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Ludwigshafen

Sohn des getöteten Unternehmers: "Es ging nur ums Geld."

Von Michael Schmid, Ismail Kul und Steffen Gierescher

Eyüp Torun (mit Mikrofon) bei der Trauerfeier für seinen Vater am Sonntag in Ludwigshafen. Zur Mevlana-Moschee kamen insgesamt über 2000 Menschen. Nicht 200, wie gestern irrtümlich berichtet. ( Foto: IK)

Interview: Der Unternehmer Ismail Torun aus Ludwigshafen ist vor wenigen Tagen Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ist der 49-Jährige gestern in seiner türkischen Heimatstadt beigesetzt worden. Nach der Beerdigung haben wir mit seinem ältesten Sohn Eyüp Torun (28) über die Hintergründe der Tat gesprochen.

Herr Torun, wissen Sie, wer Ihren Vater umgebracht hat?

Nein. Ich weiß nur, dass es um Geld ging und jetzt drei Leute von der Polizei festgenommen worden sind.

Es wird von einer Entführung gesprochen. War das der Hintergrund der Tat?

Es gab keine eigentliche Lösegeldforderung. Wir wurden nicht angerufen, uns wurden keine Bedingungen gestellt. Das lief anders.

Wie denn?

Es ist uns so gespiegelt worden, dass mein Vater ein Geschäft hätte abwickeln wollen. Angeblich wollte er ein Grundstück in Berlin kaufen und hat dafür Geld bei Freunden eingetrieben. Ich sollte das nicht mitbekommen. Mir hat er nur gesagt, er wolle sich ein Grundstück ansehen. Er hat dann das Geld zusammenbekommen und es von einem Freund an eine Kontaktperson in Mannheim überbringen lassen. Mehr darf ich wegen der aktuellen Ermittlungen nicht sagen. Es hieß, dass dann der Grundstückskauf beim Notar abgewickelt werden sollte.

Aber das stimmte nicht?

Das mit dem Berlin-Geschäft war von den Tätern nur vorgeschoben worden, um ans Geld zu kommen. Mein Vater war in der Gewalt dieser Menschen, die ihn dann später umgebracht haben. Wir vermuten, dass die Täter meinem Vater gedroht haben, dass sie seiner Familie etwas antun werden, wenn er das Geld nicht aufbringt. Sonst ergäbe es keinen Sinn, dass er so gehandelt hat.

Um welche Summe ging es? Durch die Medien geistern die unterschiedlichsten Zahlen – von bis zu einer Million Euro war da die Rede.

Da sind viele falsche Dinge veröffentlicht worden. Eine genaue Summe will ich nicht nennen, aber man kann von einigen Hunderttausend Euro sprechen.

Hatte Ihr Vater Schulden?

Nein, überhaupt nicht. Ich glaube auch nicht, dass es um ihn persönlich ging. Es gibt auch keine politischen oder religiösen Motive. Es ging nur ums Geld. Die gleichen Täter sollen vor einigen Wochen ebenfalls aus finanziellen Gründen einen Automatenaufsteller umgebracht haben. Das habe ich in den Zeitungen und im Polizeibericht gelesen.

Sie meinen den Fund der Leiche eines 64-Jährigen Ende November am Willersinnweiher?

Ja.

Kannte Ihr Vater diesen Mann? Es soll sich um einen Kroaten handeln.

Meinen Vater kennen viele Leute in Mannheim und Ludwigshafen, fast alle Geschäftsleute kennen ihn. Vielleicht sind sie sich mal begegnet. Ich kenne den Mann nur vom Hörensagen, hatte aber nie Kontakt zu ihm. Mein Vater und das andere Mordopfer waren jedenfalls keine Geschäftspartner oder Freunde. Ich glaube, die beiden haben sich persönlich gar nicht gekannt.

Ihr Vater wurde also als Opfer ausgewählt, weil er Unternehmer war und ein wohlhabender Mann?

Wahrscheinlich deswegen. Und er war auch ein gutmütiger Mensch.

Das Geld wurde den Tätern auch tatsächlich übergeben?

Ja, natürlich.

Und dann?

Dann habe ich eine SMS bekommen – angeblich von meinem Vater, aber die Nachricht war nicht von ihm. Dann war sein Handy aus. Die Täter haben abkassiert und meinen Vater dann umgebracht.

Gab es vor der Tat schon mal Drohungen gegen Ihre Familie?

Nein, gar nichts. Das kam völlig unerwartet für uns – quasi aus heiterem Himmel.

Wissen Sie, wo das Geld ist? Es sind ja am Wochenende drei Tatverdächtige festgenommen worden.

Keine Ahnung. Dazu hat mir die Polizei nichts gesagt.

Kannte Ihr Vater die Verdächtigen?

Das weiß ich nicht, ich kenne die Namen nicht. Ich bin aber erleichtert, dass die Täter jetzt in Haft sind.

Sie haben eine Firma mit 200 Mitarbeitern in Ludwigshafen. Wie geht’s da jetzt weiter?

Ganz normal. Alle Projekte, die mein Vater begonnen hat, werden beendet. Ich, mein Onkel und meine zwei Brüder werden das Unternehmen weiterführen. Wir wollen da weitermachen, wo mein Vater aufgehört hat. Er hatte noch so viel vor.

Ihr Vater ist heute in seinem Geburtsort beigesetzt worden. Es sollen viele Ludwigshafener dabei gewesen sein.

Es sind um die 200 Leute aus Ludwigshafen zur Beerdigung geflogen. Und etwa 1500 Leute aus der Türkei waren dabei, darunter Bürgermeister und hochrangige Politiker aus der Region. Mein Vater war in seiner Heimatstadt ein prominenter Mann.

Herr Torun, wie geht’s Ihnen momentan? Wie haben Sie diesen schwierigen Tag überstanden?

Der Tod meines Vaters ist noch immer schockierend und unfassbar für mich. Ich habe ihn heute selbst in sein Grab gelegt. Ich glaube immer noch nicht, dass er nicht mehr da ist.

+++ Pfalz-Ticker +++

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