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Südwest

Waldfischbach-Burgalben: Protestantischer Pfarrer heiratet Partner

von Andreas Ganter

David Gippner stammt aus Bayern, fühlt sich in der Pfalz aber mittlerweile sehr wohl.

David Gippner stammt aus Bayern, fühlt sich in der Pfalz aber mittlerweile sehr wohl. ( Foto: Seebald)

Der Beschluss des Bundestags, die sogenannte Ehe für alle zu ermöglichen, sorgte im Juni für heftige Diskussionen. Gerade in kirchlichen Kreisen stößt das Vorhaben teils auf heftige Ablehnung. Einer, der sich demnächst traut und einen Mann heiratet, ist David Gippner. Er ist protestantischer Pfarrer in Waldfischbach-Burgalben.

Gippner hat es getan. Am Rande des Kirchentags hat er seinem langjährigen Partner einen Heiratsantrag gemacht. Er sei aufgeregt gewesen, aber letztlich sei das Ganze dann doch „unspektakulär“ abgelaufen. Weitere Details verrät er nicht. Den Mann, mit dem der 34-Jährige im kommenden Jahr den Bund fürs Leben schließen will, kennt er schon lange. Sie haben sich beim Studium in Jena kennengelernt und dort schon zusammen gewohnt. Seit 2006 sind sie ein Paar. 2013 verschlug es den Theologen in die Pfalz. Sein Freund, der als Steuerfachangestellter arbeitet, blieb in Ostdeutschland. Sie führen seitdem eine Fernbeziehung, sehen sich nur selten.

Gippner ging mit seinen Plan, einen Mann zu heiraten, offen um

Das soll sich ändern. Nach der Hochzeit will das Paar nämlich gemeinsam im Pfarrhaus neben der protestantischen Kirche in Waldfischbach-Burgalben leben. Sie hoffen, dass Gippners Partner einen Arbeitsplatz in der Pfalz finden wird.

Noch stehen nicht alle Details der Trauung fest, aber immerhin schon der Ort: die Kirche im Heimatdorf des Partners in Sachsen-Anhalt. Gut möglich, dass bei der Feier auch einige Südwestpfälzer dabei sein werden. Gippner hat aus seinem Plan, einen Mann zu heiraten, kein Geheimnis gemacht. Ganz im Gegenteil. Im Presbyterium erzählte er es den engagierten Gemeindemitgliedern. Die Nachricht verbreitete sich im 4700-Einwohner-Ort rasend schnell. „Ich habe bislang nur positive Resonanz bekommen“, erzählt Gippner. Das sei so weit gegangen, dass einige Gemeindemitglieder überlegten, mit dem Bus zur Trauung zu fahren.

Der Mann an der Seite ihres Pfarrers ist für viele Gemeindemitglieder kein Unbekannter. Auch wenn er 460 Kilometer entfernt lebt, war er schon öfter in der Südwestpfalz. Einmal begleitete er die Seniorenfahrt und auch die Orgel hat er schon in der Kirche in Waldfischbach-Burgalben gespielt.

Landeskirche ist informiert

Gippner, der als Schüler drei Jahre auf einem katholischen Internat in Bayern verbrachte, hat seine Vorgesetzten bei der Landeskirche über seine Pläne informiert. Er weiß, dass es Vorbehalte gegen gleichgeschlechtliche Ehen auch in der protestantischen Kirche gibt. Aber er sagt: „Mit dem Glauben und dem, was ich als Pfarrer vermitteln will, hat mein Entschluss nichts zu tun. Ich bin sicher, dass dieser Schritt nicht zu meiner Verdammung führt.“

Homosexualität sei etwas vollkommen Natürliches, das es schon immer gegeben habe. Gippner ist davon überzeugt, dass sie nicht der Schöpfungsordnung widerspricht. Der Vorbildfunktion eines Pfarrers ist er sich durchaus bewusst. Er finde es jedoch besser, eine stabile Partnerschaft mit einem Mann vorzuleben, als beispielsweise eine „wilde Ehe“ mit einer Frau zu führen.

Gippner selbst hat bislang noch keine gleichgeschlechtliche Trauung als Pfarrer begleitet. Allerdings habe sich jetzt ein homosexuelles Paar bei ihm gemeldet und vorgefühlt, ob er sie segnen würde. Der Geistliche vermutet, dass dies mit der Tatsache zusammenhängt, dass er mit seinen Plänen offensiv umgegangen ist und sich das in den entsprechenden Kreisen rumgesprochen hat.

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