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Mittwoch, 18. Oktober 2017

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Spätlese

 

Wie aus einer scheinbar unabwendbaren Katastrophe eine bahnbrechende Entdeckung für die Weinbranche werden kann, zeigt die Geschichte der Spätlese.

Im Jahr 1775 warteten die Mönche im Schloss Johannisberg auf den Boten des Fürstbischofen von Fulda, der die Lesegenehmigung überbringen sollte. Aus unbekannten Gründen hatte der Reiter Verspätung. Der Ritt von Fulda bis zum Schloss dauerte ungewöhnlich lange. Jede andere Gemeinde im Rheingau entschied über den Zeitpunkt des Lesetermins selbst, nur die Johannisberger Mönche warteten wie auf glühenden Kohlen. Ohne die fürstbischöflische Genehmigung durfte mit der Lese nicht begonnen werden.

Währenddessen begannen die Trauben zu faulen, Botrytis breitete sich aus. Man rechnete mit dem Schlimmsten. Doch als der Bote endlich eintraf, die Trauben geerntet und der Wein vergoren war, waren alle überrascht, sogar begeistert! Der Jahrgang 1775 gilt als legendär. Die erste „Spätlese“ der Weingeschichte war entstanden.

Heute muss kein Winzer mehr auf den Spätlesereiter warten. Sofern das Mindestmostgewicht erreicht ist, liegt es in seiner Hand, wann er mit der Ernte der Spätlesetrauben beginnt. Spätlesen sind Festtagsweine, brauchen aber nicht unbedingt den festtäglichen Rahmen um Ihnen Freude zu bereiten!

 

Susanne Winterling

 

Pfälzische Weinkönigin