Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Zum Einzelverkauf der Ausgabe als PDF
Mittwoch, 18. Oktober 2017

20°C

Firngeschmack

 

„Wird ein gesunder, fehlerfreier Wein mehrere Jahre im Fass gelagert und in dieser Zeit häufiger abgestochen, so verschwindet mit der Frische allmählich auch das Traubenbukett und es tritt an seine Stelle das Altersbukett oder Firn.“

So lautet der Text eines Weinlexikons meines Großvaters aus den 50er Jahren. Damals wurden Weine, die Firn oder auch Edelfirn besaßen, hochgelobt und galten als „schick“. Hierbei handelte es sich um goldgelbe Weine, die auch in vielen Liedern besungen wurden.

Heutzutage hat sich der Geschmack von Weinfreunden größtenteils verändert. Man möchte gerade bei Weißweinen ihre jugendliche Frische und Frucht genießen. Hellfarbig und spritzig sollten die Weine sein. Ein Firngeschmack wird oft im negativen Sinne als überlagert, frühzeitig gealtert und fehlerhaft bezeichnet. Firn wird mit dem Abbau des Weines gleichgestellt und mit den Worten formuliert: „Der Wein hat seinen Höhepunkt erreicht, die Säure neutralisiert sich und die Farbe wird goldgelb (Oxidation)“.

Die einzige Ausnahme hierbei ist den edelsüßen Weinen vorbehalten. Hier wird die leicht bittersüße Würze – Honig-, Harz- oder Öltöne – sehr geschätzt.

Um der Firnentwicklung entgegen zu wirken, empfiehlt sich kühle und dunkle Lagerung.

Weine mit hoher Säure, hohem Alkohol- oder Zuckergehalt sind viel länger haltbar. Wenn eine trockene Riesling Spätlese ins vierte, fünfte Jahr gekommen ist, wenn sich ein erster Alterston (Firn) zeigt, kann dieser Wein etwa mit einer Forelle den Menschen wohl in den lukullischen Himmel entführen.

 

Katja Schweder, Pfälzische Weinkönigin 2005/2006