| Fragen zum Klimawandel |
Der Meteorologe und Klimaforscher Latif, am 29. September 1954 als Sohn eines pakistanischen Vaters in Hamburg geboren, ist einer der bekanntesten Klimaexperten in Deutschland. Seit 2003 arbeitet Latif als Professor am Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften an der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel. Latif ist unter anderem Ehrenmitglied der Amerikanischen Meteorologischen Gesellschaft. In den Jahren 2001 und 2007 wirkte er als Co-Autor an den Berichten des Welt-Klimarates (IPCC) mit. (blt)
Fragen zur Klimaphysik:
- Ist nicht eher die Aktivität der Sonne entscheidend für das Weltklima?...
- Ist der menschenverursachte CO2-Ausstoß verglichen mit dem natürlichen Kohlenstoffkreislauf nicht unbedeutend?...
- Wie sollen Klimaforscher richtige Prognosen für die kommenden 50 bis 100 Jahre stellen können?...
- Ist abzuschätzen, inwiefern der aktuelle Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull Auswirkungen auf unser Klima hat? ...
- Ist das durch Menschen freigesetzte CO2 überhaupt schuld am Klimawandel?...
- Ist die Verbindung von CO2-Zunahme und höheren
Welt-Durchschnittstemperaturen zweifelhaft?... - Sind CO2-Werte allein ausschlaggebend für die Erderwärmung?...
- Das Weltklima hat schon immer geschwankt...
- Beeinflusst Wasserdampf das Klima mehr als die mengenmäßig viel kleineren Anteile von Kohlendioxid, Methan und anderen Treibhausgasen?...
- Meere schlucken auch einen Großteil des Kohlendioxids, dass der Mensch verursacht...
- Was ist dran an den Vorhersagen, dass die Winter milder und regenreicher werden?...
- Wie und mit welchen Methoden hat man die Wärmeabstrahlung der Erde eigentlich messtechnisch ermittelt?...
- Gibt es sowas wie die Welt-Durchschnittstemperatur?...
- Bei wieviel Grad zusätzlicher Erderwärmung wird vermutlich der Golfstrom abreißen?...
- Hat, entgegen vieler Prognosen, die Eisdicke auf der nördlichen Erdhalbkugel in jüngster Zeit nicht sogar zugenommen?...
- Ist es möglich, dass die Kappen des Süd- und Nordpols ganz abschmelzen könnten – und was würde dann passieren?...
- Könnte man nicht durch Wärmerückgewinnung den Treibstoffeinsatz bei Autos fverringern und damit zugleich die Aufheizung der Atmosphäre beträchtlich bremsen?...
- Würde sich das Klima, wenn auch nur minimal, verändern, wenn es weltweit keine Raucher mehr gäbe?...
- Warum wird der Frühling immer kürzer, wenn der Winter dennoch gleich lang bleibt?...
- Wie lange würde es dauern, bis sich das Klimasystem erholen würde, wenn ab heute keine Treibhausgase mehr produziert werden würden?...
- Stimmt es, dass sich durch den Klimawandel die Vegetations - und Klimazonen verschieben könnten?...
- Ist es realistisch, dass der Meeresspiegel in den nächsten Jahren ansteigen wird und dadurch sogar Millionen-Städte in Küstenlage bedroht werden?...
- Besteht die Möglichkeit, dass im Zuge steigender Temperaturen aus Permafrostböden Methan sowie Distickstoffoxid freigesetzt werden?...
Klimaschutz und Politik:
- Wird die Klimakatastrophe den gleichen Weg gehen, den das Waldsterben bereits hinter sich hat?...
- Wird sehr viel Geld falsch ausgegeben? Sind andere Faktoren für den Klimawandel ausschlaggebend?...
- Geht es beim Klimaschutz um Wettbewerbsvorteile und sehr viel Geld?...
- Macht es überhaupt Sinn Klimaschutz wie bisher zu verfolgen?...
- Wird doch nicht alles so schlimm kommen, wie vielfach behauptet wird?...
- Lässt sich der Klimawandel noch aufhalten? Wenn ja, was müsste geändert werden?
- Um wieviel Grad Celsius ist die globale Durchschnittstemperatur bereits gestiegen? Stimmt es, dass bei drei Grad Celsius mehr alles zugrunde geht?
Klimaforschung - alles nur Betrug?:
- Ist sich die Forschung beim Klimawandel überhaupt einig?...
- Ist der Arbeit des Weltklimarates (IPCC)zu trauen?...
- Haben Klimawissenschaftler und der Weltklimarat versucht, die Erwärmung der vergangenen Jahre eindrücklicher darzustellen als sie wirklich ist?...
- Werden skeptische Meinungen in der Forschung unterdrückt?...
Fragen zur Klimaphysik:
Ist nicht eher die Aktivität der Sonne entscheidend für das Weltklima? Der Anteil der Klimagase, die durch den Menschen
verursacht worden sind, ist doch eher gering. Sonnenflecken gibt es eben mal mehr, mal weniger. Dann wird es auf der Erde mal kühler,
mal wärmer.
