| Donnerstag, 12. November 2009, 16:32 Uhr | Drucken | Versenden |
| Teilen |
|
Für uns hier: Ausflüge & mehr
Ein Besuch im Sealife in Speyer
Beim Eintauchen in das Großaquarium Geheimnissen auf den Grund gehen
Wissen Sie, was Drei-Tage-Bärte, schwangere Männer und Bonnie und Clyde gemeinsam haben? Nein - das sind nicht die Zutaten für ein neues Roadmovie mit Science-Fiction-Anklängen, sondern Eindrücke, die mir nach meinem Besuch im Sealife-Center in Speyer im Kopf herumschwirren – obwohl ich besser herumschwimmen sagen sollte. Wenn auch Sie deren Zusammenhang auf den Grund gehen und in die unbekannten Wellen einer Unterwasserwelt ganz abseits einer langen Reise eintauchen wollen, dann sollten Sie wie ich das Großaquarium der Domstadt besuchen.
Von Kathrin Engelskircher
Schon im Eingangsbereich empfangen mich karibische Klänge, bevor es abwärts, sprich unter die Wasseroberfläche geht. Die Quelle des Rheins stellt den Beginn des Rundgangs dar, der sich von heimischen Gewässern über die Nordsee bis hin in die tiefen Weiten des Indischen und Pazifischen Ozeans zieht. Zunächst erwarten mich Süßwasserfische wie Forellen, Flusskrebse und die Loreley – die mich aber nicht so magisch anzieht wie ein alter, schon grünlich schimmernder VW-Käfer im Wasser. Von emanzipierten Seepferdchen und "wilden" Schildkröten
Dann erlauschen meine Ohren Möwengezwitscher, welches das sich nähernde Meer ankündigt. Ich bewundere Seepferdchen durch ein Vergrößerungsglas. Irgendwie hab ich mir diese grazilen Wellenreiter immer größer vorgestellt – könnte auf die Assoziation mit "Pferd" zurückgehen… Schreiten letztere auch flink durchs Gelände, scheinen ihre Miniatur-Namensvetter durch das Seegras zu schweben. Und hier lerne ich meine erste Lektion in Sachen Emanzipation: Habe ich mich doch selbst immer für eine ziemlich moderne Frau gehalten, merke ich, dass diese kleinen Tiere uns einiges voraushaben: Hier kriegen wirklich die Männchen die Jungen – und das auch noch unter wehenartigen Schmerzen. Von denen müsste frau sich bestimmt keine blöden Sprüche anhören, wenn sie ihre Tage hat…
Leider scheitert meine eheähnliche Gemeinschaft mit Kollege Seepferd schon an meinem nicht existenten Nixenschwanz und der Atemnot, die mich kurz nach dem Untertauchen ereilt. Da hätte ich vielleicht mit einer der Schildkröten mehr Glück. Immerhin bliebe ich da auch nicht einsam zurück, wo die doch 100 Jahre alt werden. Im Sealife kann man hautnah dabei sein, wie die Baby-Panzertiere erwachsen werden. In Rahmen eines Wiederansiedelungsprojektes sollen die Kleinen im Rhein bei Bobenheim-Roxheim ausgesetzt werden - wenn sie denn noch ein bisschen gewachsen sind. Vom Geisterschloss in den Streichelzoo
Aber das sind nicht die letzten Jungtiere, die ich kennenlerne. Auch kleine Katzenhaie werden hier gezüchtet. In einem Ei, das eher wie ein durchsichtiger Schlauch aussieht, kann man den Herzschlag des Fisches erahnen. Und große Augen hat der … hoffentlich nicht, dass er mich besser fressen kann. Gespenstisch geht es auch in der Sonderausstellung der Quallen zu. In Schwarzlicht getaucht scheinen sie wie Einwohner eines Spukschlosses durch den Raum zu schweben. Von gruseligen Märchenfantasien erlöst mich das Anfassbecken. Hier warten Anemonen, Seeigel und Seesterne geduldig auf kleine und große Besucher. "Der Seestern hat seine Augen auf den Armen, und sein Hintern sitzt in der Mitte", erklärt mir die nette junge Dame, die auf jede Frage eine Antwort weiß. Vorsichtig berühre ich ihn, das fühlt sich ein bisschen an wie Schmirgelpapier. "Oder wie Papi, wenn er mich morgens küsst", wie ein Dreikäsehoch feststellt. Bonnie und Clyde haben mich zum Fressen gern Der Rochen gilt seit "Findet Nemo" als geduldiger, betulicher Lehrer unter den Fischen. Doch er kann auch anders. Als ich mich ein bisschen zu weit über den Beckenrand lehne, hüpft er auf einmal leicht in die Höhe. "Er spürt unseren Herzschlag", erklärt mir die Angestellte lachend, als sie mein erschrecktes Gesicht sieht. Gut, dass die Haie im 320.000 Liter fassenden Ozeanbecken den nicht zu spüren bekommen. Im Tunnel, in dem man unter ihnen durchschreitet, kann ich mir noch vorstellen, mit dem Ammenhaipärchen Bonnie und Clyde Freundschaft zu schließen - so lange diese nicht per Hand und Flosse zu besiegeln ist. Als ich dann am Panoramafenster der Fütterung beiwohne und sehe, wie die grauen Tiere mit der typischen Flosse, die vorher friedlich miteinander zu kuscheln schienen, plötzlich ihre Beute von der Futterzange zerren, nehme ich mein Kumpelangebot schnell wieder zurück. Da hat mir "Ich hab dich zum Fressen gern" dann doch eine zu wörtliche Bedeutung...
| ||||||||||||||||









