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Museen & Galerien

Wahnsinnskünstler

Alfred Kubin und die Prinzhorn-Sammlung: »Geistesfrische« in Heidelberg

Von Kai Scharffenberger

Kubin: „Drohender Zusammenstoß“.

Kubin: „Drohender Zusammenstoß“. (Fotos: VG Bild-Kunst)

August Klett: ein „Friseurtyp“.

August Klett: ein „Friseurtyp“. (Fotos: VG Bild-Kunst )

Herzbergs „Erklärung über Erduntergang“.

Herzbergs „Erklärung über Erduntergang“. (Fotos: VG Bild-Kunst )

Kubin: „Der wahnsinnige van Gogh“.

Kubin: „Der wahnsinnige van Gogh“. (Fotos: VG Bild-Kunst)

Horrorvisionen, Alptraumgestalten und von Wahnsinn Geplagte bevölkern Alfred Kubins grafische Bildwelt zuhauf.

Kein Wunder also, dass sich der österreichische Künstler, der von 1877 bis 1959 lebte und mehrfach selbst psychische Zusammenbrüche durchlitt, auch für Hans Prinzhorns „Irrenkunst“ interessierte. Zusammen mit dem Nervenarzt Robert Laudenheimer fuhr Kubin, der sich zu dieser Zeit in einem Sanatorium bei Darmstadt von einer seiner Nervenkrisen erholte, im September 1920 nach Heidelberg, um dort zu besichtigen, was Prinzhorn an künstlerischen Arbeiten von Psychiatriepatienten zusammengetragen hatte.

Frucht dieses Ausflugs war ein engagierter Aufsatz über Prinzhorns Sammlung, den Kubin 1922 in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift „Das Kunstblatt“ veröffentlichte. „Wir standen vor Wundern des Künstlergeistes, die aus Tiefen jenseits alles Gedanklich-Überlegten heraufdämmern“, schrieb der Grafiker begeistert, um dann im Weiteren 13 Positionen aus der Sammlung näher zu charakterisieren, ohne dabei jedoch Namen zu nennen.

Da Kubins Beschreibungen aber sehr prägnant sind, lässt sich seine Auswahl rekonstruieren, was die Prinzhorn-Sammlung nun in Form einer Ausstellung tut. Deren besonderer Reiz liegt darin, dass der museale Bestand konsequent aus der Perspektive eines zentralen Vertreters der Moderne durchleuchtet wird – mitsamt dessen teilweise fragwürdigen Werturteilen. So qualifizierte Kubin beispielsweise den künstlerisch vorgebildeten Paul Goesch als den „Uninteressantesten von allen“ ab. Elf „Autodidakten“ dagegen pries er, darunter August Klett, dessen Arbeiten er „höchst anregend“ fand. An Werke Paul Klees fühlte sich Kubin bei Oskar Herzberg erinnert. Den stärksten Eindruck aber machten auf den Künstler „Bilder eines Schlossers aus der Anstalt Emmendingen“. Dahinter verbirgt sich Franz Karl Bühler, dessen Talent allerdings nicht so „urwüchsig“ war, wie Kubin sich das schönschrieb: Vor seinem geistigen Zusammenbruch Ende der 1890er Jahre unterrichtete der Kunstschlosser Bühler an der Kunsthandwerkerschule in Straßburg, seine Sujets – Heilige Familie, Adam und Eva – verraten unbedingt kunsthistorische Vorkenntnisse.

Dass Kubin aus Prinzhorns Sammlung wohl vor allem jene Arbeiten lobend zur Kenntnis nahm, die Aspekte seines eigenen Schaffens spiegeln, zeigt sich in Heidelberg an einer kleinen Auswahl aus dem grafischen Schaffen dieses Künstlers. Blätter wie „Der wahnsinnige van Gogh“ (um 1910) oder der groteske „Wasserkopf“ von 1907 nehmen Alfred Kubins Begegnung mit Prinzhorns „Irrenkunst“ quasi vorweg, inhaltlich wie stilistisch.


Info

»Geistesfrische: Alfred Kubin und die Sammlung Prinzhorn« – bis 30.7., Heidelberg, Sammlung Prinzhorn, Voßstraße 2, geöffnet: Di-So 11-17 Uhr (Mi bis 20 Uhr); www.sammlung-prinzhorn.de.

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