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Neuwagentest

Fahrbericht

Honda Civic Type R im Test: Mit Gift und Galle gegen den GTI

Honda Civic Type R

Honda gibt richtig Gas: Mit dem neuen Civic Type-R zeigen die Japaner, wie ein Sportler für die Straße aussieht. Foto: Honda/dpa

Honda Civic Type R

Honda-Fans werden schon jetzt aufgeregt sein. Denn ab September steht das sportliche Type R-Modell mit 235 kW/320 PS bei den Händlern. Foto: Honda/dpa

Honda Civic Type R

Mindestens 36 050 Euro kostet der Racer. Dafür gibt es reichlich Spoiler und Schweller sowie 20-Zöller. Foto: Honda/dpa

Honda Civic Type R

Dabei hat jeder Flügel eine Funktion. Sie leiten die Luft so, dass der Type R tatsächlich Abtrieb erzeugt. Foto: Honda/dpa

Honda Civic Type R

Markant sind innen die tief ausgeschnittenen Sportsitze. Der Civic verfügt zudem über Assistenzsysteme und eine umfangreiche Ausstattung. Foto: Honda/dpa

Honda Civic Type R

Unter der Haube steckt ein 2,0 Liter großer Turbo-Vierzylinder. Der Motor beschleunigt in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das Spitzentempo liegt bei 272 km/h. Foto: Honda/dpa

Es lebe der Sport: Honda besinnt sich auf seine dynamischen Tugenden und legt den neuen Civic wieder als Type R auf. Der sieht nicht nur wilder aus als der VW Golf GTI oder Ford Focus RS, er fährt auch besser.

Berlin (dpa-infocom) - Honda bittet zum Kräftemessen in der Kompaktklasse. Um das verstaubte Image aufzumöbeln und den neuen Civic in einem etwas schrilleren Licht erscheinen zu lassen, bringen die Japaner ihren Golf-Gegner im September wieder als Type R an den Start.

Der Honda Civic Type R ist zwar mit einem Preis von 36 050 Euro fast doppelt so teuer wie das Grundmodell, bietet dafür aber auch mehr Spaß als jeder andere Honda diesseits des NSX und dürfte so manchen Golf GTI-Fahrer gehörig ins Schwitzen bringen.

Drehorgel mit drei Trompeten

Dafür steht vor allem ein zwei Liter großer Turbo-Motor, der nur so nach Drehzahlen lechzt. Zum Dank dafür bläst ein lustvolles Lied durch drei Trompeten unter dem Heck.

Und er spendiert 235 kW/320 PS sowie bis zu 400 Newtonmeter, mit denen Fahrleistungen auf dem Niveau deutlich teurerer Sportwagen möglich werden: Von 0 auf 100 km/h in 5,7 Sekunden und bei Vollgas 272 km/h - da steigt der Puls, und es wird einem beim Fahren ganz schön heiß unter dem Hemd.

Wildes Geflügel

Verpackt ist dieses Kraftpakt in eine Karosserie, die gefährlich nach PS-Proletariat aussieht. Eine messerscharfe Buglippe, weit ausgestellte Radhäuser, aus denen breit gummierte 20-Zöller quellen. Sicken und Finnen an der Flanke, eine Hutze auf der Haube und ein riesiger Flügel auf dem Heck erinnern an Zeiten, in denen Manni Manta noch heldenhaft verehrt wurde.

Wo der Type R auftaucht, würdigt man einen Porsche keines Blickes mehr. Doch es geht den Japanern nicht ums Posing, sondern um die Performance: Jeder Flügel hat eine Funktion und leitet die Luft so, dass der Type R tatsächlich Abtrieb erzeugt. Bei 200 km/h lasten 30 Kilogramm mehr auf der Karosserie und drücken den Wagen noch fester auf die Fahrbahn.

Rekordhalter auf dem Ring

Das wirkt. Erst recht, wenn man mit dem Kippschalter auf dem Mitteltunnel in den «+R»-Modus wechselt, sich das Fahrwerk bretthart macht, die Lenkung noch direkter wird und der Motor noch aggressiver aufs Gas reagiert: Wo andere Fronttriebler mit so viel Leistung vor Kraft kaum laufen können und sich beim Kickdown nur das Profil vom Reifen hobeln, verbeißt sich der Type R förmlich in den Asphalt und lässt sich entsprechend eng an der Ideallinie führen.

Befeuert von einem wunderbar kurz und knackig abgestuften Getriebe mit elektronischem Zwischengas gegen lästige Drehzahlsprünge gibt man dem Type R deshalb die Sporen und gewinnt mit jeder Kurve mehr Zutrauen. Man bremst später, lenkt schärfer ein, steigt früher wieder aufs Gas und wundert sich, wie lange dieses böse Spiel tatsächlich gut geht.

Der heißeste Hobel in der Klasse

Selbst wenn man es einmal übertrieben hat, serviert der Type R keine gefährliche Retourkutsche: Behutsam bringt einen die Elektronik auf den Pfad der Tugend zurück. Worüber man sich nach jedem Kilometer allerdings weniger wundert, ist die Rekordzeit von 7:43.8 Minuten, in der Honda mit dem Type R die Nordschleife umrundet hat: Dass dieses Reis-Racer der schnellste Fronttriebler auf dem Ring ist, glaubt man ihm gerne.

VW Golf GTI, Renault Mégane RS oder Seat Leon Curpa haben gegen ihn keine Chance. Und Autos wie der Golf R, der Ford Focus RS oder gar die Power-Varianten von Audi A3 oder Mercedes A-Klasse mögen mehr Leistung haben und dank ihres Allradantriebs noch ein paar Zehntel schneller sein. Doch für Spaß und Show ist der heiße Hobel von Honda die erste Wahl - und gemessen an diesen Konkurrenten auch nach die günstigste Alternative. Da stört es dann auch nicht, dass die 7,7 Liter Verbrauch (CO2-Ausstoß: 176 g/km) nur graue Theorie sind.

Adrenalin im Alltag

Zwar versteht sich der Type R als vergleichsweise kompromissloser Kraftmeier, bei dem der Spaß und der Sport im Vordergrund stehen. Doch bei aller Raserei bleibt er ein überraschend alltagstaugliches Auto. Die Ausstattung ist umfangreich, das Netz der Assistenzsysteme engmaschig, das Platzangebot in der zweiten Reihe und im Kofferraum familienfreundlich und die Sitze sind bei aller Seitenführung noch immer bequem.

Selbst das Fahrwerk bietet ein ungewöhnliches Maß an Restkomfort, wenn man in den sanftesten der drei Fahrmodi wechselt. Dann ist der Type R tatsächlich ein Breitensportler für alle Tage.

Fazit: Die Nordschleife ist überall

Natürlich werden die allerwenigsten Kunden je mit dem Type R auf die Nordschleife gehen, selbst wenn das Auto vor allem für diese Eifelrunde entwickelt wurde. Doch so gierig und giftig wie der Type R ist, so schnell, wie er fährt, und so scharf, wie er um die Ecken schneidet, wirbelt er nicht nur die Hackordnung in der Kompaktklasse durcheinander, sondern auch die Geografie. Denn es braucht nur zwei, drei Kurven zu der Erkenntnis, das mit diesem Auto jede Straße zur Nordschleife wird und die Eifel plötzlich überall ist.

Datenblatt: Honda Civic Type R

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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