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Speyer

Auf einen guten Schluck

Von Falk Reimer

Prost: Pils gibt’s im Domhof zwar keins, aber dafür handwerklich gebrautes Bier.

Prost: Pils gibt’s im Domhof zwar keins, aber dafür handwerklich gebrautes Bier. ( Foto: Lenz)

Alles gut: Azubi Lukas Küchler (rechts) und Johannes Kabs prüfen den Zustand des Hausgebrauten.

Alles gut: Azubi Lukas Küchler (rechts) und Johannes Kabs prüfen den Zustand des Hausgebrauten. ( Foto: Lenz)

Am 5. Oktober 1842 hat Josef Groll seinen ersten Sud angesetzt. Damals wurde das Pilsener in der Domhof-Brauerei komplett in Handarbeit hergestellt.

Es ist kein ganz runder Geburtstag, aber dennoch ein Feiertag für alle Biertrinker auf dieser Welt: Das Pils ist gestern 175 Jahre alt geworden. Der aus Bayern stammende Braumeister Josef Groll braute am 5. Oktober 1842 den ersten Sud nach seiner Methode, die später als „Pilsener Brauart“ Weltruhm erlangte. Das Bier wurde am 11. November 1842 erstmals ausgeschenkt. Ein handwerkliches Meisterstück. Die beiden Speyerer Braumeister Johannes Kabs und Franz Müller aus der Domhof-Brauerei erschaffen ihre Biere ebenfalls noch klassisch handwerklich. Und: Wie es sich für Meister gehört, bilden sie aus.

Siegeszug des Pils

Beide kennen sich natürlich mit den Biersorten aus. „Der Verbraucher stellt sich unter einem Pils ein eher herberes Bier vor“, sagt Kabs. Es werde für Pils eine spezielle Malzsorte verwendet, die heute als Pilsner Malz bekannt sei. So richtig zugelegt habe das Pils erst in den 1970er-Jahren, weiß sein Kollege Müller. Vor dem bis heute anhaltenden Siegeszug des Pils hätten Lagerbiere im Trend gelegen.

Das Helle ist eigentlich dunkel

„Wir hätten auch Pils brauen können, aber wir mögen kräftigere, dunklere Biere lieber“, antwortet Kabs auf die Frage, warum er den Anlass nicht nutzt, um ein Domhof-Pils zu brauen. Selbst ihr Helles sei eher dunkel: „Es hat eine kräftige Bernsteinfarbe.“ Dazu gibt’s im Domhof Dunkles, Weizen und eine wechselnde Sorte. Zurzeit ist es das Craft-Bier „Domcraft“. „To craft“ bedeutet sinngemäß „etwas handwerklich herstellen“, passend zur Arbeitsweise der Domhof-Brauerei. „Jedes unserer Biere könnten wir als Craft bezeichnen“, sagt auch Müller.

"Weil ich Bier mag"

Die Handwerker Kabs und Müller betreuen seit Jahrzehnten Auszubildende. Zurzeit sind es zwei, einer davon ist Lukas Küchler. Der 20-Jährige hat sich beworben, „weil ich Bier mag“, wie er sagt. Ein Bürojob sei nichts für ihn, also hat er sich etwas Handwerkliches gesucht. „Es war eigentlich nicht mein Traumberuf, aber jetzt gefällt’s mir sehr gut.“

Brauer und Mälzer-Azubis wie Küchler gibt es einige: Sein Jahrgang in der Schule hat zwei Klassen mit je rund 25 Schülern. „Auch hoch technisierte Brauereien brauchen die Kenntnisse“, sagt Kabs. Der größte Ausbildungsbetrieb in der Gegend sei die Mannheimer Eichbaum-Brauerei.

Bewerber aus der ganzen Welt

Die Ausbildung ist eine klassische duale: Zur Praxis im Betrieb kommt die Berufsschule. Zweimal im Jahr muss der Mannheimer Azubi Küchler sechs bis acht Wochen am Stück nach Ulm. Neben den üblichen Schulfächern wie Mathematik und Deutsch werden dort verstärkt Chemie und Wirtschaftslehre unterrichtet. „Wir haben Bewerber aus der ganzen Welt“, sagt Müller. Darunter: US-Amerikaner, Kanadier, Koreaner, sogar aus Namibia habe sich schon jemand beworben.

Im Betrieb lernen sie laut Müller nicht nur den rein handwerklichen Aspekt, sondern auch wie man die Rohstoffe und Ressourcen optimal einsetzt. „Es ist wichtig, dass die Jungs auch so etwas lernen.“ Dazu gehöre auch der schonende Umgang mit Reinigungsmitteln oder ein möglichst geringer Wasserverbrauch.

„Auf der Meisterschule wird das Ganze dann noch intensiviert“, sagt Kabs. Dort stehe der naturwissenschaftlich-technische Aspekt im Vordergrund. Und natürlich die Laborarbeit, die er als Handwerk einordnet. Mit ihm haben 30 Leute die Meisterschule besucht.

Traditionen werden geachtet

Aber auch abseits von der Brau-Arbeit achten die Domhof-Brauer auf Traditionen. Die Tische sind oft umgebaute alte Gerätschaften, beispielsweise eine ausrangierte Schrotmühle. An einer Treppe hängen die Bilder der besonders guten Azubis früherer Zeiten. Die Kriterien dafür liegen hoch: Der Notenschnitt im Zeugnis muss besser als „gut“ sein, und der Azubi muss in der Prüfung Landessieger geworden sein oder gut beim Bundeswettbewerb abgeschnitten haben. Geschafft haben das immerhin sechs der bisher 25 Ausgebildeten. An der Wand gäbe es noch genug Platz, um die Tradition fortzuführen.

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