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Samstag, 21. Oktober 2017

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Schnawwelrute (Schnabelrute)

 

Welcher Pfälzer Winzer kennt sie nicht? Gerade in den Sommermonaten machen sie im Weinberg viel Arbeit. Die Schnawwelruten sind eine Art Seitentrieb und haben ihren Namen wahrscheinlich von der Pfälzer Mundart: „Wenn was absteht, dann schnawwelt was raus.“

Der Winzer möchte seinen Rebstock erziehen und gesundes, qualitativ hochwertiges Lesegut erreichen. Das braucht Zeit! Wenn im Frühjahr die Rebe „austreibt“, möchte der Winzer eine schöne Laubwand bilden, um die Rebblüte zu schützen und zu fördern. Hierfür werden überzählige, schwache Triebe ausgebrochen und die starken Triebe in die Rebzeile „eingeschlauft“. Im Grunde hat der Rebstock schon verstanden, was der Winzer von ihm möchte. Aber da gibt es noch die Schnawwelrute, die nicht in die Höhe, sondern einfach nur quer wachsen will. Sie tritt normalerweise auch nur im unteren Bereich des Rebstocks beziehungsweise am Ende der gebogenen Fruchtrute auf. Früher wurde sie einfach abgeschnitten, denn meist wollte sie keine Trauben tragen. Heute weiß man, dass das Einstecken in die Laubwand auch von Vorteil sein kann: Denn für eine optimale Beerenreife ist ein „Sonnenkollektor“ wichtig. Die Rebblätter bilden aus Wasser und Kohlendioxid der Luft und mit der Energie des Sonnenlichts die optimale Fruchtsüße in den Traubenbeeren. Ebenso werden die notwendigen Reservestoffe gebildet, die für den Winter in den Wurzeln und dem Stamm eingelagert werden. Wie hieß es in Kinderjahren: „Man soll nie zu schnell durch die Rebzeilen springen, sonst schlägt einem die Schnawwelrute ins Auge.“

 

Katja Schweder, Pfälzische Weinkönigin 2005/2006