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Südwest

Rheinland-Pfalz: Mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung

Mehr Fälle der Kindeswohlgefährdung in Rheinland-Pfalz registriert – Auch bei Ämtern in Ludwigshafen und Kaiserslautern

Von Anne Lenhardt

«Ludwigshafen». Das Wohl von 2690 Kindern haben die Jugendämter in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr als gefährdet eingestuft – rund elf Prozent mehr als noch 2015. Auch in den beiden größten Pfälzer Städten sind die Zahlen gestiegen. Der Trend sei allerdings – so die Ämter – abzusehen gewesen.

Im Auto einer Frau findet die Kaiserslauterer Polizei 194 Gramm Marihuana. In der Wohnung des Mannes, bei dem die Frau und ihre zwölfjährige Tochter wohnen, liegen – offen zugänglich – weitere Rauschmittel. Im Wohnzimmer außerdem: eine geladene Schreckschusspistole und zwei Luftgewehre. Und nebenan, im Kinderzimmer, sieben Softairwaffen. Es folgt eine Meldung beim Jugendamt. Mitarbeiter besuchen die Familie, bewerten die Situation.

Am Ende handelt es sich um einen von 62 Fällen, in denen das Jugendamt Kaiserslautern im vergangenen Jahr das Kindeswohl als gefährdet eingestuft hat. Das sind rund 26 Prozent aller Verdachtsmeldungen, die beim Jugendamt einliefen. Die Bandbreite der Gefahren – so das Amt – ist groß: sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt, Vernachlässigung. Gleichzeitig wurden im Kaiserslauterer Jugendamt 171 Kinder (72 Prozent der Verdachtsmeldungen) als „nicht gefährdet“ eingestuft. Bei zwei Prozent nahm es aus formalen Gründen keine Einschätzung vor.

Grundsätzlich unterscheiden Jugendämter nach der Prüfung zwischen zwei Klassifizierungen: gefährdetem und nicht gefährdetem Kindeswohl. Ersteres lässt sich in eine „akute“ und „latente“ Gefährdung unterteilen. Als „akut gefährdet“ gelten Minderjährige, deren Wohlergehen eindeutig in Gefahr ist – beispielsweise durch Vernachlässigung, wie im Fall der Zwölfjährigen. „Latent gefährdet“ sind dagegen die Kinder, bei denen die Frage nicht eindeutig beantwortet werden kann.

Im Fall des zwölfjährigen Mädchens hat das Jugendamt gehandelt. Das Kind ist zum Vater gezogen. Denn: Das Mädchen habe regelmäßig Kontakt zu ihm gehabt. Dieser wiederum habe auch Verantwortung für sie gezeigt. Weil die Mutter des Kindes einsichtig und auch das Mädchen selbst einverstanden war, zog die Zwölfjährige um. „Er zeigt sich bis jetzt uns gegenüber offen, verantwortungsbewusst und kooperativ“, teilte das Jugendamt auf Nachfrage zur aktuellen Situation mit. Bei einem Hausbesuch habe man sich von der verbesserten Situation überzeugen können.

Im Vergleich zu Kaiserslautern hat das Jugendamt Ludwigshafen für den Vergleichzeitraum 2016 einen etwas niedrigeren Wert in puncto Kindeswohlgefährdung festgestellt. In der Stadt am Rhein wurde bei 53 von 251 Verdachtsfällen im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte tatsächlich eine akute oder latente Gefährdung des Kindeswohls erkannt.

Auffällig ist: Sowohl in Kaiserslautern als auch in Ludwigshafen liegen die Zahlen beim gefährdeten Kindeswohl unter dem landesweiten Durchschnitt – 38 Prozent der über 7100 Verdachtsmeldungen stuften die Jugendämter als kritisch ein. Nach oben gegangen sind die Zahlen aber auch in Ludwigshafen und Kaiserslautern in den vergangenen Jahren. „So der so ähnlich waren sie deshalb zu erwarten“, heißt es von der Stadtverwaltung Kaiserslautern. Und auch Ludwigshafen berichtet: „Bei uns sind es jährlich rund zwei bis drei Fälle mehr.“ Rheinland-Pfalz-weit geht das schon seit 2012 so, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Heißt: mehr Verdachtsmeldungen, mehr erkannte Fälle der Kindeswohlgefährdung.

Der Grund: Die Anzahl der Kinder steigt seit Jahren ebenfalls – damit auch die Anzahl der Meldungen und Fälle von Kindeswohlgefährdung (in absoluten Zahlen). Prozentual gesehen ist der Anteil der gefährdeten Kinder laut den Jugendämtern in Ludwigshafen und Kaiserslautern aber konstant geblieben. Heißt: Weil mehr Kinder in der Stadt leben, gibt es mehr Verdachtsmeldungen und Fälle von Kindeswohlgefährdung.

Polizei, Gericht oder Staatsanwaltschaft ließen landesweit 1693 Verfahren einleiten. Verdachtsmeldungen von Bekannten oder Nachbarn führten zu 934 Verfahren; dies sind 55 Hinweise weniger als im Vorjahr. 641 anonyme Meldungen führten ebenfalls zu einem Verfahren. Einwurf

 

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