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Museen & Galerien

Stillleben mit Selbst

Von Kai Scharffenberger

Künstlerin, Pferdekopf und ein Stück schönen, illusionistisch gemalten Stoffs: „Rosentuch“, 2011 (Ausschnitt).

Künstlerin, Pferdekopf und ein Stück schönen, illusionistisch gemalten Stoffs: „Rosentuch“, 2011 (Ausschnitt). (Foto: Kunstverein/frei)

Kunst der Gegenwart: Bettina van Haaren in Ludwigshafen

Das Selbstbildnis samt Vanitas-Moment ist ein durchaus beliebter Topos der Kunstgeschichte. Man denke nur an Arnold Böcklins „Selbstbildnis mit fiedelndem Tod“ oder an Lovis Corinths Selbstporträt mit Anatomie-Skelett. Dass sich aber ein Künstler – oder wie in diesem Fall eine Künstlerin – so exklusiv mit sich selbst im Kontext von Vergänglichkeit beschäftigt wie Bettina van Haaren, das hat man dann doch eher selten.

Dabei ist der Bildkosmos, den die 1961 in Krefeld geborene Malerin erschafft und nun im Kunstverein Ludwigshafen vorstellt, ein komplexer. Ihre Tableaus, die man vielleicht am besten als Visionen verstehen kann, in denen Heterogenes simultan zusammenkommt, kreuzen im Grunde Selbstakt und Stilllebenmalerei. Auf fast allen Gemälden ist das nackte Alter Ego der Künstlerin, die offenbar gute Kontakte zu Tierpräparatoren hat, von ausgestopften Säugern umgeben – hier von Hausschweinen, da von einem Fuchs, dort von Leoparden. Mal scheinen diese tierischen Gesellen noch etwas Lebendiges zu vergegenwärtigen, häufiger wirken sie wie Kadaver.

Doch nicht nur ausgestopfte Tiere und der eigene Körper bevölkern van Haarens Selbstbetrachtungen, sondern auch bunte Stoffe und Plastiktüten, grelle Gummischlangen, Totenköpfe aus Lakritz und kahle Stämme toter Weihnachtstannen. Wie sind diese Anhäufungen von Konsumgütern, Zivilisationsmüll und Tierpräparaten um eine menschliche Zentralfigur zu verstehen? Bettina van Haaren selbst bezeichnet ihre Bilder als eine Art gemaltes Tagebuch: Alle Dinge, die sie umgeben und beschäftigen, kämen in diesen Gemälden zusammen.

Der Betrachter wittert freilich noch mehr hinter diesen merkwürdigen Bildern, stolpert beim Versuch, sie zu lesen, aber zunächst über deren fragmentarischen Charakter. Viel Weißraum unterbricht die Kompositionen, die teilweise in Öl, teilweise in Eitempera ausgeführt sind: Lineare Erzählungen ergeben sich auf diese Weise nicht. Vielmehr folgen diese partiell ungemein fein gemalten Selbst-Stillleben, an denen die Künstlerin bis zu zwölf Monate arbeitet, einer assoziativen, traumgleichen Struktur, um sowohl von der Schönheit der Dinge zu künden als auch von ihrer Vergänglichkeit.

„Verschwinden“ heißt ein Bild, das in dieser Schau an zentraler Stelle hängt, nicht von ungefähr. Die Bildmitte nimmt ein seltsam diffundierender, von scheinbar gehäkelten Vertiefungen durchlöcherter Rumpf ein, auf dem der plastisch gemalte, gealterte Kopf der Künstlerin sitzt. Ein ausgestopfter, stellenweise von der Zeit bereits angenagter Pferdekopf bildet, verdoppelt und tranchiert, eine Art Röhre, in die dieser verschwindende Körper eingefahren wird. Oder ist es der berühmte Tunnel ins Jenseits? Wir stehen vor einem surrealen Sterbebild – befremdet, aber auch betroffen.


Info

Bettina van Haaren: »Waldwasen durchlöchert« – 20.5. bis 16.7., Ludwigshafen, Kunstverein, Bismarckstr. 44; Eröffnung: Fr 19.5. um 18 Uhr, geöffnet: Di-Fr 12-18 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr; Info: Telefon 0621-5042012 und -528055.

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