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Donnerstag, 21. September 2017

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Weingeist

 

Weingeist – was ist das eigentlich? Ist das ein Geist der in den Weinbergen herumspukt? Weingeist oder Spiritus (lateinisch „Geist“) sind alte umgangssprachliche Bezeichnungen für den Alkohol oder auch Ethanol. Ethanol ist eine farblose, leichtentzündliche, angenehm riechende und brennend schmeckende Flüssigkeit, die bei der alkoholischen Gärung zuckerhaltiger Säfte (Fruchtsäfte) entsteht.

Die Menschen wurden schon im frühen Stadium der Geschichte auf diese Substanz aufmerksam. So finden sich in ägyptischen Schriftrollen Hinweise auf die Herstellung alkoholischer Getränke. Auch in der Bibel wird der Alkohol erwähnt. Weine wurden jahrtausendelang mit Hilfe von den natürlich vorkommenden Wildhefen erzeugt. Bedingt durch jahrzehntelange Selektion produzieren die heutigen, kommerziell erhältlichen Reinzuchthefen, höhere Alkoholgehalte. In der Antike wurde der Wein schließlich ein wesentlicher Bestandteil römischer und griechischer Kultur. Beide Zivilisationen bedachten ihn mit einer eigenen Gottheit (Bacchus/Dionysos). Ebenso sahen die Germanen den Met, der ebenfalls zu den frühesten alkoholischen Getränken gehört, als Geschenk der Götter an. Vermutlich wurde im Gebiet der heutigen Türkei um etwa 1000 n. Chr. die Destillation von Wein zur Herstellung hochprozentiger Branntweine entwickelt. So war es möglich, den Spiritus vini (Geist des Weines) aus Wein herzustellen. Zum ersten Mal ist die Gewinnung von reinem Alkohol einem persischen Arzt und Naturwissenschaftler, durch die Destillation aus Wein gelungen.

Alkohol entsteht unter anderem bei der Vergärung von zucker- oder stärkehaltigen Substanzen durch Hefe. Dieser Prozess wird kontrolliert mit einer Reihe von Nahrungsmitteln durchgeführt, wodurch zum Beispiel Wein aus Traubensaft entsteht. Eine nicht unerhebliche Menge des durch die alkoholische Gärung gewonnenen Ethanols wird für Genusszwecke verkonsumiert. Ein Alkoholgehalt im mittleren Bereich unterstreicht die Frucht und Eleganz eines Weines optimal. Die Mindestalkoholwerte bei der Weinbereitung sind je nach Anbaugebiet, Rebsorte und Qualitätsstufe unterschiedlich geregelt.

Viele Winzer haben in den letzten Jahren ihre ohnehin schon attraktive Produktpalette um exklusive Destillate aus eigener Herstellung nachhaltig erweitert oder ergänzt. Durch Destillation wird der Alkoholgehalt erhöht, darüber hinaus kann auch nahezu reiner Alkohol (Azeotrop) gewonnen werden. Solche Getränke bezeichnet man als Spirituosen (Trester-Schnaps, Cognac oder Rum). Bei Likören handelt es sich um Spirituosen, denen nach der Destillation Zucker und natürliche Aromen (Aromastoffe) zugesetzt werden.

 

Julia Becker

 

Pfälzische Weinkönigin