Natürlich hat die Sonne Einfluss. Aber es geht darum: Wie groß ist dieser Einfluss im Vergleich zum menschlichen? Bis zur Industrialisierung waren es Faktoren wie Vulkane oder eben die Sonnenaktivität, die das Klima der Welt bestimmt haben. Seit Beginn der Industrialisierung können wir aber den massiven Anstieg der Temperaturen nicht mehr allein durch natürliche Phänomene erklären. Die Sonnenaktivität hat seit den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht mehr zugenommen. Aber in den vergangenen 30 Jahren kam es zur stärksten Erwärmung. Den Temperaturanstieg mit der Sonnenaktivität zu erklären – das passt einfach nicht. Was unsere Berechnungen über den Temperaturanstieg während des 20. Jahrhunderts betrifft, so berücksichtigen wir natürlich auch die Sonnenaktivität.
Ist der menschenverursachte CO2-Ausstoß verglichen mit dem natürlichen Kohlenstoffkreislauf (Vulkanismus, Pflanzenverrottung) nicht unbedeutend? Wie groß ist überhaupt der Einfluss des Menschen auf das Klima? Wie lässt sich das messen?
Der natürliche Kohlenstoffkreislauf ist austariert. Die Meere nehmen CO2 auf und geben CO2 wieder ab. Auch die Pflanzen nehmen Kohlendioxid auf und geben genauso viel Gas wieder ab. Die natürliche CO2-Abgabe ist insgesamt sehr viel größer als die durch den Menschen verursachte CO2-Menge. Das Problem beim Menschen allerdings ist, dass er sein CO2 in der erdgeschichtlichen Betrachtung sehr schnell freisetzt. Kohlenstoff, der mitunter Millionen von Jahre gespeichert war – etwa in Erdöl oder Kohle – wird innerhalb von Jahrzehnten frei. Zur Verdeutlichung benutze ich gerne den Badewannen-Vergleich: Wir können den Wasserhahn aufdrehen, den Stöpsel ziehen – und den Ein- und Abfluss so einstellen, dass der Wasserspiegel konstant bleibt. Wenn wir aber den Hahn nun nur einen Tick weiter aufdrehen, läuft die Badewanne irgendwann über. Die Wassermenge, die zusätzlich hereinkommt, ist sehr klein im Vergleich zu der, die sowieso aus dem Hahn strömt. Nichtsdestotrotz läuft die Wanne eben über. Dieser Tick Wasser mehr ist vergleichbar mit der menschlichen Zugabe zum natürlichen CO2-Kreislauf. Die Zahlen der natürlichen Kohlenstoffbilanz sind im Übrigen schon lange bekannt. Was der Mensch bewirkt, lässt sich unter anderem daran ablesen, wie viele Tonnen an Öl, Kohle und Gas er verbrennt.
Foto: Eisbären im Arctic National Wildlife Refuge, Alaska. Von Alan D. Wilson
Diese Kritik ist durch ein einfaches Beispiel zu entkräften. Wir wissen: Der Sommer ist wärmer als der Winter. Wenn das obige Argument mit dem Wetter und dem Klima stimmen würde, könnte ich selbst dies nicht mit Bestimmtheit sagen. Denn diese Vorhersage geht ja über zwei Jahreszeiten hinweg. Warum also kann ich die Vorhersage machen, dass der Sommer wärmer wird als der Winter? Antwort: weil sich der Sonnenstand ändert. In der Mathematik spricht man von der Änderung einer Randbedingung. Allerdings kann ich nicht wissen, ob am 30. Juni die Sonne scheint. Dies wäre die Wettervorhersage. Die Klimavorhersage lautet: Der Sommer ist wärmer als der Winter. Was die Klimaprognosen zur globalen Erwärmung betrifft, so ändert sich auch hier eine Randbedingung: die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre. Mehr CO2 heißt automatisch ein stärkerer Treibhauseffekt - also eine zusätzliche globale Erwärmung. Man kann aber nicht voraussagen, ob an Weihnachten 2050 weiße Weihnachten sein wird oder nicht. Die Klimaforschung drückt sich so aus: Die Wahrscheinlichkeit einer weißen Weihnacht im Jahr 2050 wird abnehmen.
Ist abzuschätzen, inwiefern der aktuelle Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull Auswirkungen auf unser Klima hat? Reicht die aktuell ausgestoßene Menge an Aschepartikeln schon aus, um einen Temperaturrückgang zu bewirken?
Der Ausbruch des Eyjafjallajökull hat keine Auswirkungen auf das Weltklima. Dazu war der Ausbruch erstens nicht genügend explosiv, zweitens sind nicht die Aschepartikel relevant für das Klima, sondern schwefelhaltige Gase. Nur wenn diese sehr hoch in die Atmosphäre geschleudert werden, und sich langlebige Schwefelsäuretropfen bilden, wird das Sonnenlicht nennenswert geschwächt. Beim Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 war das der Fall, anders als jetzt beim Eyjafjallajökull: Die Eruption des Pinatubo kühlte das Klima leicht ab.
Wir haben kein „Anrecht“ auf einen konstant hohen Meeresspiegel. Dieser ändert sich laufend. Auch auf dem Land gibt es Schwankungen:
So haben vor einigen zehntausend Jahren dicke Eispanzer die norddeutsche Tiefebene bedeckt. Seitdem wird es immer wärmer. Autos und Flugzeuge
aber gibt es erst seit 100 Jahren! Das zeigt doch, das durch Menschen freigesetzte CO2 ist nicht schuld am Klimawandel.
