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FCK

„Karl und Löwe lieben diesen Verein“

Der Wegweiser: Konrad Fünfstück will den FCK als Trainer voranbringen. (Foto: Kunz)

Konrad Fünfstück (35), seit dem neunten Spieltag Cheftrainer, sieht Fußball-Zweitligist 1. FC Kaiserslautern auf gutem Weg. Die 40-Punkte-Marke so schnell als möglich zu überqueren, nennt der Coach als erstes Ziel. Außer dem schon verpflichteten Stürmer Jón Dadi Bödvarsson sollen in der Winterpause noch zwei neue Spieler kommen.

Herr Fünfstück, der 1. FC Kaiserslautern ist nach 19 von 34 Spieltagen mit 26 Punkten Achter. Das ist Zweitliga-Mittelmaß. Sie haben die Mannschaft nach acht Spielen mit neun Punkten übernommen. Die Tabelle Ihrer elf Spiele sieht den FCK auf Platz fünf. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Auf der einen Seite sind wir sehr froh, dass wir den Abstand nach unten ausbauen konnten. Es gab ja Phasen, wo es mit dem Abstand zu Relegationsplatz 16 eng geworden war. Da sind wir sehr realistisch. Wir sind aber auch enttäuscht, dass wir im Heimspiel gegen den FC St. Pauli eine große Chance verpasst haben, Anschluss nach oben zu finden. Mit einem Heimsieg wären wir punktgleich mit Pauli gewesen. Letztlich sind wir froh über die 26 Punkte. Wir wissen, dass wir noch eine extrem schwere Rückrunde vor uns haben.

Was möchten Sie als Cheftrainer für die restlichen 15 Spiele personell verändern? Auf welchen Positionen wollen Sie die Mannschaft verstärken?

Die Sportliche Leitung weiß um die Wünsche von mir. Wir durchleuchten den Kader genau, insbesondere um zu sehen und zu entscheiden, wo wir uns qualitativ und durch Erfahrung sinnvoll ergänzen müssen. Unsere Spieler sind sehr, sehr willig. Sie ziehen gut mit, haben aber in der Breite noch nicht die Erfahrung sammeln können, um den Ansprüchen, die wir beim 1. FC Kaiserslautern haben, vollends gerecht werden zu können.Konkret: Auf welchen Positionen sieht Konni Fünfstück Handlungsbedarf?Wir suchen sowohl einen Spieler für die Offensive, als auch einen für die Defensive.

Marius Müller ist 22 Jahre. Er ist die Nummer 1 im Jahr eins nach Tobias Sippel. Er lieferte tolle Spiele, patzte nur in Heidenheim zweimal schwer und sah bei einem Gegentor gegen Pauli nicht gut aus. Ihr Urteil?

Marius spielt seine erste Saison als Nummer 1. Er macht seine Sache sehr gut und hat uns viel Rückhalt geboten. Er muss diese Leistungen nun weiter bestätigen, um seine Ziele zu erreichen.

Was muss vorrangig besser werden?

Die Effektivität! Wir sind eine der Mannschaften mit den meisten vergebenen Großchancen. Wahnsinn, dass Du mit dieser Bilanz punktgleich mit dem Tabellensiebten bist. Zweites Thema sind die Standards. Wir müssen unsere Gefährlichkeit mit Standards erhöhen. Es hat mich für meine Co-Trainer Marco Grimm und Sven Höh, die sich um das Einüben von Standards kümmern, besonders gefreut, dass uns in Braunschweig das 1:1 durch Antonio Colak nach Jean Zimmers Ecke gelungen ist. Es war eine einstudierte Variante. Und wir müssen körperlich voll da sein. Michael Schulze und Marcel Gaus beispielsweise haben uns sehr geholfen, als sie einfach reingeschmissen wurden, kamen dann aber in ein Loch – ganz normal, weil sie ja keine Vorbereitung hatten, lange verletzt waren. Entscheidend wird sein, dass sie jetzt eine komplette Vorbereitung haben.

Jean Zimmer bringt viel Tempo ins Spiel. Er hat Biss und passt mit seiner Leidenschaft zum Spielstil, den viele Fans vom FCK sehen wollen. Er hat letzte Saison vier Tore geschossen, jetzt noch nicht getroffen, aber bei 14 Einsätzen vier Tore vorbereitet. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Jean ist variabel einsetzbar – rechts und links in der Abwehrkette oder auch auf beiden Außenbahnen. Das macht seine Qualität aus. Jean hat uns wegen seiner Verletzung in fünf Spielen gefehlt, so gesehen hat er mit vier Torvorlagen eine recht gute Quote.

Sie haben die vielen verschenkten Chancen angesprochen. Letzte Saison schon war der Wurm oft im Sturm – trotz Srdjan Lakic, dann Simon Zoller. Philipp Hofmann hat dann irgendwie sechs punktbringende Tore geschossen. Er wollte weg, brachte viel Geld, aber er wurde nicht wirklich gut ersetzt – oder?

Man muss sehen: Keiner unserer Stürmer hat – mit Ausnahme von Kacper Przybylko – Zweitliga-Erfahrung. Lukas Görtler und Maurice Deville haben in der Regionalliga, also viertklassig, gespielt. Toni Colak auch, er kam jetzt aus Polen, aus einer Liga, die nicht mit unserer Zweiten Liga vergleichbar ist.

