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FCK

Höllenfahrt durch Abwehrchaos

Düsseldorfs Adam Bodzek versucht es per Freistoß aus 20 Metern, doch diesmal ist die Mauer des 1. FCK nicht zu überwinden. Nach dem Spiel randalierten rund 400 Krawallmacher, die sich als Fans des FCK ausgaben, im Kölner Hauptbahnhof. Dabei seien auch Bundespolizisten angegriffen worden. (foto: kunz)

Der 1. FC Kaiserslautern verliert das fünfte Zweitliga-Spiel in Serie. Beim 3:4 (1:3) bei Fortuna Düsseldorf verschenkt der FCK

durch fatale Schwächen in der Defensive mindestens einen Punkt. „Es war ein glücklicher Sieg“, gesteht Fortuna-Coach Friedhelm Funkel.

Der 1. FC Kaiserslautern ist im Abstiegskampf angekommen, daraus machte Daniel Halfar keinen Hehl. „Wer das jetzt noch immer nicht verstanden hat, der ist im falschen Film“, sagte der Kapitän nach der 3:4-Niederlage in Düsseldorf. Die gastgebende Fortuna hat den Rückstand auf die Roten Teufel durch den Heimerfolg auf vier Punkte verkürzt. Der Druck auf den FCK wächst und wächst.

Halsbrecherische Fehler in der Defensive brachen dem FCK das Genick. Was nützte also das Lob Friedhelm Funkels für ein gutes Spiel, für die tolle Moral, aus dem 1:3 ein 3:3 gemacht zu haben? Was nützte es, dass Funkel von einer „total unglücklichen“ Niederlage des Gegners sprach? Völlig heiser übrigens, weil er nach langer Pause bei seiner Rückkehr auf eine Trainerbank sofort in ein Drama geschickt worden war.

Am Ende einer unglückseligen Pannenserie nahm FCK-Trainer Konrad Fünfstück den jungen Marius Müller in Düsseldorf aus dem Tor, aus der Verantwortung und quasi in Schutzhaft. Zlatan Alomerovic, zu Saisonbeginn aus der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund an den Betzenberg gekommen, gab sein Pflichtspieldebüt. Seine weiße Weste hatte nach nur 33 Sekunden den ersten Fleck: Nach einer Flanke von Nikola Djurdjic parierte der Lauterer Torhüter Adam Bodzeks Schuss, den sogenannten zweiten Ball aber verwertete Charalampos Mavrias zum 1:0. Vier Minuten später traf der Ex-Düsseldorfer Marcel Gaus per Kopf nach einer Rechtsflanke von Daniel Halfar – und der FCK war im Spiel. Der Ball lief gut durch die Lauterer Reihen, das Kombinationsspiel war schön anzuschauen. Die Chance zur Führung aber verschenkte Jón Dadi Bödvarsson in der 13. Minute. Da jagte er dem schlafmützigen Alexander Madlung die Kugel ab, ließ den Routinier stehen, lupfte den Ball gekonnt über Torhüter Rensing – aber auch knapp links am Kasten vorbei. Diese hundertprozentige Chance muss ein Zweitligastürmer nutzen. „Für mich eine Schlüsselszene des Spiels“, befand Fünfstück in seiner Analyse. Die Lauterer fanden Gefallen am Spiel, ergötzten sich aber zu sehr in brotloser Kleinkunst. Bezeichnend die 34. Minute, als sich Kapitän Halfar in die Sackgasse dribbelte.

Fortuna, angetrieben von Axel Bellinghausen, besiegte die Lethargie und zwang das Glück. Erleichtert wurde das Toreschießen durch eine erbärmliche Abwehrarbeit, durch das kollektive Versagen der Lauterer Verteidigung inklusive des Torhüters. So war Oliver Fink nach Bellinghausen-Freistoß und Adam Bodzeks Schuss Nutznießer des vogelwilden Durcheinanders. Und dann rannte der FCK kopflos und blindwütig ins Verderben. Fortuna nutzte die Freiheit, Djurdjic überlistete den weit, viel zu weit vor seinem Tor stehenden Alomerovic. „Das ist bitter, vielleicht hätte ich drinbleiben müssen“, gab sich Alomerovic später zerknirscht.

In der Pause beschwor der FCK noch einmal den Gemeinschaftssinn. Das Aufbegehren fruchtete eine Viertelstunde nach Wiederbeginn, als Bödvarsson das Eigentor Alexander Madlungs erzwang. Sechs Minuten später zappelte der Ball abermals im Netz des Düsseldorfer Gehäuses, Jean Zimmer hatte einen Freistoß aus etwas mehr als 16 Metern über die Mauer und ins Tor gezwirbelt. Doch völlig euphorisiert unterlief dem Gast ein weiterer kapitaler Schnitzer in der Verteidigung, den der kurz zuvor eingetauschte Kerem Demirbay in den 4:3-Siegtreffer für Fortuna Düsseldorf ummünzte (70.).

Demirbay, der Ex-Lauterer ... Die passende Pointe eines völlig verrückten Fußballspiels, das Daniel Halfar mit dem Wort „bescheuert“ charakterisierte. Damit meinte er in erster Linie die Abwehrkünste der eigenen Truppe. „Wenn du auswärts drei Tore erzielst, gewinnst du in 95 Prozent aller Fälle. Wenn man aber so amateurhaft verteidigt wie wir, hat man einen solchen Schlag in die Fresse auch mal verdient“, sagte der 28-Jährige und ergänzte: „Wenn wir eines schnellstmöglich abstellen müssen, dann dieses schülerhafte Abwehrverhalten.“ In 14 Tagen gegen den SV Sandhausen muss der FCK den Beweis antreten.