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Politik

Blumen, Kerzen und Kusshand: Abschied von Helmut Kohl

Mitglieder der Jungen Union nehmen am Samstag Abschied von Helmut Kohl vor dem Haus des Altbundeskanzlers. (Foto: dpa)

Kurt Hauk aus Schifferstadt ist am Samstag in die Vorhalle des Speyerer Doms gekommen, um Blumen an der Würdigungsplatte für Helmut Kohl abzulegen.

Kurt Hauk aus Schifferstadt ist am Samstag in die Vorhalle des Speyerer Doms gekommen, um Blumen an der Würdigungsplatte für Helmut Kohl abzulegen. (Foto: Landry)

Ein Mann legt mit seinem Sohn Blumen vor dem Bungalow der Familie Kohl ab. (Foto: dpa)

Journalisten warten vor dem Haus der Familie Kohl in Oggersheim.

Journalisten warten vor dem Haus der Familie Kohl in Oggersheim. (Foto: Kunz)

Blumen vor dem Anwesen der Familie Kohl in Ludwigshafen-Oggersheim. (Foto: dpa)

Eckhard Seeber (Mitte), langjähriger Fahrer des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU), verlässt nach einen Kondolenzbesuch am Samstag in Oggersheim das Haus von Kohl, während im Hintergrund Kohls Witwe Maike Kohl-Richter und der Kohl-Vertraute und frühere Bild-Chefredakteur Kai Diekmann (rechts) stehen.

Eckhard Seeber (Mitte), langjähriger Fahrer des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU), verlässt nach einen Kondolenzbesuch am Samstag in Oggersheim das Haus von Kohl, während im Hintergrund Kohls Witwe Maike Kohl-Richter und der Kohl-Vertraute und frühere Bild-Chefredakteur Kai Diekmann (rechts) stehen. (Foto: dpa)

Gastwirt Bruno Bellini im Restaurant Da Bruno in Mainz hält ein Foto, auf dem er gemeinsam mit  Helmut Kohl abgebildet ist. Bruno Bellini (79) trauert um seinen prominentesten Stammgast: «Hunderte Male» sei Helmut Kohl bei ihm zu Gast gewesen, erzählt der Wirt am Tag nach dem Tod des Altkanzlers.

Gastwirt Bruno Bellini im Restaurant Da Bruno in Mainz hält ein Foto, auf dem er gemeinsam mit Helmut Kohl abgebildet ist. Bruno Bellini (79) trauert um seinen prominentesten Stammgast: «Hunderte Male» sei Helmut Kohl bei ihm zu Gast gewesen, erzählt der Wirt am Tag nach dem Tod des Altkanzlers. (Foto: dpa)

Helmut Kohl Sohn Walter kommt am Freitag aus dem Anwesen der Familie. (Foto: dpa)

Die CDU hat in Berlin ein Kondolenzbuch für den verstorbenen Helmut Kohl ausgelegt.

Die CDU hat in Berlin ein Kondolenzbuch für den verstorbenen Helmut Kohl ausgelegt. (Foto: dpa)

Nach dem Tod von Helmut Kohl nehmen die Menschen Abschied vom langjährigen Bundeskanzler und Wegbereiter der Wiedervereinigung.

(Aktualisiert Montag, 18:05 Uhr) Mit Kondolenzbüchern, Trauerbeflaggung und Gedenkwachen in seiner Heimat Pfalz wird an Kohl erinnert. Der CDU-Politiker war am Freitagmorgen im Alter von 87 Jahren in seiner Heimatstadt Ludwigshafen gestorben. Sein Tod hatte in Deutschland und international Trauer ausgelöst.

 

Staatsakt definitiv in Straßburg

Die EU-Kommission hat bestätigt, dass Altkanzler Helmut Kohl als erster verstorbener Politiker mit einem europäischen Staatsakt in Straßburg geehrt werden soll. „Den europäischen Staatsakt wird es geben“, sagte die Vize-Chefsprecherin der Behörde, Mina Andreeva.

Trauer in Speyer und Ludwigshafen

In Speyer legten Menschen in der Vorhalle des Doms Blumen ab. Dort existiert für Helmut Kohl eine Würdigungsplatte, die sein Wirken für den Dom und die christlichen Kirchen hervorhebt. An seinem Wohnort in Ludwigshafen-Oggersheim wird ebenfalls getrauert. Bis zum Samstagmittag wächst die Zahl der Sträuße langsam, die trauernde Bürger vor dem zweistöckigen Bungalow in Oggersheim ablegen, zudem brennen einige rote Grablichter am Eingang, der von zwei Polizisten flankiert wird. Nicht nur die vielen Journalisten, die vor dem Haus warten, haben mehr erwartet. «Ich habe mir vorgestellt, dass der halbe Gehweg voller Blumensträuße liegt», sagt eine 78-jährige Frau, die selber ein Gebinde abgelegt hat. «Wir müssten doch stolz sein, so einen Mann zu haben.»

Muslimisches Gebet

Beim Warten vor Kohls Haus finden sich auch Menschen ein, die ihrer Trauer auf unerwartete Weise Ausdruck verleihen. Ein Mann, der sich als Dembo Krubally aus Landau vorstellt, hält laut vor dem Hauseingang ein muslimisches Gebet ab. Er habe miterlebt, wie Kohl es geschafft habe, Deutschland zu einen, sagt der Mann, der nach eigenen Angaben aus Gambia stammt und seit 30 Jahren in Deutschland lebt. «So ein Mensch fehlt uns.» Später findet sich auch Eckhard Seeber ein, Kohls langjähriger Fahrer. Er verlässt das Haus nach einigen Minuten wortlos.

