Dunzweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Aus der Westpfalz ins Auswärtige Amt – und zurück

Nach 13 Jahren in Niedersachsen ist Thorsten Zimmer zurück im Kreis Kusel.
Nach 13 Jahren in Niedersachsen ist Thorsten Zimmer zurück im Kreis Kusel.

Hinter Thorsten Zimmer liegen bewegte Jahre. Aus seiner westpfälzischen Heimat Dunzweiler zog es ihn zunächst unerwartet als Lehrer nach Niedersachsen, kurz darauf fand er sich in Landtagen und im Auswärtigen Amt wider. Nicht etwa, weil er eine politische Laufbahn einschlug.

Thorsten Zimmer ist leidenschaftlicher Europäer. Schon in seiner Kindheit entwickelte der Dunzweilerer eine große Verbundenheit zu Frankreich, wo er durch ein Austauschprogramm auch ein halbes Jahr zur Schule gehen konnte. „Mehr Grenzmensch kann man nicht sein. Ich bin auf zwei Seiten zu Hause“, betont er. Als Teenager sei er über die Freundschaftsbrücke zwischen dem französischen Grosbliederstroff und dem saarländischen Kleinblittersdorf gegangen: „Das hat mich unheimlich beeindruckt.“

Das bewegte den Dunzweilerer dazu, 2020 die Initiative „#mehreuropa“ zu gründen. Damit wolle er neben gesellschaftlicher Zusammenarbeit auch demokratische Bildung an Schulen fördern, ebenso wie digitale Konzepte in der Wirtschaft. „Wir sind eine Richtungsinitiative. Es geht darum, Leute mit dem gleichen Mindset in die gleiche Richtung zu schieben“, sagt Zimmer im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Dabei will er stets überparteilich bleiben und sich nicht an einzelne Gruppen, Parteien oder Organisationen binden: „Es ist ein Querschnitt der Bevölkerung und so ist es auch gewünscht.“

Kausalität statt Zeitstrahl

Obwohl Zimmer 13 Jahre lang in Niedersachsen Schülerinnen und Schüler unterrichtete, hat er nie ein Lehramtsstudium gemacht. „Ich habe einen Magister in Sprachen und Musik. Eines Tages kam eine Anfrage aus Niedersachsen. Ich könnte Musiklehrer werden, weil so ein großer Mangel herrscht“, erinnert er sich. Zuvor sei er lediglich mal als Aushilfe eingesprungen, wirklich als Lehrer gearbeitet hatte er nie. Aber Zimmer fand Gefallen daran und kombinierte später seine Initiative mit seiner Arbeit. Das erklärte Ziel: „Den Schülern Europa greifbar machen.“

Gemeinsam mit seiner Klasse hat er Ideen entwickelt. Dabei hat Zimmer die Fächer Politik, Wirtschaft und Geschichte miteinander verbunden. „Es wurde trotzdem alles gemacht, was im Lehrplan steht, aber die Themen wurden in Zusammenhang gestellt“, betont Zimmer. „Unterricht nach Kausalität statt Zeitstrahl“, nennt er das. Da der Dunzweilerer seine Initiative bereits im niedersächsischen Landtag vorstellen durfte, wurden auch die großen Ministerien in Berlin auf den Lehrer aufmerksam. So erreichte ihn – völlig unerwartet während des Unterrichts – ein Anruf des Auswärtigen Amtes. Dank der Unterstützung aus der Hauptstadt konnte Zimmer eine Lern-App nach seinen Vorstellungen entwickeln lassen.

Spielerisch Europa kennenlernen

Mit dieser App entstand ein digitales Lernkonzept, das Zimmer von der Mittelstufe bis zur Berufsbildenden Schule erprobte. Das heißt aber nicht, dass in seinem Unterricht nur noch auf Bildschirme geschaut wird: „Es gibt trotzdem noch eine normale Tafel. Es geht darum, die bestimmten Medien gezielt einzusetzen. Das schafft Vertrauen.“ Die App ermöglicht es, den Kindern europäisches Fachwissen – etwa zu Verwaltungssitzen, Geografie und wichtigen Persönlichkeiten – mit spielerischen Elementen zu vermitteln. Dazu brauche es auch keine besonderen Effekte oder ähnliches, wie Zimmer sagt: „Die App ist bewusst minimalistisch gehalten.“

Wegen technischer Probleme musste sie vorübergehend eingestellt werden. Das ist aber kein Rückschlag für Thorsten Zimmer. Obwohl er sich in seiner Wahlheimat und auch Lehrerberuf wohlfühlte, ist er nun in seine Heimat zurückgekehrt. Sein Unterrichtsmodell möchte er weiter voranbringen, auch wenn er selbst nicht mehr unterrichten wird. „Ich weiß, dass es in jedem Unterricht funktioniert“, betont Zimmer. Er stellt sein Konzept nun Ministerien und Ländern vor und bietet es in der freien Wirtschaft an. Auch in Mainz wird er es präsentieren. Sein Wunsch: Dass sein digitales Unterrichtskonzept fester Bestandteil der Lehrerausbildung wird.

x