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Pirmasens

Pirmasens: Absolventen der Schuhfachschule weltweit gefragt

von Anna Warczok

Oliver Müller hat bereits in vielen Länden gearbeitet. Heute fertigt sein Unternehmen Prototypen für internationale Schuhfirmen.

Oliver Müller hat bereits in vielen Länden gearbeitet. Heute fertigt sein Unternehmen Prototypen für internationale Schuhfirmen. ( Foto: Buchholz)

Seit 2009 befindet sich die Schuhfachschule im Gebäude des International Shoe Competence Centers auf der Husterhöhe.

Seit 2009 befindet sich die Schuhfachschule im Gebäude des International Shoe Competence Centers auf der Husterhöhe. ( Foto: Buchholz)

Katharina Krauch und Dennis Janzen haben ihr zweites Ausbildungsjahr begonnen. Sie wollen später auf der ganzen Welt arbeiten.

Katharina Krauch und Dennis Janzen haben ihr zweites Ausbildungsjahr begonnen. Sie wollen später auf der ganzen Welt arbeiten. ( Foto: Buchholz)

Seit 1927 gibt es die Schuhfachschule in Pirmasens. Hier ein Blick in den Lehrsaal mit Stanzerei im Jahr 1954.

Seit 1927 gibt es die Schuhfachschule in Pirmasens. Hier ein Blick in den Lehrsaal mit Stanzerei im Jahr 1954. ( Foto: STadtarchiv)

Seit 90 Jahren gibt es die Schuhfachschule in Pirmasens. Die Absolventen arbeiten in Unternehmen auf der ganzen Welt. Auch Oliver Müller hat für seinen Job in der Schuhbranche viele Länder bereist, ist mit seinem Unternehmen aber lieber in Pirmasens geblieben. Die Schüler Katharina Krauch und Dennis Janzen träumen noch von einer internationalen Karriere.

Die Pirmasenser Schuhfachschule ist in Oliver Müllers Unternehmen allgegenwärtig. „Unser ältester Designer besuchte die Schule bereits 1963, in meinem Geburtsjahr. Als ich zur Schuhfachschule ging, wurde mein technischer Assistent gerade geboren“, sagt Müller, Geschäftsführer der OM Design & Service GmbH und Schuhfachschulabsolvent Jahrgang 1986.

Schuhkompetenz in dritter Generation

Bereits in dritter Generation befasst sich Familie Müller mit Schuhen. Großvater Johann Müller legte 1928 den Grundstein mit der „Werkstatt Johann Müller für Maßschuhe“ im westfälischen Schwelm. Sein Sohn Hans Müller gründete 1975 das Unternehmen AstorMueller, das 1991 Geschäftsräume in Pirmasens bezog. Oliver Müllers Weg in die Schuhbranche – und in die Schuhfachschule – war somit vorgezeichnet. Seit 1990 ist sein Bruder Tim Müller Geschäftsführer, und dieser verlegte im Jahr 2000 seinen Firmensitz in die Schweiz. Heute konzentriert sich die AstorMueller Group auf Markenlizenzen wie Bugatti Shoes und Daniel Hechter Shoes.

 

An seine zweijährige Ausbildung zum Schuhmodelleur an der Pirmasenser Fachschule denkt er gerne zurück. Doch was aus der Zeit ist besonders in Erinnerung geblieben? Müller muss nicht lange nachdenken. „Die Kameradschaft, die Freundschaft. Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte.“ Noch heute pflege er gute Kontakte zu einigen der damals 28 Absolventen. „Viele arbeiten im Ausland. Hier im Raum sind außer mir noch drei Kollegen von damals geblieben“, sagt Müller. Auch er selbst war nach seiner Ausbildung oft fern der Heimat. Sein erster Job in einer Zweibrücker Schuhfirma führte ihn nach Indien, dann kam er nach Italien. Müller arbeitete auch schon in Spanien, Portugal, Rumänien, Türkei, Pakistan, China, Thailand und Vietnam. In den Betrieb seiner Familie stieg er erst 1992 ein.

