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RHEINPFALZ am Sonntag

Andreas Frädrich rettet ausrangierte Pflanzen

Von Isabel Gemperlein

Das Start-up-Unternehmen „Pflanzenrettung“ in Berlin-Tegel gibt es seit einem Jahr. In der Schlossgärtnerei TXL können Pflanzen jeder Art abgegeben werden – in der wohl einzigen Pflanzenklappe Deutschlands. Frädrich, Inhaber der Gärtnerei, holt sie aber auch kostenlos ab. Für sein Modellprojekt hat der 46-Jährige im Juni einen Preis für Abfallvermeidung gewonnen. ( Foto: Schlossgärtnerei)

Zu groß, krüppelig oder aus der Mode: Wenn das Zimmergrün nicht mehr gefällt oder der Platz zum Überwintern fehlt, landet es oft in der Tonne. Der Berliner Andreas Frädrich gibt ausrangierten Gewächsen eine zweite Chance. Ein Interview von Isabel Gemperlein.

 

Herr Frädrich, wie sieht der Arbeitstag eines Pflanzenretters aus?

Derzeit steht bei uns die Leitung nicht mehr still. Hier in Berlin haben viele Leute mediterrane Kübelpflanzen draußen stehen und die müssen jetzt verstaut werden. Viele sind aber zu groß für den eigenen Keller. Wir haben jetzt absolute Hochsaison. Ich hätt’ mir nie träumen lassen, dass wir so eine Nachfrage entfesseln.

Da steckt sicher viel Logistik dahinter. Wie managen Sie das alles?

Keine Frage, ohne richtige Logistik wäre das nicht möglich. Wir haben einen Abholservice, der Sammeltouren je nach Bezirk oder in der Umgebung macht. Ich fahre die auch selber. Wir sind nur noch mit einem 7,5-Tonner unterwegs mit Hebebühne, Sackkarre und allem Pipapo. Manche Pflanzen sind so groß, dass man da schon Manpower braucht oder auch Maschinen.

Und wie viele Pflanzen haben Sie schon gesammelt?

Wenn ich das wüsste. (lacht) Das ist schon eine geballte grüne Kraft. Ich glaube, es sind schon Tausende. Das ist verrückt. In den Gebäuden der Gärtnerei mussten wir schon Einiges neu strukturieren.

Was sind das für Pflanzen?

Hauptsächlich Palmen, Yuccas, Fici benjamini, Kakteen, auch riesengroße Agaven und Gummibäume. Wir haben viele Pflanzen, die in den 1970er-Jahren Mode waren und heute nicht mehr so trendig sind.

Wie kommt man auf eine solche Idee? Sie sind gelernter Landschaftsgärtner und haben beratend in der Abfallwirtschaft gearbeitet.

Dafür hab’ ich schon immer ein Faible gehabt. Dabei ist mir aufgefallen, dass es für alles eine Regelung gibt, nur nicht, wie man große Topfpflanzen entsorgt. Einen Gummibaum, den man 30 Jahre hat, kleinzuhauen, das ist ja schon grobschlächtig. Und ich fand es schade, wenn Leute ihre Pflanzen aus purer Not einfach im Wald wegschmeißen. So ist vor einem Jahr diese verrückte Idee entstanden.

Sie behandeln Pflanzen als das, was sie sind: Lebewesen. Ist den Menschen in Zeiten von Discounter-Pflanze und Wegwerfgesellschaft dieses Bewusstsein abhanden gekommen?

Jein. Auf der einen Seite krieg’ ich sehr viel Lob für das Projekt. Da gibt es viele, die eine ganz innige Beziehung zu Pflanzen haben und sie als zu schade einstufen, um auf dem Müll zu landen. Auf der anderen Seite merke ich auch bei Anrufern, wenn sie überhaupt nix mit Pflanzen anfangen können und nur den Auftrag bekommen haben, die Dinger loszuwerden. Mein Gefühl ist aber, dass das Interesse an Pflanzen unglaublich zunimmt.

Wer ruft bei Ihnen an?

Die Leute kommen aus allen Gesellschaftsschichten. Wir holen in den nobelsten Villenvierteln ab, aber auch Kakteen aus dem zwölften Stock. Auffallend ist, dass es vor allem ältere Leute sind, die mit ihren Pflanzen irgendwann nicht mehr klarkommen.

Allein von geretteten Pflanzen lassen sich aber keine Brötchen verdienen.

Die Pflanzen werden manchmal wiederverkauft, dafür haben wir ein Pflanzen-Outlet übers Internet. Das funktioniert aber nur bedingt, weil das Liebhaber-Stücke sind. Eine richtige Marktlücke ist unser Pflanzenverleih. Dabei statten wir zum Beispiel Messen, Beach Bars, Clubs und Restaurants aus, die sich ein ganz spezielles Flair wünschen, etwa eine Dschungelatmosphäre. Unsere Pflanzen mit Charakter, die oft verwachsen sind und sehr urig aussehen, passen da besser hin als die 08/15-Sachen aus der normalen Gärtnerei. Darüber hinaus haben wir eine Pflanzenüberwinterung, in der man Pflanzen gegen Entgelt in Pflege geben kann.

Weihnachten naht und damit die Frage nach dem Weihnachtsbaum. Fast 30 Millionen landen nach dem Fest auf dem Kompost oder werden verbrannt. Kann ich mich an einem Baum erfreuen und nachhaltig sein? Etwa, wenn ich einen Baum im Topf kaufe?

Das ist eine traurige Auskunft, weil die Leute ja in gutem Glauben einen Weihnachtsbaum im Kübel kaufen. Das Problem ist aber, dass die nicht aus einer Baumschule kommen, sondern aus einer Schonung rausgestochen wurden. Später wachsen sie meist nicht mehr an, höchstens die kleinen. Das ist leider Blendwerk.

Wo Sie gerade auf der Erfolgswelle schwimmen: Denken Sie da ans Expandieren?

Ich würde gerne etwas außerhalb von Berlin machen, irgendwo in Deutschland oder auch im Ausland.

+++ Ludwigshafen-Ticker +++

28.04.2017

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