| Samstag, 04. Februar 2012, 09:26 Uhr | Drucken | Versenden |
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DIE RHEINPFALZ heute
Es bleibt kalt wie im Gefrierschrank
Offenbach/Ludwigshafen. Noch keine Entwarnung in Sachen sibirischer Kälte: Auch in der kommenden Woche bleibt es tagsüber so kalt wie im Gefrierschrank.
Grund für die sich kaum verändernde Wetterlage ist nach Auskunft von Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach die Faulheit von Hochdruckgebieten im Winter. „Dieter”, das Hoch, das über Russland hängt und sich im Uhrzeigersinn dreht, drückt trockene Festlandluft nach Deutschland. Gleichzeitig existieren in Europa zwei Tiefdruckgebiete. Tief „Katarzyna” ist über der Ostsee entstanden, weil, so Paetzold gestern, „beständig Kaltluft über die mit vier Grad Wassertemperatur recht milde Ostsee streicht”. Dieses Tief sorgt immer wieder für Schneefälle. Bis gestern Mittag war die Schneedecke im Norden und Nordosten etwa 13 Zentimeter dick. Das zweite Tief befindet sich über Italien: „Julia” hat hier bedeutend mehr Schnee abgeladen als die polnische „Katarzyna”: Gestern Morgen lagen in Bologna 26 Zentimeter Schnee, in Rom schneite es am Nachmittag heftig.
Zum Thema Kälte sagte Meteorologin Paetzold, dass nachts weiterhin strenger Frost herrscht, dass also - beispielsweise in der Nacht zu Sonntag - Werte zwischen minus zehn und minus 15 Grad zu erwarten seien. Örtlich könne es auch auf minus 20 Grad abkühlen. Tagsüber bleibt es den Angaben zufolge bei Dauerfrost und Werten um minus fünf Grad. Die anhaltende Kältewelle hat mittlerweile für die bislang kälteste Nacht dieses Winters gesorgt. Der Deutsche Wetterdienst hat im sächsischen Deutschneudorf in der Nacht zu Freitag minus 26,4 Grad gemessen. Deutschneudorf liegt unmittelbar an der tschechischen Grenze, 660 Meter über dem Meeresspiegel. In 1600 Metern Höhe liegt der „Kältepol” Deutschlands, der Funtensee im Nationalpark Berchtesgaden. Hier hat der Wetterdienst Meteomedia in der Nacht zu Freitag minus 35,3 Grad gemessen - nichts Ungewöhnliches für den fünfeinhalb Meter tiefen See, der nur 3,5 Hektar groß ist - etwa wie sieben Fußballfelder. Die regelmäßigen Kälterekorde, die in der unbewohnten Gegend gemessen werden, sind allerdings für die Umgebung nicht repräsentativ. Im Dezember 2001 wurden sogar minus 45,9 Grad registriert - vermutlich Deutschlands bisheriger Kälterekord. Experten erklären das Kälte-Phänomen am Funtensee so: Die bodennahe Luft kühlt sich in der Nacht schnell ab. Weil kalte Luft schwerer ist als warme, fließt sie hangabwärts und konzentriert sich in der Funtensee-Mulde. Die Luft kann, ähnlich wie das Wasser in einer Badewanne, aber nicht mehr entweichen. Und je mehr Kaltluft dazuströmt, umso kälter wird es in der Mulde, in der der See liegt. Die großen Temperatur-Unterschiede kommen zustande, wenn die nächtliche Abkühlung nicht durch Wind, Wolken oder Nebel behindert wird. Auch im Sommer können die Temperatur-Schwankungen groß sein: zum Beispiel 20 Grad am Tag und Frost in der Nacht.
Trotz der Kälte droht kein totaler Stromausfall in Deutschland. Die großen Netzbetreiber geben sich in einer Umfrage gelassen: Die Lage im Stromnetz sei trotz der Stilllegung von acht älteren Atomreaktoren stabil. Zwar werde - wegen der Kälte - mehr Strom verbraucht als normal. Doch wegen des mit dem Kältehoch verbundenen Sonnenscheins und des Windes liefern sowohl die Photovoltaik-Anlagen als auch die Windkraftanlagen ausreichend Energie, um Engpässe zu vermeiden, wie es heißt.
Von Rainer Peter
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