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Mittwoch, 18. Oktober 2017

20°C

Pfropfrebe

 

Wegen der Reblauskatastrophe im 19. Jahrhundert dürfen laut Reblausverordnung im Weinbau nur noch gepfropfte Reben verwendet werden.

Hinter diesem Begriff verbergen sich gegen die Blattreblaus resistente Europäerreben, solche, die wir als Scheurebe, Riesling und so weiter kennen und die als so genannte Edelreiser verwendet werden. Unterlage sind Amerikanerreben, die gegen die Wurzelreblaus resistent sind.

Bei der Veredlung wird ein kleiner Teil des Edelreisers auf ein kurzes Stück Holz der Unterlage gepfropft. Das bedeutet: Beide Teile werden an den Enden so angeschnitzt, dass sie wie Puzzleteile ineinander passen. Schließlich werden sie ineinander gesteckt. Diese Stelle nennt sich dann Veredlungsstelle und ist sehr empfindlich. Wichtig ist, dass an dem Edelreiser eine Knospe ist.

Damit die beiden Hölzer in Ruhe zusammenwachsen können, werden sie mit Wachs verbunden. So können keine Krankheitserreger in die „Wunde“ eindringen. Die verbundenen Hölzer werden jetzt mit der Seite der Unterlage in feuchten Torf gesteckt, so dass sich Wurzeln entwickeln und die Knospen am Edelreiser austreiben können. Bis sie im Weinberg gepflanzt werden können, müssen die Pfropfreben noch eine Zeit lang gehegt und gepflegt werden.

Pfropfreben sind im Gegensatz zu Ablegern schon vorhandener Reben ein ziemlich teuerer Spaß, doch bringen sie noch weitere Vorteile mit sich. Zum einen ist man mit ihnen nicht nur vor der Reblaus sicher. Zum anderen kann man mit geschickter Wahl der Unterlagen eventuelle Nachteile im Standort ausgleichen. So gibt es zum Beispiel Unterlagen, die sehr kalkverträglich sind, oder welche, die besser mit trockener Witterung auskommen.

Eine ziemlich geniale Idee also, ohne die der Weinbau wie wir ihn heute kennen, kaum vorstellbar wäre.

 

Patricia Frank

 

Pfälzische Weinkönigin