Es stimmt: Der Meeresspiegel hat sich laufend verändert. In der Warmzeit vor 125.000 Jahren lag der Meeresspiegel um vier Meter höher als heute. Bei der letzten Eiszeit lag er 120 Meter niedriger als heute. Wir befürchten jetzt einen Anstieg des Meeresniveaus um einen Meter bis zum Ende des Jahrhunderts. Nun kann man sagen: Was ist das schon – ein Meter gegenüber 120 Metern? Entscheidend ist aber die Geschwindigkeit. Bei den früheren Entwicklungen haben wir es mit Prozessen zu tun, die sich über viele Jahrtausende erstreckten. Wir indes reden über einen Prozess, der sich innerhalb eines Jahrhunderts ereignen könnte. Das ist der entscheidende Unterschied. Durch das rasante Tempo geht Millionen von Menschen jede Chance verloren, sich anzupassen. Das heißt, wir Deutschen schaffen das vielleicht - die Menschen in Bangladesch aber nicht.
In den vergangenen zehn Jahren, so zeigen die Aufzeichnungen der Wetterforscher, hat es keine Erwärmung gegeben. Obwohl die Menge an Klimagasen in der Atmosphäre gestiegen ist. Zwischen 1945 und 1975 hat es sogar eine Abkühlung gegeben, obwohl die CO2-Konzentration in diesem Zeitraum zunahm. Die Verbindung von CO2-Zunahme und höheren Welt-Durchschnittstemperaturen ist also zweifelhaft.
In der Tat hat es in den vergangenen zehn Jahren keine Zunahme der globalen Temperatur gegeben. Das ist aber auch völlig normal. Die Temperaturen auf der Erde gehen rauf und runter, auch im weltweiten Durchschnitt. Deswegen macht es überhaupt keinen Sinn, nur kurze Zeiträume zu betrachten. Ebenfalls richtig ist: zwischen 1945 und 1975 gab es eine Abkühlung. Wenn man indes die beiden Kurven – CO2 und weltweite Durchschnittstemperatur – über 100 Jahre hinweg betrachtet, so ist das Ergebnis ganz klar: Beide Kurven steigen an. Man kann jedoch nicht davon ausgehen, dass es jährlich auf der Welt einfach wärmer wird. Schließlich gibt es natürliche Einflüsse wie die Sonnenaktivität, die bis 1945 gestiegen ist, Vulkane brechen aus oder Meeresströmungen ändern sich. Deswegen bedeutet eine Stagnation der Weltdurchschnittstemperatur über einen Zeitraum von zehn Jahren gar nichts.
Foto: Regenwald im Amazonas-Gebiet. Von Cesar Paes Barreto
Niemand bestreitet, dass es früher wärmere Zeiten als heute gab. Vor fünf Millionen Jahren allerdings herrschten auf der Erde komplett andere Verhältnisse. Die heutigen Temperaturen sind auch gar nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr: Wohin steuern wir bis zum Ende des Jahrhunderts? Wenn sich die heutige CO2-Konzentration der Erde bis dahin verdoppelt, könnte es zu einer Erwärmung der Atmosphäre um vier Grad Celsius kommen. Dies aber wären Verhältnisse, wie sie noch nie in der Geschichte der Menschheit geherrscht haben. Die letzte Periode, in der es ähnlich warm war wie es am Ende dieses Jahrhunderts sein könnte, war vor 50 Millionen Jahren - im Eozän. Das Problem ist die Zukunft, nicht die Gegenwart! Dies wird oft durcheinander geworfen.
Das Weltklima hat schon immer geschwankt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatten wir auf der Erde eine kleine Eiszeit, seitdem sind die Temperaturen angestiegen. Solche Wärmeperioden hat es zum Beispiel auch schon im Mittelalter gegeben, auch in der römischen Zeit. Damals waren die Temperaturen höher als heute!
Natürlich hat das Weltklima schon immer geschwankt. Es geht ja nicht darum, dass es früher wärmere Zeiten gegeben hat als die heutige Zeit. Oft waren die wärmeren Perioden übrigens lokal begrenzt - beispielsweise im Mittelalter, als es auf Grönland wärmer war als dort heute. Beim heutigen Klimaproblem geht es darum: Wollen wir innerhalb der Schwankungsbreite des heutigen Klimas bleiben - oder wollen wir uns jenseits dieser Grenzen bewegen? Nicht die Vergangenheit oder Gegenwart sind entscheidend bei der Bewertung des Klimaproblems, sondern die Zukunft!
Wasserdampf ist mit Abstand das wichtigste Treibhausgas. Beeinflusst Wasserdampf das Klima also nicht sehr viel mehr als die mengenmäßig
viel kleineren Anteile von Kohlendioxid, Methan und anderen Treibhausgasen?
Es ist sicherlich richtig: Wasserdampf ist das wichtigste Treibhausgas. Man muss aber unterscheiden zwischen dem natürlichen Treibhauseffekt und dem menschengemachten. Der natürliche Treibhauseffekt bewirkt einen Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Erde um 33 Grad Celsius. Der Wasserdampf ist zum allergrößten Teil dafür verantwortlich, dass auf der Erde - verglichen mit anderen Planeten - milde Temperaturen herrschen. Wir haben eine Mitteltemperatur von plus 15 Grad Celsius, ohne den natürlichen Treibhauseffekt wären es rund minus 18 Grad Celsius. Zwei Drittel dieses Temperaturanstiegs entfallen auf den Wasserdampf. Nun aber sind die Menschen dabei, den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu ändern. Das hat auch Auswirkungen auf den Wasserdampf. Dieser ist ein Rückkopplungsgas. Das bedeutet: Wenn die Temperatur ansteigt - aus welchem Grund auch immer -, dann nimmt auch der Gehalt an Wasserdampf in der Atmosphäre zu. Und die Temperatur steigt daher noch weiter. Der CO2-Effekt verdoppelt sich dadurch. Richtig ist aber auch, dass Wasserdampf, Kohlendioxid und Methan unterschiedliche Treibhausgas-Potenziale pro Molekül haben. So wirkt ein Methanmolekül gut 20 mal stärker als ein CO2-Molekül. Allerdings ist eben auch die Menge eines Gases in der Atmosphäre entscheidend, und der Methangehalt ist vergleichsweise klein.
