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Mannheim und Region

Neue Anlaufstelle für Studienabbrecher

Von Jan Millenet

 

Wenn das Putzen der Wohnung regelmäßig mehr Spaß macht als das ausgesuchte Studienfach, könnte das ein Hinweis darauf sein, die falsche Wahl getroffen zu haben. Der Großteil der Studenten an der Mannheimer Universität schafft jedoch einen Abschluss. ( ArchivFoto: Kunz)

Dass ein Studium mit mehr Arbeit verbunden ist, als man sich das vorgestellt hat, kann eine bittere Erkenntnis sein. Anstatt sich ewig durch Volkswirtschaftsformeln zu quälen, ist ein Studienabbruch nicht selten die bessere Alternative. Im vergangenen Jahr haben an der Mannheimer Universität 26 Prozent der Bachelor-Studenten das Handtuch geworfen.

Mannheim. Ein Studienabbruch sei kein Beinbruch, sagt Astrid Brandenburger. Dennoch sind es oftmals viele Fragen, die den betroffenen Studenten in diesem Fall quälen: Soll ich das Studienfach wechseln? Soll ich die Hochschule wechseln oder sie ohne Abschluss einfach verlassen? Bietet sich ein Quereinstieg ins Berufsleben an, vielleicht doch eher eine Lehre? Wenn ja, was muss ich beachten? Es kann sich ein Dschungel auftun, aus dem eine neue Initiative in Mannheim heraushelfen möchte. Astrid Brandenburger ist deren Sprecherin, und heute findet die erste Informationsveranstaltung von „Spurwechsel“ in der Mannheimer Uni-Mensa statt.

Doch was ist neu an „Spurwechsel Mannheim“? Studienabbrecher gibt es schließlich schon immer. Auch heute sind sie keine Seltenheit. Allein an der Universität Mannheim lag die Abbruchquote bei den Bachelor-Studenten im vergangenen Jahr bei 26 Prozent, so Brandenburger. Beim Master-Studiengang waren es rund neun Prozent. Bundesweit kreist die Quote um die 28 Prozent. Neu ist, dass es mit „Spurwechsel“ nun eine zentrale Anlaufstelle für die Abbrecher gibt oder für diejenigen, die sich um die Finanzierung ihres Studiums Sorgen machen. „Wir wollen die Fragenden direkt an die Stationen vermitteln, an denen ihnen geholfen werden kann“, erklärt Brandenburger.

Bereits in der Startphase der Initiative hat sich ein großes Aktionsbündnis gebildet. Mit im Boot sind neben der Uni Mannheim mit ihren Studienbüros und dem Asta auch die Hochschule Mannheim, die Duale Hochschule, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, die Agentur für Arbeit, die Initiative „Arbeiterkind“ und das Studentenwerk Mannheim. „Und wir sind zuversichtlich, dass sich noch weitere anschließen“, so Brandenburger, die sich gut vorstellen könne, beispielsweise auch mit der Uni Heidelberg oder der Hochschule Ludwigshafen weitere Bündnispartner zu bekommen. „Vorstellbar wäre eine Ausweitung auf die ganze Region Rhein-Neckar.“

Das Studium wird laut Brandenburger aus den unterschiedlichsten Gründen abgebrochen. „Aus persönlichen oder familiären Gründen zum Beispiel. Und manchmal stellt man einfach fest, dass es nicht das Richtige ist“, sagt Brandenburger. Allerdings spiele in der heutigen Zeit auch Überforderung eine wichtige Rolle. Aufschieben wird offenbar zum Trend. Plötzlich werde es wichtiger, das Zimmer aufzuräumen, als die Seminararbeit zu erledigen. Die Studenten geraten unter Druck, leiden unter Prüfungsangst. Denn das heute übliche Bachelor-Studium hat nicht mehr viel mit einem Magister- oder Diplom-Studium zu tun, das einst mehr Freiheiten bot. Wer ein Bachelor-Studium macht, studiert nach einem Punktesystem. Eine gewisse Punktezahl muss in einer bestimmten Zeit erreicht werden, sonst wird es problematisch.

Hinzu komme, dass die Studenten deutlich jünger sind als früher. G8, kein Wehr- oder Zivildienst mehr – so sind 17-jährige Studenten an der Uni zwar keine Seltenheit mehr, aber unter Umständen noch nicht unbedingt reif für ein Studium. Und noch immer entscheiden sich wenige Abiturienten dafür, erst einmal eine Ausbildung oder ein freiwilliges soziales Jahr zu machen, um Orientierung für die weitere Bildungskarriere zu bekommen.

Denjenigen, die kurz vor einem „Spurwechsel“ stehen, möchte die Mannheimer Initiative ein niederschwelliges Angebot sein, sich unkompliziert neu orientieren zu können. Sie will zeigen: „Auch abbrechen gehört zum Hochschulleben dazu“, wie Brandenburger es formuliert, ohne dazu motivieren zu wollen. Ein Abbruch kann aber die Chance für etwas Neues sein. Etwas, das sich richtig anfühlt.

 

 

 

 

 

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