Team mit Nachwuchs von der Schuhfachschule

Zehn Jahre später gründete er eine eigene Firma, die OM Design & Service GmbH. Das Unternehmen entwickelt Prototypen für die Kollektionen internationaler Schuhproduzenten wie Bugatti und Daniel Hechter. Zwölf Mitarbeiter seines 30 Mann starken Teams kommen von der Schuhfachschule – allein in diesem Jahr wurden zwei direkt nach ihrem Abschluss im Juli eingestellt. „Ich stelle gerne Absolventen von dort ein, weil ich finde, dass die Schuhfachschule im technischen Bereich die solideste Grundausbildung bietet“, erklärt Müller. „Die Leute von dort kennen den kompletten Ablauf der Schuhentwicklung und der Schuhfertigung.“ Pirmasenser Schuhfachleute seien weltweit gefragt. „Manche haben einen Arbeitsvertrag in der Tasche, bevor sie mit der Ausbildung fertig sind.“

 

In 90 Jahren hat die Schule rund 8000 Absolventen hervorgebracht. „Zahlenmäßig ist das ja eigentlich nix. Aber Absolventen aus Pirmasens begegnen einem überall auf der Welt“, sagt Müller. „Ich glaube, in Deutschland hat jeder Mensch mindestens ein Paar Schuhe, mit denen ein Pirmasenser aus der Schuhindustrie irgendwas zu tun hatte. Wir haben hier vielleicht nicht mehr so viele Schuhproduzenten, aber immer noch ein riesiges Know-how in der Entwicklung, sowie in der Zuliefererindustrie. Und daran hat die Schuhfachschule maßgeblichen Anteil “, so Müller.

Die Azubis

Dass ihr zukünftiger Job ihnen ermöglicht, die Welt zu bereisen, hoffen auch Katharina Krauch und Dennis Janzen. Die beiden haben das erste Ausbildungsjahr an der Schuhfachschule bereits hinter sich.

 

Dennis Janzen, der eigentlich aus Krefeld kommt, sammelte internationale Erfahrungen in der Branche. Zwei Jahre verbrachte der 24-Jährige in China, lernte in einer Schuhfabrik das Handwerk. Geplant hatte er diesen Berufsweg nicht. Ursprünglich hatte er 2010 eine Ausbildung zum Bürokaufmann bei Deichmann begonnen. „Das Technische hat mich aber schon immer gereizt“, erzählt er. „Ich kam in die Qualitätssicherung, dann bot sich mir die Möglichkeit zu einen vierwöchigen Schnupperkurs in Indien. Da wusste ich: Ich will Schuhtechniker werden.“ Sein Chef schickte Janzen nach China. Aus geplanten sechs Monaten wurden zwei Jahre. Nach seiner Rückkehr besuchte Janzen die Schuhfachschule. „Mein Chef hatte mir das angeboten. Der war auch schon Schüler dort“, sagt er und lacht.

 

Für Katharina Krauch war der Weg in die Schuhbranche klar. „Ich wollte schon immer was mit Mode machen“, sagt die Pirmasenserin. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Schuhfertigerin am International Shoe Competence Center (ISC). Und wollte mehr. Das Studium der Schuh- und Ledertechnik an der FH war ihr zu theorielastig. „Ich wollte eher in die praktische, kreative Richtung“, sagt die 24-Jährige.

Von der Zeichnung bis zum fertigen Schuh

Praxiserfahrung sammeln die Schüler in Pirmasens genügend. Immer wieder müssen sie bei Projekten ihre Fertigkeiten unter Beweis stellen. Stiefel, Slipper, Sandale – die Schüler arbeiten von der Zeichnung auf dem Papier bis zum fertigen Produkt an ihrem Schuh. Nicht immer läuft alles wie geschmiert.

 

„Ich wollte mal einen Slipper aus Neopren anfertigen. Das hat nicht funktioniert“, sagt Janzen. Er verwendete schließlich ein anderes Material. Dem Debakel kann er trotzdem etwas Positives abgewinnen: „Das sind Erfahrungswerte für den Job später. Dadurch, dass wir hier alle Schritte der Fertigung kennenlernen, wissen wir später besser, was in der Produktion funktioniert und was nicht.“

 

Und wie soll es nach der Ausbildung für die beiden weitergehen? Dennis Janzen wird zu Deichmann zurückkehren. Sein Chef habe ihm dort schon eine Aufgabe in Aussicht gestellt. Auch Katharina Krauch weiß, was sie will: „Ich möchte einen kreative, abwechslungsreichen Job. Ich will nah am Produkt arbeiten.“

 

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