Herr Latif, Sie als Spezialist für Ozeanzirkulation wissen es ja selbst am besten: Die Meere gehören zu den hauptsächlichen Gestaltern unseres Wetters und des Klimas. Sie schlucken auch einen Großteil des Kohlendioxids, dass der Mensch verursacht - und was vergleichsweise wenig ist im Vergleich zu den Mengen an CO2, die aus natürlichen Quellen kommen.
Die Menge an CO2, die aus dem Meer stammt, ist ungleich höher, als jene, die der Mensch in die Atmosphäre entlässt. Aber: Das Meer nimmt ungefähr die gleiche Menge an CO2 auch wieder auf - es gibt den natürlichen CO2-Kreislauf. Der Mensch mit seinem zusätzlichen CO2- Ausstoß aufgrund des Einsatzes fossiler Brennstoffe (Erdöl, Erdgas und Kohle) bricht mit diesem Gleichgewicht. Das Meer hat immerhin fast die Hälfte des CO2 aufgenommen, das der Mensch beim Verbrennen fossiler Brennstoffe seit Beginn der Industrialisierung in die Atmosphäre freigesetzt hat. Als Folge beobachten wir neben der Erwärmung eine Übersäuerung der Ozeane. Das bedeutet, dass in Zukunft ein geringerer Prozentsatz des von uns ausgestoßenen CO2 von den Meeren aufgenommen werden wird.
Der letzte Winter in Deutschland, ja in ganz Europa, war sehr lang und hart. Die Prognosen der Klimaforscher aber lauten:
Durch die Erwärmung werden die Winter milder und regenreicher. Der vergangene Winter widerspricht diesen Prognosen ziemlich deutlich.
Was also ist dran an den Vorhersagen?
Dazu ist Folgendes zu sagen: Global betrachtet war dieser Winter einer der wärmsten überhaupt. Januar, Februar, März 2010 im Mittel waren zusammen die wärmste Periode für diese Monate seit 1850. Nur bei uns, in Teilen Europas, war der Winter relativ kalt. Ich vergleiche dieses Phänomen gerne mit einem auf die Zahl Sechs gezinkten Würfel. Auch dieser manipulierte Würfel bringt dann und wann eine Eins hervor. Es geht aber gar nicht um Ausschließlichkeit: um „nie wieder kalte Winter“. Es geht vielmehr darum, dass die Wahrscheinlichkeit für sehr kalte Winter abnimmt. Schon das Medieninteresse hat doch gezeigt, wie selten ein solcher Winter geworden ist.
Das Modell des „Treibhauses Erde“ geht davon aus, dass Treibhausgase die Wärmeabstrahlung der Erde reflektieren und das Entweichen der Wärme in das Weltall verhindern. Wie und mit welchen Methoden hat man diese infrarote Rückstrahlung eigentlich messtechnisch ermittelt?
Insbesondere durch Satellitenmessungen wissen wir ziemlich gut, was an Energie rein geht in die Erdatmosphäre und was wieder rauskommt. Hinein gehen kurzwellige Strahlen, heraus kommt Infrarotstrahlung. Die Störung der Strahlungsbilanz kann man am oberen Rand der Atmosphäre messen.
Ziel des Klimaschutzes soll sein, dass die Welt-Durchschnittstemperatur um nicht mehr als zwei Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts
gegenüber der Welt-Durchschnittstemperatur zu Beginn der Industrialisierung steigt.
Welt-Durchschnittstemperatur! So etwas gibt es gar nicht! Vor allem: Sie wurde bestimmt nicht im 18. Jahrhundert gemessen!
Natürlich ist die Weltdurchschnittstemperatur ein Konstrukt. Wie kommt sie zustande? Man misst alle sechs Stunden, mittelt die Werte über 30 Jahre - dann hat man das Klima. Was die Zahlen des Jahres 1850 betrifft: Natürlich muss man die globalen Temperaturen rekonstruieren anhand der Daten, die man tatsächlich hat. Zum Beispiel kann man nur jene Stationen nehmen, die im 18. oder 19. Jahrhundert eingerichtet waren, und mit ihrer Hilfe die globale Temperatur ausrechnen. Die Fehler, die man dabei macht kann man aber anhand aktueller Messungen oder anhand von Modellrechnungen bestimmen. Die Daten von früher sind selbstredend nicht so sicher wie die Daten von heute.
Bei wieviel Grad zusätzlicher Erderwärmung wird vermutlich der Golfstrom abreißen?
Das ist schwer zu sagen. Wenn wir vom Szenario ausgehen, dass sich bis zum Ende des Jahrhunderts die Erdatmosphäre um drei Grad Celsius aufgewärmt hat, so ist von einer Abschwächung des Golfstroms um 25 Prozent auszugehen.