Am 5. Januar startet der isländische Nationalstürmer Jón Dadi Bödvarsson beim FCK in die Vorbereitung, der bisher in Norwegen für Viking Stavanger spielte. Was erwarten Sie von ihm? Kann er dem FCK sofort helfen? Sie haben den jungen Mann ja kennengelernt.

Wir wissen um die Leistungen, die er in seiner Nationalmannschaft und in seinem Verein gezeigt hat. Wir haben aber auch am Beispiel von Berisha, der bis zum Sommer mit ihm in Stavanger spielte, gesehen, dass er in Fürth durchstartete, aber noch nicht konstant ist, Zeit zur Umstellung braucht. Wir müssen sehen, dass Jón Dadi die deutsche Sprache schnell lernt. Wenigstens die Grundbegriffe in der Landessprache zu beherrschen, ist für die Integration extrem wichtig.

Ich habe ihn als sehr offenen, sehr kommunikativen Menschen kennengelernt – sehr gut Englisch sprechend. Seine erste Aufgabe, die ich ihm mitgab ist, sich in sein Deutschbuch zu vertiefen.

Sie haben Daniel Halfar anstelle von Chris Löwe zum Kapitän ernannt, als Sie Cheftrainer wurden. Hat sich das bewährt?

Daniel ist das Gesicht der Mannschaft! Er ist für mich und das Trainerteam ein ganz wichtiger Ansprechpartner, er reibt sich in jedem Spiel für die Mannschaft auf. Ich habe den Eindruck, er macht noch mehr, seit er Kapitän ist. Aber auch Chris Löwe investiert alles für die Mannschaft und ist ein wichtiger Teil des Teams.

Und Markus Karl?

Er polarisiert sicherlich ein wenig. Markus ist bei allen spielerischen Abstrichen, die man anführen kann, extrem wichtig für die Defensive. Wir haben in 19 Spielen 24 Gegentore bekommen, in den elf Spielen unter meiner Leitung zwölf – das zeigt, dass wir eine gewisse Stabilität erarbeitet haben. Das ist auch ein Verdienst von Markus Karl. Er tut uns mit seiner Leistung auf dem Platz gut. Und er liebt – wie auch Chris Löwe – diesen Verein!

Die Verträge von Karl und Löwe laufen aus. Wollen Sie beide halten?

Beide Spieler sind wichtige Stützen in unserem Kollektiv. Wir müssenauch abwarten, welchen nächsten Karriereschritt beide Spieler für sich selbst vorhaben. Klar ist, dass wir zeitnah Gespräche aufnehmen werden.

Sie haben in den letzten Spielen Manni Osei Kwadwo als Joker gebracht. Sie trauen ihm ja sehr viel zu – packt er’s jetzt?

Mit seiner Schnelligkeit, seiner Technik und seinem Drang zum Tor tut er dem FCK doch gut. Er hat ja schon zwei Tore vorbereitet.Ja, mit Manni, Mario Pokar, Johannes Reichert, Robin Koch und Tino Schmidt habe ich einigen aus der U23 die Möglichkeit geboten, sich zu präsentieren, teilweise im Training, dem einen oder anderen auch im Spiel. Das betrifft künftig auch Jungs aus der U19. Manni braucht jetzt eine richtige Vorbereitung, er muss in der Umschaltphase nach hinten noch besser werden. Er hat sich seine Einsätze erarbeitet, er besitzt Potenzial. Ich stelle aber nicht nach jung oder noch jünger auf – sondern nach Leistung!

Sie waren ein anerkannter Nachwuchstrainer – erst in Fürth, dann beim FCK. Sie haben das Nachwuchsleistungszentrum des FCK konzeptionell und personell vorangebracht, genießen einen sehr guten Ruf. Nun sind Sie Cheftrainer. Ein Traum? Wie kommen Sie mit dem Druck im Profigeschäft klar?

Stress gibt es auch bei der U23. Es ist aber eine Riesenherausforderung , bei den gegebenen Rahmenbedingungen in der Zweiten Liga erfolgreich zu sein. Mich erfüllt die Aufgabe mit Spaß. Ich habe ein hervorragendes Trainerteam und erfahre eine gute Unterstützung durch Stefan Kuntz. Wir haben einen kritisch-konstruktiven Austausch. Ich setzte mich sehr intensiv mit meiner Arbeit, mit unseren Spielen und Leistungen auseinander. Der fünfte Platz, den wir in den elf Spielen unter meiner Leitung erreicht haben, zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Außer im Derby beim KSC hat die Mannschaft auch immer alles versucht – mal besser, mal weniger gut. Es ist ein gutes Kollektiv.

Herr Fünfstück, der FCK-Fan will speziell daheim Feuer und Leidenschaft sehen, Forechecking, Abschlüsse. Wie schaffen Sie es, dass der Funke wieder vom Rasen auf die Ränge überspringt?

Indem die Fans ehrliche Arbeit auf dem Platz erkennen können.

Was ist Ihr Ziel für den Rest der Saison, wo kann der 1. FC Kaiserslautern am Ende stehen?

Wir alle tun gut daran, in kleinen Schritten und Etappen zu denken. Unser erstes Ziel ist, so schnell wie möglich die 40-Punkte-Marke zu überqueren. Interview: Horst Konzok