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Höhepunkte

Schillertage MA: Der »Dichter der Freiheit« als Mahner im 21. Jahrhundert

19. Internationale Schillertage am Nationaltheater Mannheim

Die Münchner Kammerspiele sind mit „Maria Stuart“ in Mannheim zu Gast: Elisabeth (li., Annette Paulmann) und Maria (Brigitte Hobmeier) in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg.

Die Münchner Kammerspiele sind mit „Maria Stuart“ in Mannheim zu Gast: Elisabeth (li., Annette Paulmann) und Maria (Brigitte Hobmeier) in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg. (Foto: Judith Buss/frei)

Freiheit ist unser höchstes Gut. Wie schwer es zu erwerben und zu bewahren ist, wusste Friedrich Schiller nur zu gut, der als junger Militärarzt aus seiner württembergischen Heimat floh, weil ihm dort Festungshaft und Schreibverbot drohten.

Ein Theaterfestival, das sich speziell diesem Dramendichter widmet, kann also nicht umhin, die Tatsache zu problematisieren, dass überall in dieser Welt Autokraten, Populisten und Extremisten ehedem sicher geglaubte Freiheiten untergraben und bedrohen.

Unter dem ambivalenten Titel „Nach der Freiheit – ist vor der Freiheit“ machen die 19. Internationalen Schillertage am Nationaltheater Mannheim gerade diese aktuelle „Erosion des Freiheitsbegriffs“ zum zentralen Thema. Reflektiert wird das Problem unter anderem in Tobias Rauschs Theaterprojekt „Demetrius: Exporting Freedom“, das eigens für die Schillertage entsteht und Schillers Dramenfragment „Demetrius“ auf unsere Gegenwart überträgt. Die Fiktion: Das eigene Land wird von einem autokratischen Regime regiert, man muss fliehen und versucht nun, vom Nachbarstaat aus eine politische Opposition zu organisieren. Doch kann man Freiheit und Demokratie so einfach exportieren? Lässt sich ein Aufstand wie ein Strategiespiel planen? Antworten auf derlei Fragen versuchen Schauspieler zusammen mit professionellen Politberatern und Mannheimer Bürgern zu finden (Di 20.6. und Fr 23.6. um 20 Uhr).

Und wie schaut es mit den klassischen Werken aus? Schillers Schweizer Freiheitskämpfer „Wilhelm Tell“ gibt’s als „Spoken-Word-Oper“ mit rein männlichem Ensemble in einer abstrakten Bühnenskulptur zu sehen. Regie bei dieser Koproduktion des Theaters Basel und des Schauspiels Köln führte Stefan Bachmann (Fr 23.6., 19.30 Uhr). „Maria Stuart“, diesen Kampf zweier Königinnen, die jeweils Gefangene überkommener Machtstrukturen bleiben, kann man gleich zweimal erleben: in der Regie von Andreas Kriegenburg (Fr16.6. und Sa 17.6. um 19.30 Uhr, Gastspiel der Münchner Kammerspiele) und in einer Inszenierung von Markus Bothe (Mi 21.6., 19.30 Uhr, Gastspiel des Nationaltheaters Weimar). „Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire!“ – diese Aufforderung darf dort, wo Schillers Freiheitsbegriff examiniert wird, keinesfalls fehlen, weshalb die renommierte Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ mit einem jungen Blick auf „Don Karlos“ eingeladen ist (Do 22.6., 20 Uhr). Zum bemerkenswerten Gastspiel-Aufgebot dieser Schillertage gehört außerdem Michael Thalheimers analytische „Wallenstein“-Inszenierung (Schaubühne Berlin), die besonders für ihre „rabenschwarze Radikalität“ gelobt wurde (Mo 19.6., 19 Uhr). Für Musik und freiheitlich-lockeres Beisammensein sorgen allabendliche „Schill-Outs“.


Info

19. Internationale Schillertage: 16.6. bis 24.6., Mannheim, Nationaltheater, Karten/Info: Tel. 0621-1680150, www.schillertage.de |kai

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