Samstag, 23. Oktober 2010, 18:29 Uhr Drucken   |   Versenden
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Von der Dampflok bis zur Buran
Die Technik-Museen in der Region – heute: Speyer
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Technik, die begeistert. Alle Fotos: kkj 
Auch wenn ich es nie zugeben will, eigentlich bin ich schon ein richtiges Mädchen – also, was meinen technischen Wissensschatz angeht. Für den muss ich tief und mit dem größten Spaten, den ich nur auftreiben kann, graben, nur um die Hoffnung zu bewahren, auf überhaupt irgendeine Information zu stoßen. Dennoch finde ich es faszinierend, dass Flugzeuge sich in der Luft halten, dass die Erde vom Weltraum aus wie eine blau-grün-weiße Kugel aussieht und dass es tatsächlich möglich ist, rasante Fahrten zu simulieren, obwohl man doch nur in einem Kinosessel sitzt. Letzte Woche haben Sie hier das Technik-Museum Sinsheim kennengelernt, heute nehme ich Sie mit auf meine abenteuerliche Entdeckungstour durch das Speyerer Pendant.
Von Kathrin Engelskircher

Auf 150.000 Quadratmetern Freigelände und 25.000 Quadratmetern Hallenfläche präsentiert das Technik-Museum Speyer seine Exponate. Die Zahlen klingen gewaltig, finden Sie? Ich kann Ihnen versichern, die Ausmaße sind wirklich beeindruckend. Der Startschuss für meinen Rundgang fällt in der Liller-Halle. Das Gebäude aus dem Jahre 1913 ist denkmalgeschützt, weswegen es nur geringfügig beheizt werden kann.

Macht aber nichts, denn mir wird warm, als ich in die Pedale eines Fahrrads trete, das eine kunterbunte Maschinerie in Gang setzt, die Musik von sich gibt. Leider klingt diese bei meiner Geschwindigkeit etwas verzerrt. Vielleicht sollte ich lieber das Münzgeld opfern, um meine und die Ohren der weiteren Besucher zu schonen. Besser und vor allem wohltönend macht eine große Orgel auf sich aufmerksam, die die Halle beschallt. Die Liller-Halle beheimatet allerhand Oldtimer, historische Lokomotiven, Schiffs- und Flugzeugteile, die sich mit lebensgroßen Puppen in entsprechenden Kostümen schmücken. Für mich bildet hier das himmelblaue Duo von Trabi und VW Käfer den Höhepunkt.

Via Treppe ins Flugzeug, via Rutsche hinunter

Weiter geht’s nach draußen, wo ich die Exponate, die einen schon von außerhalb des Museumsgeländes begrüßen, aus der Nähe bestaune. Anfangs stimmt mich meine leicht ausgeprägte Höhenangst noch etwas befangen, als ich die Treppenstufen zur Lufthansa-Boeing 747 hinaufsteige, dem größten ausgestellten Flugzeug. Vorher unbedingt an einen Rutschteppich denken, denn der ist unabdingbar, will man nicht denselben Weg zurück nehmen. In 20 Metern Höhe begehe ich die linke Tragfläche, verschaffe mir einen Überblick über das Gelände und bewundere den Dom aus der Vogelperspektive. Da der Jumbo-Jet aber schräg gestellt ist, wird es mir doch etwas mulmig im Magen und ich beschließe, einen schnellen Abgang hinzulegen. Also ab auf die graue Filzunterlage und rein in die Tunnelrutsche. Ein kleiner Aufschrei, doch innerhalb von zwei Sekunden finde ich mich auf dem Erdboden wieder. Wären da nicht die vielen Stufen, würde ich glatt nochmal wie der Wind hinuntersausen.

Auf dem Freigelände befinden sich auch die Antonov An-22, das größte propellergetriebene Flugzeug der Welt, das man ebenfalls von innen bewundern kann, sowie unter anderem das ehemalige Zuhause der Kelly Family, ihr Hausboot "Sean O’Kelley". Durch die Bullaugen erkennt man antike Möbel, und ich stelle mir am Steuerrad vor, wie meine Jugendliebe Paddy mit wehenden Haaren über den Rhein gefahren kommt und ich wie Kate Winslet in "Titanic"... Anderes Thema!

Von tiefen Meeren, fernen Weiten und wilden Flüssen

Den nächsten Stopp bildet U 9, ein U-Boot der Bundesmarine, in das ich über eine enge Leiter hineintauche – und schnell feststellen muss, dass die "Yellow Submarine" trotz meiner großen Liebe zu den Beatles niemals meine Feierstätte oder gar meine Wahlheimat hätte werden können. Zu eng, zu niedrige Decken und viele Knöpfe, die man aus Versehen falsch drücken könnte... Tief atme ich durch, als ich wieder an der frischen Luft bin. Zeit für mein Wiedersehen mit der Buran.

Im vergangenen Jahr habe ich die Ankunft der russischen Raumfähre in Speyer am Rheinufer bestaunt. War der Anblick des Space Shuttle schon aus dieser Perspektive sehr beeindruckend, so ist dessen Betrachtung und Berührung aus nächster Nähe noch einmal ein ganz anderes Kaliber. Die Buran übertrifft alles und bildet in ihrer Majestät – wie könnte es anders sein – den Mittelpunkt der Ausstellung "Apollo and Beyond", die in einer extra dafür gefertigten Halle von der vierzigjährigen Geschichte der Raumfahrt erzählt. Neben einer Sojus-Raumkapsel und einer Trainingskabine des Weltraumlabors Spacelab fasziniert neben Raumanzügen, Ausrüstungsgegenständen und weiteren Dokumenten von Astronauten ein 1:1-Modell des ISS-Moduls Columbus. Über diesem ist eine kleinformatige Ausgabe der gesamten ISS aufgehängt, so dass deren großzügige, reale Ausmaße meinen Kopf fast zum Platzen bringen.

Nach all diesen Eindrücken empfinde ich das Bedürfnis nach einer Ruhepause und beschließe zum Ende meines Besuchs, das Imax-Dome-Filmtheater aufzusuchen. Gezeigt wird der Film "Der Blaue Nil – Abenteuer und Mythos". Durch die Kuppelprojektion wird es aber nichts mit meiner Ruhepause, denn ehe ich mich versehen kann, befinde ich mich auf einer rasanten und abenteuerlichen Expedition über den größten Fluss der Welt. Nach dieser Paddeltour, meinem Abheben in luftige Höhen und ferne Weiten, meinem Eintauchen in meerige Unterwasser und meiner (imaginären) Fahrt mit allerhand historischen Fahrzeugen habe ich nun übrigens keine Schwierigkeiten mehr, meinen technischen Wissensschatz mit dem ersten Sandschäufelchenstich zu heben...


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