Hat, entgegen vieler Prognosen, die Eisdicke auf der nördlichen Erdhalbkugel in jüngster Zeit nicht sogar zugenommen?
Also, für eine Zunahme des Eises in der Arktis gibt es überhaupt keine Anhaltspunkte! In der Arktis ist das Packeis extrem zurückgegangen: in den vergangenen 30 Jahren um rund 30 Prozent. 2007 war in dieser Hinsicht ein Ausnahmejahr. Man kann aber nicht ein einzelnes Jahr heraus picken, man muss die langfristigen Trends sehen. Das ist ähnlich wie bei den Temperaturkurven: Erst der Blick auf lange Zeiträume erschließt, wohin die Reise geht. Und in der Arktis ist der Trend zur Eisabnahme offensichtlich.
Ist es möglich, dass die Kappen des Süd- und Nordpols ganz abschmelzen könnten – und was würde dann passieren?
Im Eozän, also einem Erdgeschichtlichen Zeitraum vor 50 Millionen Jahren, war die Erde vermutlich eisfrei. Damals lag der Meeresspiegel um 70 Meter höher als heute. Sollte es noch einmal zu einer solchen Entwicklung kommen, würden vor einem kompletten Abschmelzen Jahrtausende ins Land gehen. Über eine solche Entwicklung müssen wir uns kurzfristig keine Gedanken machen.
Warum wird der Kohlendioxid-Ausstoß der rund 42 Millionen deutschen Pkw (plus Lkw) als ein Grund für die Klimaerwärmung angeführt und nicht deren hohe Auspufftemperaturen (Benzinmotor beispielsweise 1000 Grad Celsius)? Könnte man nicht durch Wärmerückgewinnung den Treibstoffeinsatz verringern und damit zugleich die Aufheizung der Atmosphäre beträchtlich bremsen?
Natürlich müssen auch die Autos klimafreundlicher werden, aber die Autos sind nicht der Hauptfaktor für die CO2-Belastung durch den Menschen. In Deutschland entfallen 40 Prozent des CO2 auf die Kraftwerke, also auf die Herstellung von Strom. Auf den Verkehr, sowohl Pkw als auch Lkw, entfallen knapp 20 Prozent des CO2- Ausstoßes. Ich denke: Der Benzinmotor hat irgendwann ausgedient. Bei den Batterien für Elektroautos wird es eine steile Entwicklung geben. Schauen Sie sich doch die Handys an: Früher musste man für die Bedienung eines Handys oder Satellitentelefons einen Koffer dabei haben. Und heute? Aber der Strom muss natürlich aus regenerativen Quellen stammen.
Würde sich das Klima, wenn auch nur minimal, verändern, wenn es weltweit keine Raucher mehr gäbe?
Raucher haben keinen Einfluss auf das Weltklima.
Foto: Verkehrschaos auf den Strassen von Sao Paulo. Von Mario Roberto Duran Ortiz Mariordo
Dies war jetzt so. Doch im Trend beobachten wir etwas anderes. Die Vegetationsperiode hat in den vergangenen 100 Jahren um zwei Wochen zugenommen, wurde also länger. Der Frühling beginnt früher und der Herbst endet später.
Wie lange würde es dauern, bis sich das Klimasystem erholen würde, wenn ab heute keine Treibhausgase mehr produziert werden würden?
Wir Klimaforscher rechnen damit, dass es rund 100 bis 200 Jahre dauern würde, bis sich das Klimasystem wieder erholen würde. Jetzt kommt aber das große Aber: Entscheidend ist, wie weit die Klimaänderung schon fortgeschritten ist. Nehmen wir einmal an, wir würden erst im Jahr 2100 etwas tun. Bis dahin hätte sich die Erdatmosphäre wohl um vier Grad Celsius aufgeheizt. Wenn die Menschen dann plötzlich keine Treibhausgase mehr freisetzen würden, würde es zu diesem Zeitpunkt über 1000 Jahre dauern, bis sich das Klimasystem wieder eingependelt hätte. Allerdings ist unklar, ob dann irgendwelche Grenzen überschritten worden wären, so genannte Kipppunkte, die Entwicklungen in Gang setzen würden, die sich nicht mehr oder nur sehr langfristig rückgängig machen ließen. Noch einmal: Heute haben wir noch eine relativ komfortable Situation, in der sich vieles reparieren ließe.
Stimmt es, dass sich durch den Klimawandel die Vegetations - und Klimazonen verschieben könnten?
Natürlich. Die Klimazonen folgen der Temperatur und dem Niederschlag. Ändern sich die Temperatur und die Niederschlagsmenge, so kommt es in der Folge zu einer Verschiebung der Klimazonen.
Ist es realistisch, dass der Meeresspiegel in den nächsten Jahren ansteigen wird und dadurch sogar Millionen-Städte in Küstenlage bedroht werden?
In den nächsten Jahren sicherlich nicht. Wenn aber beim Klimaschutz nicht mehr passiert, geht die Klimaforschung davon aus, dass sich die Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um rund vier Grad Celsius erhöht und der Meeresspiegel in der Folge um bis zu einem Meter ansteigt. Das kann für tiefer liegende Städte bedrohlich werden.
Besteht die Möglichkeit, dass im Zuge steigender Temperaturen aus Permafrostböden Methan sowie Distickstoffoxid freigesetzt werden? In welcher Größenordnung kann aus diesen Speichern die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre zunehmen? Welche Folgen hätte diese Zunahme?
