| Freitag, 29. April 2011, 14:27 Uhr | Drucken | Versenden |
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Für uns hier: Wissenswertes
Der Speyerer Dom
Serie: Gotteshäuser in der Pfalz
Sie prägen die Gesichter der Städte und Dörfer in der Pfalz: die Gotteshäuser. Meist sind es die Kirchen, die allein aufgrund ihrer Architektur besonders ins Auge fallen. Aber auch Moscheen oder die Synagoge in Kaiserslautern sind Teil der Stadtbilder geworden. In unserer Serie „Gotteshäuser in der Pfalz“ stellen wir einige von ihnen vor. Heute: der Kaiserdom zu Speyer.
Von Anna Flämig
Jeder, der den Dom schon einmal besucht hat, kennt das Gefühl. Auch wenn man schon viele Male in der Kathedrale stand, sind die hohen Mauern aus schlichtem Sandstein immer wieder beeindruckend. Warum hat der Kaiserdom eine solche Wirkung auf seine Besucher? Mit der Speyerer Kunsthistorikern Andrea Nisters haben wir uns auf die Suche nach Antworten gemacht. Der Dombau und die Salier
Der Kaiserdom zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Romanik und ist die größte erhaltene romanische Kirche in Europa. Um 1030 herum gründete der Salier Konrad II. die größte Kirche des christlichen Abendlandes mit einer Länge von 134 Metern. Die Fertigstellung des ersten Baus im Jahr 1061 erlebte er nicht mehr. Konrad II. starb bereits 1039 und wurde im Dom, der zu dieser Zeit eine riesige Baustelle war, beigesetzt. Der Grundriss des Doms entspricht einem lateinischen Kreuz. Die Kathedrale ist im Stil einer Basilika erbaut: Das Mittelschiff liegt erhöht und ist durch zwölf Arkaden mit den Seitenschiffen verbunden. Die Zahl zwölf taucht immer wieder auf: Das Stufenportal des Domes hat außen und innen je sechs gemauerte Stufen um die eigentliche Tür, zusammen zwölf, das ist die Zahl der Apostel, der Stämme Israels und der Tore des himmlischen Jerusalems. Heinrich IV. begann im Jahr 1081 mit einem großen Umbau des Doms. Mit der Wölbung des Mittelschiffs entstand zum ersten Mal in der mittelalterlichen Architektur ein begehbarer Laufgang, die Zwerggalerie unterhalb der Dachtraufe, die sich um die gesamte Kathedrale zieht. Sie wird nach außen durch eine Säulengalerie markiert. Außerdem wurde in Speyer erstmals das gebundene System verwirklicht, bei dem ein Joch im Hauptschiff zwei Jochen in den Seitenschiffen entspricht. Der pfälzische Erbfolgekrieg und der Wiederaufbau Im pfälzischen Erbfolgekrieg wurde der Dom 1689 von den Truppen Ludwigs XIV. in Brand gesetzt. „Es war so heiß, dass Blei in großen Tropfen vom Dach tropfte“, erzählt Nisters. Zwei Drittel des Mittelschiffs wurden bei dem Feuer gesprengt sowie das nördliche Seitenschiff.
Schon kurz nach dem Wiederaufbau im 18. Jahrhundert wurde der Dom während der Französischen Revolution wieder schwer beschädigt. Nach den erneuten Instandsetzungen ließ der Bayerische König Ludwig I. von 1846 bis 1854 den Innenraum vom Künstler Schraudolph mit Fresken im Nazarener Stil ausmalen. Sie zeigen das Leben Marias. Der Westbau wurde von Heinrich Hübsch in neuromanischem Stil erbaut. Erst nach Restaurierungen in den 1960er Jahren erhielt der Dom sein mittelalterliches Gesicht zurück. Im Stiftchor, dem mittelalterlichen Altarraum, stehen das Chorgestühl des Domkapitels und der Bischofsthron – die Kathedra. Der über 50 Meter hohe achteckige Turm endet in einer zeltartigen barocken Haube. Rechts und links sind Wandkapellen im Mauerwerk eingelassen – eine seltene Bauform, erzählt Nisters. An der Südseite steht die Doppelkapelle St. Emmeram und St. Katharina. Die St. Emmeran geweihte Unterkapelle dient als Taufort, in der Oberkapelle sind Reliquien ausgestellt, unter anderem die des pfälzischen Priesters Paul Josef Nardini. Gleichzeitig ist die St. Katharina-Kapelle der Gedenkort für Edith Stein. Die Unterkirche liegt 30 Zentimeter unter dem Laufniveau des Mittelschiffs. Um 1039 vollendet und 1041 geweiht, ist die romanische Hallenkrypta der älteste Teil des Speyerer Doms. In der Vorderkrypta sind zwei spätgotische Reliefs der im Dom beigesetzten Kaiser und Könige zu sehen und die Gedenkplatte von Rudolf von Habsburg. Sogar die Falten des Königs sind auf der Platte zu erkennen. Die heutige Kaisergruft wurde 1906 fertiggestellt. Neben den acht deutschen Königen und Kaisern und einigen Ehefrauen sind hier auch fünf Bischöfe begraben. Mit wenigen Worten bringt Andrea Nisters gegen Ende der Führung das Charakteristische des Speyerer Doms auf den Punkt: „In seiner Schlichtheit liegt seine Erhabenheit“, sagt die Kunsthistorikerin. Weitere Informationen im Internet.
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