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Donnerstag, 21. September 2017

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Fassriegel

 

Weinfässer ab einem Volumen von etwa 1000 Litern weisen an der Vorderseite eine kleine Öffnung – das Mannloch – auf, durch die man in das Fass gelangen kann, um es vor oder nach Gebrauch zu reinigen oder um es zu entleeren. Dafür sind sogenannte „Fassschlubber“ zuständig, wie die Küfer oder Winzerkinder genannt werden, die zur Wartung in das Weinfass schlüpfen. Das Mannloch wird von einem kleinen Türchen mit Hilfe des Fassriegels verschlossen. Dieser Riegel ist notwendig, um das „Fassdierche“ (Fasstürchen) zu sichern. Mit der Schraubenmutter des Riegels wird das Türchen festgezogen und durch die abgeschrägten Ränder der Öffnung sowie der Tür entsteht eine gute Abdichtung (in Verbindung mit Fasstalg zum Fetten der Ränder), damit kein Tropfen Wein verloren geht. Oft dient der Riegel auch als Abstallplatz für das Probierglas des Winzers, wenn er mit dem Schlauch Wein aus dem Fass zieht. Der Riegel besteht meist aus Holz oder heutzutage aus Metall.

Wer nun aber glaubt, der Fassriegel wäre ein ganz normaler Gebrauchsgegenstand, der irrt. Im 18. und 19. Jahrhundert waren besonders die Küfer aus der Pfalz für ihre besonderen Fassriegel bekannt. Holzriegel wurde kunstvoll bearbeitet und es entstanden häufig geschnitzte Figuren aus der Mythologie wie Drachen, Löwen, Meerjungfrauen, Delphine, Engel und – natürlich nicht zu vergessen – der Weingott Bacchus. Verzierungen mit Reben und Trauben waren auch oft zu sehen, ebenso deftige sowie erotische Motive. Manchmal wurden die Fasstürchen auch bemalt, und so entstanden echte Kunstwerke in den Kellern der Pfalz!

Heute sehen wir an den Fässern der Winzer kaum noch geschnitzte Fassriegel, da fast alle Behältnisse aus Metall sind. Jedoch sind zum Beispiel im Historischen Museum der Pfalz in Speyer einige dieser alten schönen Fassriegel ausgestellt und man kann nur vermuten, mit welcher Leidenschaft die Küfer diese Werke schufen.

 

Karen Storck

 

Pfälzische Weinkönigin