Weilerbach
US-Militärhospital: Eine der größten Baustellen in Deutschland
Wenn hohe Vertreter der US-Politik die Air Base Ramstein besuchen, gehört oft eine Rede vor den Soldaten im größten Hangar zum Pflichtprogramm. Ein Abstecher zum 13 Kilometer entfernt gelegenen Militärkrankenhaus ist meist ebenso ein Muss. Kaum war der damalige US-Präsident Barack Obama im Juni 2009 mit der Air Force One gelandet, ging es deshalb schon im Limousinen-Eiltempo auf den Landstuhler Kirchberg. Um freie Bahn zu schaffen und das Sicherheitsrisiko zu minimieren, waren Hunderte deutsche Polizisten entlang der Straßen im Einsatz.
Diese Distanz zwischen Flugplatz und Krankenhaus muss auch dann zurückgelegt werden, wenn verwundete Soldaten aus den Einsatzgebieten eingeflogen werden. Und nicht immer bleiben sie dann im Regional Medical Center Landstuhl, sondern werden dort nur zwischenversorgt und danach von Ramstein aus in die Heimat geflogen.
Als es folglich darum ging, ob das 1953 eröffnete Landstuhler US-Hospital für Hunderttausende Dollar saniert oder besser an anderer Stelle neu gebaut werden soll, war diese Entfernung ein Argument dafür, dass das Pendel nach über zweijähriger Debatte in den USA am Ende zugunsten des Neubaus ausschlug. Hinzu kam allerdings auch, dass die kleine Klinik auf der Air Base ebenfalls saniert werden musste. Dass sich Army und Air Force einig wurden und sogar kooperierten, war fast schon eine kleine Sensation.
Dann kam Trump
Das war vor 13 Jahren, im Mai 2011. Dass es noch einmal 16 Jahre dauern sollte, bis die neue Klinik vom deutschen Bauherrn an das US-Militär übergeben werden kann – projiziert ist Ende 2027 – hatte sich damals niemand vorstellen können. Doch wurde in den Staaten lange darüber gestritten, wie viel Geld das Projekt kosten darf. Dann kam die Präsidentschaft von Donald Trump, der sich nicht unbedingt als Liebhaber von in Deutschland stationierten US-Truppen outete. Deshalb sollte es trotz des offiziellen Spatenstichs am 24. Oktober 2014 noch einmal lange dauern.
Diese Zeitspanne hing aber nicht nur mit Debatten und politischen Entwicklungen in den USA zusammen. Vor allem rechtliche Fragen mussten vorab geklärt werden. Einfach gesagt, ging es darum, geltendes deutsches Baurecht mit den Vorschriften der US-Seite unter einen Hut zu bringen. Dabei sollte vieles von Anfang an besser gemacht werden als bei früheren Großprojekten, Beispiel Ausbau der Air Base Ramstein nach der Schließung der US-Basis in Frankfurt. Mehr Effizienz, mehr Effektivität, lauteten die Schlagworte.
Schon immer das größte
Zwar ist bereits das Landstuhler US-Hospital das größte seiner Art außerhalb der Vereinigten Staaten. Der Neubau aber übertrifft es trotzdem um Längen. Was in der Natur der Sache liegt, weil sich seit 1953 viel getan hat. Insofern ist es auch kein Wunder, dass der Neubau rund 1,6 Milliarden US-Dollar (gut 1,5 Milliarden Euro) kosten wird, die technische Ausrüstung inbegriffen. Die Bundesrepublik steuert gemäß Nato-Truppenstatut 151 Millionen Euro für Planungs- und Baubetreuungskosten bei.
Gelegen im ehemaligen US-Munitionsdepot Weilerbach in direkter Nachbarschaft der Air Base Ramstein, wurden zudem etliche Millionen Dollar in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur investiert, um den Zugang über die Landesstraße 369 zum Hospital und das Ost-Tor des Flugplatzes so auszubauen, dass es in den Stoßzeiten nicht zum Verkehrskollaps kommt.
50 Hektar – etwa 50 Fußballfelder – umfasst die Baustelle. Dafür wurden im Februar 2014 rund 50.000 Bäume eingeschlagen. Danach mussten 600.000 Kubikmeter Erde bewegt werden – wegen der Altlastensanierung und um das Gelände zu begradigen. Aktuell wächst der Klinik-Rohbau, bis Ende 2024 soll er abgeschlossen sein.
Das Hospital wird Zentren zur ambulanten und stationären medizinischen Versorgung umfassen, hinzu kommen Verwaltung, Kapelle sowie zwei Parkhäuser. 4680 Räume sind insgesamt geplant, davon 120 Untersuchungsräume und neun OP-Säle. Die Bettenanzahl beträgt 68 und kann auf 93 erweitert werden.