Wenn die Permafrostböden in Russland und in Kanada auftauen, so werden in der Tat große Mengen an Methan, weniger an Distickstoffoxid frei. Ich glaube aber, dieser Effekt wird überbewertet. Ich habe ihn mit ein paar Kollegen einmal durchgerechnet: Wenn die Permafrostböden auftauen, wird dies die Weltdurchschnittstemperatur wohl „nur“ zusätzlich um ein paar Zehntel Grad Celsius nach oben treiben.
Klimaschutz und Politik
Derzeit sieht es so aus, als ob selbst die Natur die Klimaaktivisten widerlegen wollte. Die Erderwärmung ist trotz weiterhin steigender CO2-Anteile in der Atmosphäre seit zehn bis 15 Jahren zum Stillstand gekommen. Das gilt sowohl für die globale Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche als auch für die durchschnittliche Wassertemperatur der Weltmeere. Möglicherweise wird die Klimakatastrophe den gleichen Weg gehen, den das Waldsterben bereits hinter sich hat.
Die Wissenschaft redet nicht von "Katastrophe" oder von "-Sterben“. Dies sind Begriffe, wie sie die Medien gerne verwenden. Was aber das Waldsterben betrifft, so ist doch eingetreten, was die Wissenschaft gesagt hat. Jedes Jahr gibt es den sogenannten Waldschadens Bericht. In dem kann man nachlesen, dass es dem Wald nicht gut geht. Verwunderlich ist, was in dieser Diskussion gerne weggelassen wird. Die Warnungen der Wissenschaftler nämlich haben ja dazu geführt, dass massiv in die Luftreinhaltung investiert worden ist. Rauchgasentschwefelung, Katalysatoren in Autos haben bewirkt, dass die Luft sauberer geworden ist. Es gibt kaum noch sauren Regen bzw. Smoglagen. Dies alles sind Erfolge, die dazu führten, dass es dem Wald zwar nicht gut geht, aber sehr viel besser, als wenn diese Maßnahmen nicht durchgeführt worden wären.
Die aktuelle Politik zur Vermeidung von Kohlendioxid ist bedenklich. Es wird davon ausgegangen, dass die menschliche Nutzung fossiler Brennstoffe wie Öl, Kohle oder Gas der entscheidende Faktor sei für den Klimawandel. Es würde also sehr viel Geld falsch ausgegeben, wenn andere Faktoren für den Klimawandel ausschlaggebend sind – oder ein Klimawandel gar nicht stattfindet.
Wir müssen eine No-Regret-Strategie verfolgen. Also etwas machen, das immer noch richtig ist, auch wenn sich herausstellen sollte, dass es nur einen schwachen menschlichen Einfluss aufs Klima gibt. Die Einführung der erneuerbaren Energien ist so ein Beispiel. Der Erdölpreis nimmt zu, früher oder später müssen wir uns den erneuerbaren Energien sowieso stärker zuwenden. Heute schon ist abzusehen, dass langfristig die fossilen Brennstoffe zur Neige gehen. Deutschland muss mehr Energie selbst erzeugen. Dann werden wir auch weniger erpressbar. Wir werden unabhängiger. Außerdem entspricht es doch gar nicht unserem Intellekt, etwas zur Energieerzeugung zu verbrennen - so wie es schon die Steinzeitmenschen gemacht haben.
Klimaschutz ist zu einem großen Geschäft geworden. Klimaschutz wird benützt von einer wahren Klima-Industrie (Forschung, Behörden und so weiter. CO2-Zertifikate interessieren ja selbst Investmentbanker!) Außerdem locken Steuermillionen, die im Sinne des Klimaschutzes investiert werden sollen. Deshalb sind nun auch große Teile der Finanzwelt sowie der Wirtschaft vordergründig für Klimaschutz. In Wahrheit geht es um Wettbewerbsvorteile und viel, viel Geld.
Ich hege eine gewisse Sympathie für diese Kritik. Es gibt natürlich „greenwashing“ - also das Bemühen, Dinge „grün“ anzustreichen, die überhaupt nicht förderlich für den Umweltschutz sind. Auf diese Art und Weise wollen sich beispielsweise Unternehmen am Markt besser positionieren, in Wirklichkeit tut man gar nichts fürs Klima. BP und der Unfall mit der Ölplattform im Golf von Mexiko ist so ein Beispiel. BP hat seinen Namen interpretiert als „Beyond Petroleum“, als: übers Erdöl hinaus denken. Das Öldesaster hat gezeigt, dass es mit dem Versprechen nicht so weit her war. Wir Klimaforscher müssen schon aufpassen, dass wir nicht zu einer Art Alibiforscher verkommen. Auch mir ist schon vorgeworfen worden: Du willst ja nur Forschungsgelder. Meine Antwort darauf ist: Es gibt so viele andere spannende Themen, denen ich mich als Wissenschaftler zuwenden könnte. Ich wäre heilfroh, gäbe es kein Klimaproblem.
