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Zeitgeschehen

Mixende Roboter: Die Zukunft des Cocktails

Von Sébastien Vugnant

und Veronique Dupont

In Sekundenschnelle mixt Tipsy den gewünschten Drink.

In Sekundenschnelle mixt Tipsy den gewünschten Drink. ( Foto: thetipsyrobot.com)

In einer Bar in Las Vegas - Bestellung per Tabletcomputer

Geschüttelt, nicht gerührt – Tipsy bereitet den Martini auf Tastendruck, wie ihn auch James Bond mögen würde. Der mixende Roboter ist die Attraktion einer Bar in Las Vegas. Auch in anderen Bereichen der Gastronomie hält die Technik Einzug.

Jede Bewegung sitzt: Tipsy streckt den Arm, um den Shaker mit Eiswürfeln zu füllen, dann reckt er ihn zur Decke, wo die Flaschen mit Dutzenden Spirituosen und Sirups kopfüber hängen. Anschließend wird geschüttelt oder gerührt, bis Tipsy schließlich den perfekten Cocktail in einen Plastikbecher kippt – ohne zu kleckern. Fasziniert schauen die Gäste in der Bar in Las Vegas zu. Denn Tipsy ist kein gewöhnlicher Barmann, sondern ein Roboter.

„Roboter sind schneller und praktischer“, sagt John Woodall, ein Tourist aus Tennessee, während er auf seinen Drink wartet. „Man kann sogar Extras hinzufügen, das ist wirklich cool.“ Auch Mauricio Letona aus Las Vegas ist begeistert: „Das ist die Zukunft!“ Auf einem Tabletcomputer geben die Gäste ihre Bestellungen auf, serviert werden die Cocktails dann aber von Kellnerinnen aus Fleisch und Blut.

Denn Rino Armeni, dem Besitzer des Lokals, geht es nicht darum, durch Tipsy Personal einzusparen. Der automatische Barkeeper sei in erster Linie eine Attraktion. „Die Roboter sind die Entertainer, aber wegen euch werden die Leute wiederkommen“, habe er seinen Angestellten bei der Eröffnung erklärt: „Ich will nicht, dass die menschliche Seite verloren geht.“

Andere Gastronomen betrachten Roboter allerdings durchaus als Chance, Personalkosten einzusparen. Es gibt inzwischen Pizzaautomaten, und in Tokio verkaufen Maschinen Alkohol in den Straßen. Statt Roboter lässt Anthony Pallino in seinem Restaurant „L.I. Pour House Bar and Grill“ auf Long Island die Gäste selbst Hand anlegen: Sie müssen sich ihr Bier zapfen und an einem Terminal ohne Kassiererin bezahlen. „Wo man an einem normalen Abend fünf oder sechs Kellner gebraucht hätte, sind es jetzt noch vier“, sagt Pallino. Auf diese Weise spare er jedes Jahr Tausende Dollar.

Auch wenn Roboter inzwischen Drinks mixen können, fürchtet Michael Dyer, emeritierter Professor für Computerwissenschaften an der Universität von Kalifornien in Los Angeles, nicht um den Berufsstand der Barkeeper. „Barmänner haben viele Aufgaben: Sie reden mit den Gästen, entscheiden, wann sie nichts mehr zu trinken bekommen, kassieren und geben das Wechselgeld zurück“, sagt er. Roboter könnten nur wenige dieser Aufgaben genauso gut wie Menschen erledigen.

Ganz abgesehen von den technischen Möglichkeiten stelle sich die Frage, ob die Gäste von Robotern bedient werden wollten, sagt Richard Korf, ebenfalls Professor an der Universität in Los Angeles. Er sieht die Zukunft von Barrobotern an Orten wie Konzerthallen, wo es darum geht, in der kurzen Pause schnell an sein Getränk zu kommen. Nicht aber in der Kneipe ums Eck: „Ein großer Teil des Vergnügens, in eine Bar zu gehen, besteht doch darin, mit dem attraktiven Barmann zu plaudern.“ |afp

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