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Montag, 25. September 2017

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Weinbergsbann

 

Im Weinbau wird die Reife gemeinsprachlich als das Stadium im Vegetationszyklus der Rebe bezeichnet, in dem ihre Früchte genuss- und verwendungsfähig sind.

Der Reifeprozess der Traube durchläuft mehrere Phasen. Ab dem Zeitpunkt der Blüte dauert es etwa hundert Tage bis zur Traubenreife. Wann diese Blütezeit jedoch beginnt und wie schnell die jeweiligen Stadien durchlaufen werden, ist witterungs- und sortenabhängig. Eine der schwierigsten, aber auch wichtigsten Entscheidungen des Winzers betrifft das Erkennen der optimalen Reife seiner Trauben und damit den Beginn der Weinlese.

Was heute also in der Verantwortung jedes Einzelnen liegt, wurde früher von den Gemeindeverwaltungen entschieden. Diese verfügten über einen sogenannten Weinbergsbann. Er bedeutete die kontrollierte Schließung der Weinberge in den Wochen vor der Ernte. Bildlich kann man sich das wirklich als echte Barrikade vorstellen! Teilweise wurden Zäune um Wingertszeilen errichtet oder Schranken auf Feldwegen niedergelassen. Wozu das Ganze, könnte man sich jetzt fragen. Was dem Einen nützt, das den Anderen schützt.

Der Bann, der meist mit beginnender Traubenreife oder etwa vier Wochen vor dem in der Herbstordnung festgelegten Beginn der Ernte verfügt wurde, sollte unerlaubte Behandlungen der Rebstöcke verhindern und gleichzeitig Traubendiebe aus den Weinbergen fern halten.

In Deutschland existiert der Bann seit der Abschaffung der Herbstordnung 1993 nicht mehr. Andere Länder, wie beispielsweise Frankreich (ban des vendanges: „Erntebann“), kennen ihn nur noch im Sinne des offiziell festgelegten Erntebeginns. In wie weit dieser Bann jedoch von Nutzen war, ist fraglich. Für einige wild entschlossene Traubenliebhaber könnte er auch als Signal fungiert haben. Ganz nach dem Motto: Die Zeit ist reif…

 

Susanne Winterling

 

Pfälzische Weinkönigin