Fotos: Windkraftanlage in England, von Arpingstone / Industrie in Novosibirsk, von Summ
Man muss sich erst einmal fragen, warum der Weltklimagipfel von Kopenhagen gescheitert ist. Meine Antwort: Wir Europäer, die Industrieländer insgesamt, sind nicht glaubwürdig. Aus drei Gründen. Erstens: China ist in der Tat zum größten CO2-Emittenten geworden. Die Industrieländer aber haben große Teile ihrer Produktion ins Reich der Mitte ausgelagert. Dort also wird produziert, wir hier kaufen die Produkte. Die Statistik, die nur den Anfall der Treibhausgase in China berücksichtigt, ist also unfair. Zweitens: Von den anthropogenen CO2-Molekülen in der Atmosphäre stammen 30 Prozent von den US-Amerikanern. Zählt man die anderen Industrieländer noch dazu, so kommt ein noch viel größerer Anteil aus den entwickelten Staaten. Die Chinesen indes haben nur rund zehn Prozent des heutigen CO2, dass der Mensch bisher zu verantworten hat, in die Atmosphäre entlassen. Es gibt also das Problem der historischen Verantwortung. Drittens: Jeder US-Amerikaner steht für 20 Tonnen CO2-Ausstoß im Jahr. Jeder Deutsche für rund zehn Tonnen, jeder Chinese für etwa vier Tonnen und jeder Inder für eine Tonne CO2. Diese Pro-Kopf- Bilanz zeigt: Solange wir nicht klarmachen, dass wir, die Industrieländer, wirklich ernst machen beim Klimaschutz, solange können wir nicht verlangen, dass die großen Schwellenländer wie China etwas tun. Sollen wir uns daher auf Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel konzentrieren? Ich denke nicht in erster Linie: Solange wir es noch in der Hand haben, das Klima auf einem halbwegs vernünftigen Niveau zu stabilisieren, sollten wir versuchen, das Klimaproblem im Vorfeld zu lösen, und nicht, uns im Nachhinein anzupassen. Natürlich dürfen wir Anpassungsmaßnahmen aber nicht außer Acht lassen. Wir leben nicht in der besten aller Welten, klimabedingte Veränderungen werden kommen.
Es wird schon alles nicht gar so schlimm kommen, wie vielfach behauptet wird. Das alte Sprichwort „Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird“ stimmt auch hier. Schließlich gibt es ja nicht nur positive Rückkopplungen, die den Treibhauseffekt verstärken, sondern auch negative. Wenn zum Beispiel der Golfstrom im Atlantik teilweise versiegt, wird es in Westeuropa eben kühler.
Wenn der Golfstrom versiegt, dann doch nur, weil es wärmer geworden ist! Alle unsere Modelle sagen: Wärme gewinnt gegenüber der Abkühlung. Deswegen sprechen wir auch von einer Heißzeit und nicht von einer neuen Eiszeit, die demnächst droht. Im Übrigen entspricht unser Verhalten gegenüber Umwelt- und Klimathemen nicht unserer Lebenspraxis. Würden wir im normalen Leben ein Flugzeug besteigen, das mit einer Wahrscheinlichkeit von nur zehn Prozent abstürzen würde? Kein Mensch würde in ein solches Flugzeug gehen! Beim Klima hingegen will man hundertprozentige Sicherheit. Die aber gibt es nie in der Wissenschaft! Hier gibt es nur Hypothesen, also begründete Annahmen. Die begründete Annahme in Sachen Klima ist: Wir befinden uns auf einem schlechten Weg. Welchen genauen Kurs dieser schlechte Weg nehmen wird, ist - das gebe ich gerne zu - mit allerlei Unsicherheiten behaftet. Doch genau diese Unsicherheit ist der beste Grund, etwas zu tun. Auf der einen Seite kommt es vielleicht weniger schlimm, als wir Forscher uns heute denken. Auf der anderen Seite aber kann alles auch noch sehr viel übler werden.
Lässt sich der Klimawandel noch aufhalten? Wenn ja, was müsste geändert werden?
Ein ganz klares Ja: Der Klimawandel lässt sich noch aufhalten. Allerdings nicht ganz, da das System träge ist. Selbst wenn wir überhaupt keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre entlassen würden, würde sich die Atmosphäre noch jahrzehntelang aufheizen. Es geht aber darum, massive Veränderungen zu vermeiden. Um es noch einmal klar zu sagen: Es ist noch nicht zu spät. Was müssen wir tun? Bis 2050 müssen wir Menschen den Ausstoß von Treibhausgasen weltweit halbieren, bis 2100 sollten wir ihren Ausstoß um 90 Prozent vermindert haben.
Um wieviel Grad Celsius ist die globale Durchschnittstemperatur bereits gestiegen? Stimmt es, dass bei drei Grad Celsius mehr alles zugrunde geht?
Die Weltdurchschnittstemperatur ist seit 1900 um ca. 0,7 Grad Celsius gestiegen. Natürlich sterben wir nicht aus, auch die Welt geht nicht unter, selbst unter der Annahme extremer Szenarien. In verschiedenen Regionen der Welt kann die Anpassung an den Klimawandel aber schwierig werden. Dies führt zu entsprechenden Konsequenzen: Hunger oder Flüchtlingsströmen beispielsweise.
Klimaforschung - alles nur Betrug?
Die Forschung ist sich beim Klimawandel überhaupt nicht einig. Und dies, nachdem bereits über 20 Jahre in dieser Frage intensiv geforscht wird. Das zeigt doch: Da ist noch alles drin! Auch die Möglichkeit, dass die bisherigen alarmierenden Ergebnisse falsch sind.