Kusshand einer Radfahrerin

Der 86-jährige Günter Schöffler kommt auf seinem Elektrowägelchen vorbei, legt ein Gebinde ab und verneigt sich kurz vor dem Kohlschen Anwesen. Er hatte nach eigenen Angaben in der Nähe eine Bäckerei und Konditorei und hat die Kohls bei Staatsbesuchen oft beliefert. Als einmal ein Franzose gekommen sei, habe man eigens Eclairs gemacht. Und beim Clinton-Besuch habe es Törtchen mit der US-Flagge obenauf geben, erinnert sich der 86-Jährige, der nach eigenen Angaben mit Kohl einen guten Freund verloren hat. Andere wiederum kommen einfach vorbei. «So historische Momente muss man mitnehmen», sagt eine 35-Jährige, die mit Mann und zwei Kindern gekommen ist. Eine Radfahrerin wirft dem Haus im Vorbeifahren eine Kusshand zu. «Tschüß Helmut», sagt sie leise.

Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer plant Symposium

Trauer auch bei der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer, deren Kuratorium Kohl vorsaß. Sie setzt sich unter anderem für die Erforschung des Domes und seinen Erhalt ein. Kohls Tod sei ein enormer Verlust, sagt der Stiftungsvorsitzende Prof. Peter Frankenberg. «Er war einer der ganz wesentlichen Mitbegründer der Stiftung.» Und ohne Kohls Arbeitseinsatz und Renommee hätte die Stiftung nie das Ansehen bekommen, das sie heute habe. Die Stiftung will Kohl mit einem Symposium würdigen, bei dem es auch um die christliche Dimension Europas gehen soll.

Besonderes Verhältnis zum Dom in Speyer

Ob die Trauerfeier für Kohl wie 2001 für seine Frau Hannelore im Speyerer Dom abgehalten wird, ist noch völlig unklar. Gewiss ist nur, dass der Dom für Kohl zeitlebens große Bedeutung hatte. Hier fand er als Schüler Schutz vor Bombenangriffen, hierhin brachte Kohl viele Staatsgäste. Er war nicht nur von der Architektur des salischen Kaiserdomes beeindruckt, in dem mehrere mittelalterliche Kaisergeschlechter begraben sind. Die gewaltige Kathedrale stehe für knapp 1000 Jahre deutscher und europäischer Vergangenheit und müsse im Interesse nachfolgender Generationen erhalten werden, hatte Kohl am 2. Juli 1999 in der Dom-Krypta gesagt.

Kondolenzbuch der CDU in Berlin

Die CDU legte in ihrer Zentrale in Berlin ein Kondolenzbuch für Kohl aus und richtete ein Online-Kondolenzbuch ein. In Kohls Heimat Rheinland-Pfalz wurden am Samstag vor den obersten Landesbehörden die Flaggen auf halbmast gesetzt. Ab Sonntag soll in der dortigen Staatskanzlei ein Kondolenzbuch für den Altkanzler ausliegen, ab Montag ebenso bei der CDU Rheinland-Pfalz. Auch mehrere Nachrichtenportale richteten online Kondolenzbücher ein.

Gedenkwache der Jungen Union in Oggersheim

Im Gedenken an Helmut Kohl haben sich am Samstagabend etwa 150 bis 200 Mitglieder der Jungen Union vor dem Wohnhaus des Altkanzlers in Ludwigshafen versammelt. Die aus ganz Deutschland angereisten Vertreter der CDU-Nachwuchsorganisation legten Blumen, Kränze und Kerzen vor dem Bungalow im Stadtteil Oggersheim nieder. «Wir wollen unsere Trauer zeigen und Abschied nehmen», sagte der Bundesgeschäftsführer der Jungen Union, Conrad Clemens (34). Sie seien von der Todesnachricht sehr betroffen gewesen und hätten beschlossen, sich vor dem Wohnhaus Kohls zu treffen. Die JU-Mitglieder zeigten auch Transparente. Auf ihnen stand «Danke für die deutsche Einheit», «Danke für Europa» und «Danke für Frieden und Freiheit. Ruhe in Frieden». Einige trugen Deutschland-Fahnen und Europa-Flaggen. Die meist andächtige Stille unter den Trauergästen wurde unterbrochen, als sie die deutsche Nationalhymne sangen.

OB Lohse und Speyerer Bischof kondolieren

Kurz nach der Trauerbekundung der Jungen Union kam Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU), legte ebenfalls Blumen nieder und betrat anschließend das Wohnhaus. Auch der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann und der frühere «Bild»-Chefredakteur Kai Diekmann, ein langjähriger Vertrauter von Helmut Kohl, waren zuvor zu weiteren Kondolenzbesuchen gekommen.

DFB will am Montag Trauerflor tragen

Der Deutsche Fußball-Bund beantragte nach Kohls Tod beim Weltverband, im ersten Spiel beim Confederations Cup am Montag in Russland mit Trauerflor auflaufen zu dürfen.

Noch keine Entscheidung über Staatsakt

Unklar war zunächst, wann und wo es einen Staatsakt für Kohl geben wird. Entscheidungen dazu seien noch nicht gefallen, hieß es am Samstag aus der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz und aus dem Bundespräsidialamt.

Juncker will europäische Würdigung

Altkanzler Helmut Kohl soll nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als erster Politiker überhaupt mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. Schon zu Lebzeiten sei Helmut Kohl mit der Ehrenbürgerschaft Europas ausgezeichnet worden, um seine außerordentlichen Verdienste zu würdigen. Deshalb gebühre Kohl nun auch ein europäischer Staatsakt, für den er sich persönlich einsetzen werde, sagte Juncker der «Bild am Sonntag». Der Staatsakt ist nach Angaben des Blattes in Straßburg vorgesehen. |dpa,tol



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