nicht zu vergleichen ist mit jenen handlichen Exemplaren für Privathaushalte, bewegt sich gemächlicher über den Flur. Dem menschlichen Reinigungspersonal scheint der lustige Gefährte allerdings nicht ganz geheuer zu sein. Kaum hängt der Roboter wieder an der Ladestation, holen die Frauen den herkömmlichen Staubsauger hervor, um den Boden zu säubern. Das große Aquarium im Foyer des Pressezentrums macht im Gegensatz zum Teppich keine große Arbeit. Denn die exotischen Fische, die drinnen schwimmen, brauchen weder Pflege noch frisches Wasser, nur ab und zu sollte man sie mit einer neuen Batterie füttern. Denn es handelt sich nicht um Lebewesen sondern um kleine Fischroboter.

 

Korea ist das Land mit der größten Roboterdichte auf der Welt, 631 Roboter kommen auf 10.000 Arbeiten, in Deutschland, Spitzenreiter in Europa, sind es nicht halb so viele. Die Asiaten liefern bereits bei der Ankunft im Flughafen Incheon einen Beweis ihres hohen Standards. Seit vergangenem Sommer helfen dort Roboter Reisenden bei der Orientierung, dank einer Software in mehreren Sprachen. Der Olympia-Gastgeber hat sich vorgenommen, die Bühne Winterspiele für weitere Präsentationen seiner Elektronik-Kompetenz zu nutzen. An Venues weisen unter anderem Roboter den richtigen Weg, an manchen Bushaltestellen leiert eine Computerstimme in Dauerschleife die nächsten Abfahrtszeiten und Verbindungen herunter – und für die Bedienung der computergesteuerten Heizung in den Zimmern im Media Village hat das Organisationskomitee bereits vor der Ankunft eine mehrseitige Anleitung per Mail verschickt, aber die hat ebenso wenig geholfen wie ein wenig technisches Geschick vor Ort. Egal, welche Tasten man auch drückt, die Temperatur bleibt immer gleich.

 

Zum koreanischen Technik-Spleen passt die Toilettenkultur, denn der Besuch auf dem stillen Örtchen kann ein – ferngesteuertes – Erlebnis sein. Dank eines Bewegungssensors öffnet sich der Deckel automatisch, sobald man sich nähert. Die Klobrillen-Heizung sorgt – vor allem bei diesen frostigen Temperaturen – für eine wohlige Atmosphäre. Die gewünschte Temperatur lässt sich auf der Schaltfläche, die an eine TV-Fernbedienung erinnert, an der Seite einstellen – wenn man den richtigen Knopf findet. Was die Toilette sonst noch alles so kann, lässt sich aufgrund der koreanischen Beschriftung nur erahnen. Koreanische Wasserspiele.