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Dienstag, 19. September 2017

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Ortlieber

 

Wegen ihrer dunkelgrünen, stark wolligen Triebspitzen und mittelgroßen robust dreilappigen Blätter, welche an der Unterseite stark behaart waren, wurde der Rebenzüchter Johann Michael Ortlieb um das Jahr 1750 auf diese Wildrebe aufmerksam. Er fand sie in Reichenweiher im Wald (bei Türkheim) im Oberelsass, nannte sie Knipperle und war sofort von ihr begeistert. Er veröffentlichte nach einigen Jahren der Forschung, im Jahre 1789, ein Buch über die Verbesserung des Weinbaus und den Anbau der weißen Rebsorte Knipperle.

Kräftiger Wuchs, geringe Verrieslungsgefahr und Fruchtbarkeit der Beiaugen nach Frostschäden waren die großen Eigenschaften, die den „gelben Ortlieber“, der auch in der Pfalz, Württemberg, Baden und der Schweiz zu finden war, so bekannt machten.

In dem Buch „Der rheinische Weinbau in Theorie und praktischer Beziehung“ beschreibt Johann Metzger den Ortlieber wie folgt: „Der gelbe Ortlieber ist sehr dauerhaft in der Blüte, selbst raue Luft und kalte Regen während der Blütezeit schaden ihm nicht; ist sehr fruchtbar; bringt viele kleine süße Trauben, welche einen angenehmen süßen weißen Wein geben.“

Der auch nach dem Fundort benannte „Türkheimer“ war sehr anfällig für Fäulnis, weshalb er seit der großen Reblaus-Katastrophe im 19. Jahrhundert kaum noch zu finden ist. Restbestände finden sich noch im Colmar und im Schweizer Kanton Wallis. Im Elsass ist der Ortlieber noch heute eine zugelassene Rebsorte, aber es werden leider keine neuen Reben mehr angelegt.

Der Ortlieber, gelbe Ortlieber, kleiner Räuschling, Türkheimer, Franzose (an der Nahe), kleiner Metsüßer oder einfach nur Knipperle ist eine Rebsorte, die man trotzdem nicht vergessen sollte! Denn Johann Michael Ortlieber hat sein halbes Leben dieser Rebe gewidmet…

 

Karen Storck

 

Pfälzische Weinkönigin