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Sport

„Wir wollen die Besten holen“

INTERVIEW: FCK-Aufsichtsratschef Nikolai Riesenkampf über künftigen Vorstand, Trainer und Finanzen

Er will den FCK wieder in die Fußball-Bundesliga bringen: Nikolai Riesenkampff. ( Foto: KUNZ)

KAISERSLAUTERN. Aufsichtsratsvorsitzender Nikolai Riesenkampff (44) sieht die Verpflichtung eines komplett neuen Vorstands als Entscheidung über die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern. Der promovierte Jurist ist in Pirmasens aufgewachsen. Der freie Unternehmer lebt in Berlin.

 

Herr Riesenkampff, der Aufsichtsrat hat sich nach dem Rücktritt von Dieter Rombach in der Besetzung ja nur auf einer Position verändert. Trotzdem kam es zum überraschenden Bruch mit Stefan Kuntz und der vorzeitigen Vertragsauflösung zum Saisonende. Was sind die wahren Gründe?

Die Jahreshauptversammlung war schon ein Ereignis, das uns alle sehr mitgenommen und nachdenklich gemacht hat. Das ist nicht spurlos an uns vorbei gegangen. Was passiert ist, ist so, wie wir es bei der Pressekonferenz bei Bekanntgabe der Trennung gesagt haben: Stefan Kuntz und ich haben eng zusammen gearbeitet, wir standen in einem fast täglichen Austausch – auch was Wintertransfers angeht. Da haben sich zwischen Aufsichtsrat und Stefan unterschiedliche Auffassungen aufgetan. Stefan und ich haben uns getroffen, als wir gemerkt haben, das es Unstimmigkeiten gibt. Dann haben wir beide überlegt, was ist das Beste für den FCK und sind zu dieser Lösung gekommen.

 

Sie haben ja bei besagter Pressekonferenz den Arbeitseinsatz von Stefan Kuntz gelobt und gesagt, dass er bei der Auflösung des bis Ende 2017 laufenden Vertrages gezeigt habe, dass es ihm wirklich um das Wohl des Vereins geht. Der Vertrag, den 2008 Dieter Buchholz und Ottmar Frenger unterzeichnet haben, gab mehr für ihn her…

Über finanzielle Modalitäten haben wir Stillschweigen vereinbart. Aber das Gespräch war sehr produktiv. Ich kann sagen, dass ihm das Wohl des FCK sehr am Herzen lag und liegt. Ohne Zahlen zu nennen, kann ich sagen, dass Stefan dem FCK entgegen gekommen ist.

 

Wenn der Aufsichtsrat die Verpflichtung eines ablösefreien Spielers wie Emanuel Pogatetz ablehnt, gibt es zwei Möglichkeiten: Ihr Gremium hält den Spieler für zu alt oder zu schwach. Oder es fehlt Geld. Oder wollte man Kuntz die Grenzen aufzeigen, zeigen, dass man kein Abnicker-Gremium ist? Wie ist die finanzielle Situation?

Es ist nicht die Aufgabe des Aufsichtsrates, bestimmte Spieleranalysen zu treffen. Aber wir haben Aufsicht zu führen, müssen mittel- und langfristig planen. Wir hatten schon einen relativ großen Kader und unsere sportlichen Erwartungen – wir wollten ja um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen – hatten sich nicht erfüllt. Dadurch gingen die Zuschauerzahlen zurück, die Einnahmen in der Gastro und an den Kiosken, im Hospitality und Sponsoring waren rückläufig. In der Situation haben wir gesagt, wir wollen den Etat nicht weiter belasten und zusätzliche Kosten verursachen. Wir wissen ja nicht, was die Saison noch bringt. Bei jedem Platz, den wir uns in der Fernsehtabelle verschlechtern, verlieren wir Geld. Es ist wie in jedem Betrieb. Wenn es nicht läuft, muss man vorausschauend handeln. Es ging nur um die Sache und nicht darum, mit einer Entscheidung bei irgendwem zu punkten.

 

Herr Grünewalt, Ihr scheidender Finanzvorstand, sagt, der FCK bekommt die Lizenz für die neue Saison ohne Wenn und Aber. Kritiker wie Dieter Buchholz sagen, Grünewalts Zahlen sind ein Bluff. Was sagen Sie?

Ich kann sagen, dass wir 2013/14 und 2014/15 zwei stabile Jahre hinter uns haben. Wir haben eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingesetzt – Ernst & Young, die gehören zu den Top 4 in Deutschland. Wir haben eine testierte Bilanz. Insofern gibt es keinen Grund anzunehmen, dass etwas nicht stimmt. Im Übrigen liegt auch Herrn Buchholz der FCK total am Herzen, das habe ich in mehreren Gesprächen festgestellt.

 

Die Zeit drängt, um den Kader der Zukunft zu planen. Wann ist die Personalie Sportvorstand/Sportdirektor entschieden? Wer wird Vorstand für Marketing und Vertrieb? Mit Stefan Kuntz verliert der FCK auch ein Gesicht. Fehlt Ihnen dann nicht ein Mann mit FCK-Vergangenheit?

