|
Für uns hier: Wissenswertes
Video: Von der Couch direkt in die Bücherei surfen
Onleihe und Metropolbib sind virtuelle Zweigstellen
Eine neue Möglichkeit, ein Buch zu lesen: E-Books werden auf E-Book-Reader geladen. Foto: DAPD
|
|
Stadtbibliotheken sind längst nicht mehr nur real, sondern auch virtuell. Im Internet kann man digitale Medien ausleihen und auf dem Computer, MP3-Player, Smartphone oder E-Book-Reader herunterladen. In der Pfalz gibt es zwei verschiedene Verbünde: Der landesweiten Onleihe Rheinland-Pfalz haben sich die Stadtbüchereien Germersheim, Pirmasens, Kandel, Schifferstadt und Neustadt angeschlossen. Der Metropolbib gehören die Stadtbibliotheken von Ludwigshafen, Speyer und Frankenthal an. Aber egal welcher Verbund – alle funktionieren auf die selbst Weise. Yvette Wagner sprach mit Iris Müller, der Leiterin der Germersheimer Stadtbibliothek, über das Konzept des Onleihe-Angebots.
Frau Müller, seit anderthalb Jahren ist die Germersheimer Stadtbibliothek der Onleihe angeschlossen. Warum sind Sie diesen Schritt gegangen?
Wir wollten für unsere Nutzer etwas ganz Neues, Attraktives bieten. Wir waren unter den ersten acht Bibliotheken, die das in Rheinland-Pfalz angeboten haben. Der Imagegewinn war ein weiterer Vorteil. Wir gelten jetzt als ganz moderne Bibliothek, haben da auch eine gewissen Vorreiterfunktion. Das Angebot kommt bei unseren Lesern sehr gut an. Wir bekommen auch andere Nutzer von außerhalb, aus Bruchsal, Mainz oder Ludwigshafen, die nur kommen, um die Onleihe zu nutzen.
Gräbt das virtuelle Angebot dem Präsenzbestand bald das Wasser ab?
Nein, es ist eher ein attraktives Zusatzangebot. Die Leser, die den Präsenzbestand unserer Bibliothek nutzen, greifen weiterhin zu gedruckten Büchern, zu Zeitungen, Zeitschriften, DVDs, CDs, was auch immer.
Man muss auch sehen, dass längst nicht jedes elektronische Medium mit Verleihrecht verfügbar ist. In der Werbung wird dieses Buch beworben und jenes Video, aber die gibt's dann oft nicht mit Verleihrecht. Man kann sie kaufen für den Privatgebrauch, aber wir als Bibliothek können das nicht anschaffen und weiterverleihen.
Das heißt, die Onleihe kann keine Lizenzen erwerben?
Ja. Wir würden oft sehr gerne, gerade von der aktuellen Bestsellerliste mehr einkaufen, aber das ist einfach nicht machbar.
Aber in gedruckter Form oder als DVD oder CD ist das doch möglich?
In gedruckter Version kann die Bücherei die aktuellen Medien erwerben und verleihen.
Man muss nicht in die Bücherei gehen. Welche Vorteile bietet die Onleihe außerdem?
Sie ist an 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr voll nutzbar. Man ist völlig unabhängig von irgendwelchen Öffnungszeiten. Es ist ein seriöses Download-Angebot. Wichtig für die Nutzer ist auch die Mobilität. Man ist nicht gezwungen, die Sachen daheim nur an seinem PC auszuleihen. Man kann auch etwas ausdrucken, kann es mitnehmen, unterwegs lesen. Man kann eine Audio-Datei vom Rechner auf den MP3-Player verschieben, man kann auch ein Video auf den USB-Stick ziehen und es woanders anschauen.
Mahngebühren fallen auch keine an…
Das ist zusätzlich ein Vorteil für die Leser: Es fallen keine weiteren Kosten an als die Leitungskosten fürs Internet. Es gibt keine Mahngebühren, weil sich die Dateien automatisch schließen und nicht wieder öffnen lassen. Man muss nicht darauf achten, dass man die Sachen wirklich wieder pünktlich zurückgibt.
Verlängerungen sind aber nicht möglich…
Die Betreiberfirma hat zugesagt, dass die Leihfrist bald vom Entleiher individueller zu regeln sein wird, und auch an einer frühzeitigeren Rückgabemöglichkeit wird
gearbeitet.
Je mehr Bibliotheken sich der Onleihe anschließen, desto umfangreicher kann das Angebot ausgeweitet werden. Können Sie das Finanzierungsmodell kurz erläutern?
Im Fall der ersten acht Bibliotheken, die dem Verbund Rheinland-Pfalz beigetreten sind, hat der jeweilige Bibliotheksträger, also die Stadt oder die Gemeinde, zehn Cent pro Einwohner gezahlt. Damit wurde der Grundbestand angeschafft. In den Folgejahren kostet es die Bibliotheksträger fünf Cent pro Einwohner. Die gleichen Bedingungen gelten auch für neu beitretende Bibliotheken.
Was umfasst den Grundbestand?
Das sind momentan ungefähr 5.500 Medien. Es sind E-Books, E-Audios, E-Videos und E-Papers, das heißt, wir bieten Bücher, Hörbücher, Videos, Zeitungen und Zeitschriften zum Verleih an.
An was orientiert sich die Anschaffung?
Wir haben überlegt, was besonders attraktiv ist. Zum Beispiel Hörbücher, die gehen in Bibliotheken ganz stark. Wir haben uns auch dafür entschieden, viel Belletristik im Hörbuchbereich anzuschaffen. Wir haben an den Ausleihen gemerkt, es ist genauso wie in der normalen Bibliothek: Krimis und Thriller werden am meisten ausgeliehen. Deshalb wird die Onleihe Rheinland-Pfalz in diesem Themenbereich weiterhin sehr aktiv sein und weiter einkaufen.
Was ist außerdem begehrt?
Es wird auch sehr stark zugegriffen bei Zeitschriften, Magazinen. Dabei zeigt sich auch wieder das Problem, dass es sehr wenig Verlage gibt, die diese Sachen mit Verleihrecht der Onleihe zur Verfügung stellen. Wir haben gemerkt, dass der "Spiegel" so stark ausgeliehen wird, dass wir mittlerweile vier Abos besitzen, um den zu verleihen. Aber es gibt halt sehr wenig andere Sachen in diesem Bereich, die mit Verleihrecht ausgestattet sind.
Wie soll sich das Angebot zukünftig entwickeln?
Wir planen eine breitete Streuung im Sachbuchbereich. Das ist auch deswegen möglich, weil immer mehr Bibliotheken Interesse bekundet haben. Dann können wir auch gewisse Nischen besetzen mit Philosophie und Religion, wo es bislang sehr wenig Titel gibt. Wir planen auch im sehr gut laufenden Belletristikbereich bei den Audio-Medien mehr anzuschaffen und falls es die Möglichkeit gibt und mehr Lizenzen auf den Markt kommen, würden wir auch sehr gerne mehr Zeitschriften anbieten.
|