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Montag, 25. September 2017

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Wein

 

„Bauer und Künstler, Arbeitstier und Phantast, Hedonist und Masochist, Alchemist und Buchhalter – alles das ist der Winzer nun schon seit der Sintflut.“ Mit diesen Worten leitet der Weinkritiker Hugh Johnson sein Buch „Weingeschichte“ ein. Und wirklich: Tausende von Werken und Lexika beschäftigen sich mit dem Versuch ihn erklären zu wollen. Philosophen und Gelehrten hat er schon so manche glückliche und inspirierende Stunde beschert. In seiner Komplexität ist er weder fassbar noch zu definieren. Goethe wusste nicht umhin und war gleich neben der Liebe zu den Frauen von ihm hingerissen wie von nichts anderem: Dem Wein.

Dabei beginnt dieses wunderbare Elixier an einem verholzten Rebstock mit einem kleinen grünen Trieb. Die Blätter wachsen, eine Laubwand, über deren Wachstumsschnelligkeit sich schon so mancher Winzer gewundert hat, entsteht. Ein Wunderwerk der Natur. Man kann den Beeren übers Jahr förmlich zusehen, wie sie gedeihen und anschwellen, aromatischer und süßer werden, bis sie ihr Optimum erreichen. Geerntet kommen sie dann in den Keller, an dessen Ort ein weiteres Meisterwerk geschieht: Sie vergären und werden Wein.

Einer persischen Sage zufolge entstand Wein zum ersten Mal am Hofe des legendären Königs Dschemschid. Eine Haremsdame suchte dort die Erlösung ihrer schweren Migräne. Sie wollte sich mit den zur Seite gestellten angeblich giftigen Trauben, denn diese hatten zu schäumen begonnen und verströmten bereits einen unangenehmen Duft, das Leben nehmen. Doch anstelle des Todes, wurde sie von ihren Schmerzen befreit, erlebte euphorisierende Stunden!

Der Wein ist unberechenbar und variabel. Keiner gleicht dem anderen, jeder Jahrgang hat seinen eigenen Charakter, jeder Winzer lässt seine persönliche Note mit einfließen. Ein einzigartiges Kulturgut, mit nichts zu vergleichen. Und weil das so ist, fragte sich schon mancher Mensch: „Was macht ihn so besonders?“ Wein war lange Zeit schönster Luxus. Er diente als Medizin und Heilmittel. Wasser wurde durch ihn haltbar gemacht, Trost und Ermutigung konnte man bei ihm finden. Denn die ersten Weintrinker liebten den vergorenen Trank bestimmt nicht, weil sein Bukett von erlesenen Früchten und Blütendüften sie faszinierte. Vielmehr war es der Rausch, an dem sie sofort gefallen fanden, auch wenn sie ihn anfangs nicht zu dosieren wussten. Wo und wann der Wein zum ersten Mal entstanden ist, kann niemand mit Exaktheit sagen. Wenn es ihn nicht schon immer gibt, dann bestimmt schon seit über zwei Millionen Jahren. Doch eines ist sicher: Seit seiner Geburtsstunde ist er fest mit der Menschheit verbunden.

Man könnte die wagemutige Behauptung stellen, ohne ihn gäbe es uns vielleicht gar nicht, zumindest in dieser Form. Wein besitzt ein eigenes Leben. Er zieht uns in seinen Bann und niemand kann sich das so recht erklären. Doch jeder weiß beim nächsten Schluck: Hier soll auch nichts erklärt werden…

 

Susanne Winterling

 

Pfälzische Weinkönigin