Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Zum Einzelverkauf der Ausgabe als PDF
Samstag, 21. Oktober 2017

20°C

Mittwoch, 13. September 2017 Drucken

Musik

Relaxt

Lasst die Sonne rein! Jack Johnsons siebter Streich

Jack Johnson

Die Musik ist seine Leidenschaft, das Meer sein Element: Jack Johnson. Foto: Universal Music/Morgan Maassen

Kurz nach der Jahrtausendwende sorgte ein Surfer aus Hawaii dank seiner minimalistisch-relaxten Gitarrenmusik für Wohlbefinden. Mit seinem siebten Studioalbum «All The Light Above It Too» liefert Jack Johnson Bewährtes und regt trotz Entspannung zum Nachdenken an.

Hamburg (dpa) - Mit 17 Jahren hatte Jack Johnson einen Surf-Unfall: Vor der Hawaii-Insel Oahu, seiner Heimat, schlitzte er sein Gesicht an einem Korallenriff auf, musste mit 150 Stichen genäht werden.

Womöglich hätte es der 42-jährige Singer-Songwriter und Dokumentarfilmer ohne diesen Tiefpunkt nie so weit gebracht: Seine bisher sechs Studio- und zwei Live-Alben verkauften sich mehr als 25 Millionen Mal. Der Unfall habe seine Persönlichkeit verändert, sagte Johnson einmal dem «Rolling Stone». «Er hat mich bescheiden gemacht und mich gebremst.» Vor allem aber sei er dadurch entspannter geworden.

Dieses Relaxtsein - das sich in seinen oft akustischen Folk-Pop-Songs widerspiegelt - bringt seine Karriere ins Rollen. Nach seinem Uni-Abschluss nimmt er Songs für seine Surf-Doku «Thicker Than Water» auf. Das Demotape bekommt US-Musiker Ben Harper in die Finger, und dieser holt den Surfer 2001 als Support für seine Tour an Bord. Im selben Jahr veröffentlicht Johnson, der Bob Dylan, Jimi Hendrix und Bob Marley zu seinen Einflussgebern zählt, sein Debütalbum «Brushfire Fairytales». Der Nachfolger «On and On» macht ihn auch außerhalb der USA und der Surferszene bekannt.

Auf seinem siebten Studioalbum «All The Light Above It Too» besinnt er sich auf seine musikalischen Wurzeln - mal sanfte, mal verspielte Gitarren- und Ukulelenklänge plus Beats, Bass und Klavier - und setzt auf das Unfertige: Die Roh- sind gleichzeitig die Finalversionen. Dabei verpackt Jack Johnson in seine Happy-Go-Lucky-Melodien durchaus auch kritische Gedanken.

Der Albumtitel, eine Zeile aus dem Opener «Subplots», bezieht sich auf die Sonne. «Was aktuell abgeht in der Welt, kann einen leicht überfordern, immerhin ist ein Typ aus dem Reality-TV unser neuer Präsident. Wenn mich das Gefühl überkommt, dass alles um mich herum den Bach runtergeht, hilft es, sich daran zu erinnern, dass es diese wunderschöne Welt da draußen gibt und dass sie nicht nur für uns gemacht ist», schreibt Umweltaktivist Johnson, der in Schulen über Recycling doziert und dessen neue Doku «The Smog of the Sea» sich mit dem Plastikmüll im Meer befasst.

Sich selbst nicht so wichtig nehmen und sich auf das konzentrieren, was zählt - danach scheint Jack Johnson zu leben. Im Video zu seiner ersten Singleauskopplung «My Mind Is For Sale» schreibt er die Textzeilen auf Bauklötze, stapelt sie auf einer abgeranzten Klaviertastatur und zertrümmert sein Werk dann mit schelmischer Freude. «Love Song #16» widmet er seiner Frau Kim, die «schon immer cooler gewesen ist als ich».

Im meditativen «Sunsets For Somebody Else» sorgt er sich um den Non-Stop-Medienkonsum: «Can this world not afford to sleep anymore?» («Kann es sich die Welt nicht mehr leisten, zu schlafen?»). In «One Moon» sinniert er begleitet von der Slide-Gitarre darüber, wie absurd Neid und Habgier sein können. Das fröhliche «Big Sur» ermutigt zur Alltagsflucht, zum Abhauen mit Freunden.

Jack Johnson macht auf «All The Light Above It Too» erneut mit schlichten und doch vielschichtigen Songs gute Laune und regt dabei trotzdem zum Nachdenken an - Entspannung und Gesellschaftskritik in einem.

Pfalz-Ticker