Wir stehen vor einem kompletten Umbruch. Das birgt Risiken. Mit Stefan Kuntz geht jemand, der sich sehr stark mit dem Verein identifiziert, der auch eine Identifikationsfigur ist. Es gibt aber bei jedem Umbruch auch immer eine neue Chance. Darauf fokussieren wir uns. Wir wollen für die einzelnen Bereiche absolute Fachleute. Jetzt werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Hätten wir nur auf Leute mit FCK-Vergangenheit gesetzt, hätten wir uns zu sehr eingeschränkt. Wir brauchen Zeit. Wir müssen die Kandidaten kennenlernen, sehen, dass ihre Ideen zum FCK passen. Sie müssen die Motivation haben, den FCK in die Bundesliga bringen zu wollen, dahin, wo er hingehört. Der einzige Grund, warum ich angetreten bin ist, dass ich helfen möchte, den FCK wieder in die Bundesliga zu bringen. Bei der Nachfolgeregelung für Herrn Grünewalt ist es uns mit Herrn Klatt gelungen, jemand zu finden, der aus einem viel größeren Umfeld kommt, der aber sagt, der FCK ist ein Traditionsverein mit unglaublich viel Potenzial, da kann ich was bewegen, meine Erfahrung einbringen. Unser Ziel muss die Bundesliga sein!

 

Wann? 2017?

So schnell es geht. Wir wollen die gute Basis, die wir haben, nutzen, die Wirtschaftskraft zu verbessern, neue Einnahmen zu erschließen und die Außendarstellung zu verbessern. Wir wollen den FCK als starken Verein darstellen und ein Netzwerk aufbauen, das noch mehr wirtschaftliche Kompetenzen an den Verein bindet.

 

Ist es klug, drei Leistungsträger wie Karl, Jenssen und Löwe in der Warteschleife zu lassen, die sowohl der Vorstand, als auch der Trainer halten möchten? Sie aber wollen auf den neuen Sportvorstand warten. Wann kommt er?

Wir arbeiten jeden Tag daran. Unser Ziel ist es – wie bei Fritz Grünewalt – einen reibungslosen Übergang zu schaffen. Es kann aber noch dauern. Wir sprechen mit Kandidaten, die nachgewiesen haben, dass sie es können. Es sind sehr gute Gespräche, der FCK ist für viele gute Leute eine sehr reizvolle Aufgabe.

 

Stammspieler wie Löwe, Karl oder Jenssen werden kaum bis Mai warten, bis ein Sportdirektor da ist, und entscheidet. Sie laufen doch Gefahr, dass die drei Spieler woanders unterschreiben und Sie Ersatz brauchen.

Die drei genannten Spieler machen einen hervorragenden Job. Aber da gibt es auch noch einen anderen Aspekt: Wir wollen dem künftigen sportlich Verantwortlichen die Möglichkeit geben, sich an der Kaderplanung zu beteiligen. Grundsätzlich haben wir eine Phase des Umbruchs, und alle haben jetzt die Chance, sich durch Leistung und Mentalität zu empfehlen, Charakter zu zeigen. Stefan Kuntz spricht ja mit den Spielern, vermittelt ihnen das auch so.

 

Was erwarten Sie im Rest der Saison von der Mannschaft?

Wir glauben an die Mannschaft und wir glauben auch an Konni und sein Trainerteam. Sie leisten hervorragende Arbeit. Die Mannschaft hat Potenzial und wir erwarten, dass sie – wie in den letzten Spielen – Charakter zeigt. Wir haben die Saison noch nicht abgeschrieben. Ganz im Gegenteil: Wir wollen noch das Maximale rausholen.

 

Der FCK hat mit Konrad Fünfstück einen unglaublich fleißigen Trainer, dessen Vertrag bis 2017 läuft. Muss er um seinen Job fürchten, weil ihn Stefan Kuntz nach Lautern holte oder weil ein neuer Sportdirektor seinen eigenen Trainer mitbringt?

Sie haben Herrn Fünfstück ja grade bereits ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Wer wen geholt hat, ist völlig egal! Es geht nur um Leistung und Erfolg – beim Trainer, bei Spielern und allen anderen Mitarbeitern auch. Wir sind sehr zufrieden mit dem Trainer, der Vorstand ist es auch. Er hat das gute Zeugnis verdient.

 

Herr Riesenkampff, Sie sind 2014 mit einer lockeren Bewerbung mit dem meisten Stimmen aller Bewerber in den Aufsichtsrat gewählt worden. 2015 war die Last des Amtes zu spüren, die Lockerheit weg. Macht es Ihnen überhaupt noch Spaß?

Ich bin vor eineinhalb Jahren angetreten, weil ich helfen wollte, Netzwerke mit aufzubauen, Was jetzt daraus geworden ist, war so in der Kürze nicht abzusehen. Aber es macht Spaß, es ist eine riesige Herausforderung – und es macht mich auch stolz, in diesem Traditionsverein Verantwortung zu tragen. Ich nehme diese Herausforderung an und im Moment arbeite ich jeden Tag für den FCK. Es geht darum, den FCK neu aufzustellen. Mir ist bewusst, dass es bei diesen Entscheidungen um die Zukunft des Vereins geht. Wir wollen die besten Leute herholen. Wir haben die Basis, es ist ein super Verein. Die Chance wollen wir nutzen.