In den wesentlichen Fragen ist die Forschung nicht gespalten. Ganz sicher aber gibt es Extreme: Alarmismus in die eine Richtung, Verharmlosung in die andere. Eigentlich gibt es zwei Ebenen: Einige Wissenschaftler äußern sich immer wieder über populäre Medien, sie veröffentlichen diese Gedanken aber nicht in Fachzeitschriften. Sie stellen sich also nicht der Kritik ihrer Kollegen, die ihre Einwände vielleicht entkräften könnten. In den Medien freilich kann man alles sagen. Dies vermittelt der Öffentlichkeit manchmal einen falschen Eindruck, den der Uneinigkeit.
Die Vereinten Nationen lassen derzeit die Arbeit des Weltklimarates (IPCC) überprüfen, nachdem herausgekommen ist, dass in dessen Berichten falsche Angaben übernommen worden sind. Beispielsweise die Prognose, die Gletscher des Himalaja würden bis zum Jahr 2035 abgeschmolzen sein. Das zeigt doch, dass diesem Gremium – nach dessen Befunden Regierungen in aller Welt ihre Klimapolitik ausrichten – nicht zu trauen ist!
Um es klar zu sagen: Dieser Fehler hätte nie passieren dürfen. Dass sich diese falsche Gletscherprognose in dem Bericht des Weltklimarates eingeschlichen hat, liegt daran, dass die verschiedenen Arbeitsgruppen, die an dem Bericht mitwirken, verschiedene Themen bearbeiten und auch verschiedene Standards haben. Die Arbeitsgruppe eins, in der ich Mitglied bin, kümmert sich um die physikalischen Grundlagen des Klimawandels. Die Arbeitsgruppe zwei beschreibt unter anderem die mutmaßlichen Auswirkungen des Klimawandels. Nur jene wissenschaftlichen Arbeiten werden in der Arbeitsgruppe eins berücksichtigt, die zuvor bereits in Fachzeitschriften erschienen und damit von anderen Kollegen begutachtet worden sind. Bei der Arbeitsgruppe zwei haben bis jetzt nicht so rigide Qualitätsstandards geherrscht. Doch so geht es nicht, das begünstigt das Auftreten krasser Fehler. Auch die Politik muss hier eingreifen, denn der Weltklimarat ist ja von der Politik, den Vereinten Nationen, eingesetzt worden. Die Qualitätsstandards für die künftigen Berichte müssen schärfer gefasst werden. Aber auch das Krisenmanagement nach dem Entdecken des Fehlers war schlecht. Man hat die Sache einfach laufen lassen. Das hat die Klimaforschung insgesamt Glaubwürdigkeit gekostet.
Die gehackten E-Mails der Klimaforscher einer britischen Universität haben gezeigt, dass viele wichtige Klimawissenschaftler und der Weltklimarat versucht haben, die Erwärmung der vergangenen Jahre eindrücklicher darzustellen als sie wirklich ist. In einer der E-Mails wird von einem Klimaforscher sogar offen zugegeben, einen „trick“ angewendet zu haben, um ein bestimmte Temperaturkurve darstellen zu können.
„Trick“ wird hier als Fachbegriff der Mathematik verwendet. Es ging darum zu zeigen, dass ein schwieriges Problem elegant gelöst wurde. Es ging nicht um Betrug oder Fälschung. Der Vorfall wurde bereits durch einen Ausschuss des britischen Parlaments untersucht - und von den ursprünglichen Vorwürfen ist nichts mehr übrig geblieben. Gleichwohl muss man sehen, dass man als Klimaforscher kritikfähig bleibt. Wir dürfen nicht im eigenen Saft schmoren und argumentieren: Alle die etwas gegen unsere Thesen sagen, sind Vollidioten. Das wäre der Tod der Wissenschaft. Diese Tendenz aber gab es. Auch im Weltklimarat, der den Nobelpreis bekam, sitzen indes nur Menschen. Einige von ihnen waren befallen von der Überzeugung: Wir wissen alles besser. Wir müssen aber unbequeme Fragen an uns selbst richten, bevor es andere tun.
Den Klimawandel zu propagieren, gehört zum „guten Ton“ - gehörte zumindest lange Zeit dazu. Jetzt aber ist herausgekommen: Skeptische Meinungen in der Forschung wurden unterdrückt – auch von den Medien, wo Journalisten sitzen, die alle ins gleiche Horn stoßen und die sich nicht trauen, gegen den Strom zu schwimmen.
Na ja, manchmal werden hier auch Legenden gestrickt. Zum Beispiel wenn eine Arbeit nicht erscheinen konnte, weil sie nicht gut genug war, hört man von dem betreffenden Wissenschaftler: Hilfe, ich werde ausgegrenzt! Was die Medien betrifft, die angeblich alle ins gleiche Horn stoßen: Die meisten Medien spiegeln in keiner Weise die wissenschaftliche Diskussion wider. Hier geht die Kontroverse nicht darüber, ob es den Klimawandel überhaupt gibt. Medien veröffentlichen indes nur allzu gerne gegenläufige Meinungen, die sich sehr gut zuspitzen lassen. Manchmal sorgen aber einfach auch nur Binsenweisheiten für Schlagzeilen. So etwa die Meldung, dass das Kyoto-Protokoll das Klima überhaupt nicht schütze. Das Kyoto-Protokoll läuft im Jahr 2012 aus, das war von Anfang an klar. Das Kyoto-Protokoll sollte ja nur ein Anfang sein, um den internationalen Klimaschutz irgendwie in geordnete Bahnen zu lenken.
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