Bezogen sind diese Zahlen auf in den Einsatzgebieten verwundete Soldaten sowie auf die Versorgung der gut 50.000 Amerikaner der US-Militärgemeinde Kaiserslautern und der Streitkräfte an den weiteren Standorten in Europa, im Nahen Osten und Afrika. 1200 Patienten pro Tag sollen behandelt werden können – von 1400 Mitarbeitenden im Drei-Schicht-Betrieb. Nach der Übergabe Ende 2027 wollen die Amerikaner 2029 den Betrieb starten.
Partnering-Verfahren neu
Ähnlich kompliziert wie die rechtlichen Voraussetzungen ist die Bauherren-Thematik. Bauherr ist der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), der dem rheinland-pfälzischen Finanzministerium unterstellt ist. Dafür hat der LBB eine eigene Niederlassung Weilerbach gegründet. Beauftragt mit dem Projekt wurde er vom Amt für Bundesbau Rheinland-Pfalz mit Sitz in Mainz. Es hat als Bundesbehörde die Fachaufsicht über das Projekt, tritt stellvertretend für den US-Auftraggeber auf.
Drei Dinge sollen wesentlich dazu beitragen, dass das Projekt so reibungslos wie möglich abläuft – ohne große weitere Verzögerungen, ohne Debatten über Nachtragsrechnungen, ohne rechtliche Probleme. Das erste Schlagwort lautet Partnering-Verfahren: Schon als geplant wurde, war die Bauwirtschaft, also die Praxis, mit dabei. Als Generalunternehmen erhielt dann 2022 die Arbeitsgemeinschaft aus der Strabag-Tochter Züblin (Stuttgart) und der Gilbane Germany GmbH (Frankfurt am Main) den Zuschlag. Der gesamte Planungs- und Bauprozess ist digitalisiert, die dazu verwendete Software einheitlich.
Zur Projektvereinbarung zwischen Bund und US-Militär gehört außerdem, dass möglichst nichts mehr verändert wird („no changes“). Um das zu gewährleisten, wurden auf der Baustelle zuletzt zwei Musterhäuser errichtet: eines zeigt Fassadengestaltungen, das andere medizinische Räume.
Trotz Generalunternehmer kommen auch regionale Firmen zum Zug – aktuell zum Beispiel bei Erd-, Beton- und Schreinerarbeiten, wie LBB-Niederlassungsleiterin Bettina Bachem erläutert. Die regionale Wirtschaft profitiere außerdem von den vielen Handwerkern, die unter der Woche untergebracht werden müssten, derzeit im Geschäft seien außerdem Caterer und Reinigungsfirmen. Günstig dabei wirke sich die enge Zusammenarbeit mit dem Verein Zukunftsregion Westpfalz aus.
Streit mit Naturschutzverbänden gab es zu Beginn. Damals wurde versucht, bei der Umweltverträglichkeitsprüfung die Öffentlichkeit auszuschließen. Das war zwar zulässig, um schneller voranzukommen, doch machte man sich dabei weder die Naturschützer noch die Region Kaiserslautern zum Freund. Zwei Verbände klagten schließlich und bekamen Recht. Am Ende lief alles wie bei einem zivilen Bauvorhaben ab.
Seit 1945 im Land
US-Streitkräfte sind seit Ende des zweiten Weltkriegs 1945 in Rheinland-Pfalz stationiert. Heute sind die US-Landstreitkräfte (Army) noch in der Westpfalz (Stadt und Kreis Kaiserslautern) sowie in Baumholder nahe Kusel vertreten, Garnisonen gibt es zudem in Germersheim, Grünstadt und Pirmasens. Hinzu kommt die US-Luftwaffe (Air Force) mit dem Fracht- und Truppentransport-Drehkreuz Ramstein und dem Flugplatz in Spangdahlem, wo Kampfjets stationiert sind. In Ramstein als Heimatbasis des 86. Lufttransportgeschwaders ist zudem das Hauptquartier der Nato-Luftstreitkräfte ansässig, ebenso wie jenes der US-Luftwaffe in Europa und Afrika.
Ende Februar hatte sich der rheinland-pfälzische Innenminister Michael Ebling (SPD) erstmals selbst ein Bild von der Baustelle gemacht: „Die schiere Größe ist schon überwältigend.“ Den Neubau bezeichnete er als ein Stück „gebautes Vertrauen“ zwischen Rheinland-Pfalz und den USA. Angesichts der aktuellen Weltlage hätten solche Investitionen eine zusätzliche Bedeutung bekommen. In diesem Monat knüpft Ebling an die Tradition seiner Amtsvorgänger an und reist zur Kontaktpflege nach Washington.