| Dienstag, 27. Oktober 2009, 14:53 Uhr | Drucken | Versenden |
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Für uns hier: Ausflüge & mehr
Dauerausstellung zur ''Lindenstraße'' in Speyer
Bei Mutter Beimer im Reisebüro
Für Serienfans ist es das Größte, einen Einblick in das Leben "ihrer" Stars und deren (fiktiver) Wohnorte zu erhalten. Liebhaber der "Lindenstraße" in der Region müssen nun nicht mehr nach Köln reisen, um dieses Gefühl zu erleben. Es genügt schon ein Ausflug ins Technik-Museum nach Speyer, um "Lindenstraßen"-Luft zu schnuppern. Hier widmet sich eine Dauerausstellung, die einzige außerhalb von Köln, einer der ältesten und beliebtesten Endlosproduktionen im deutschen Fernsehen.
Von Kathrin Engelskircher
Im denkmalgeschützten Wilhelmbau ist seit dem 3. Oktober ein 30-Quadratmeter-Zimmer für Mutter Beimer & Co reserviert und vermittelt den Eindruck, in eine Puppenstubenversion der "Lindenstraße" einzutauchen. In urigem Ambiente mit dunklem Holz erscheint der helle Serien-Raum als kleine Lichtoase. An den Wänden erwacht in Schwarz-Weiß die äußere Umgebung des Straßenzugs mit Häuserfronten und Laterne zum Leben, vor der – teilweise hinter einer Absperrung aus Glas – die Ausstellungsstücke aufgereiht sind. Doktor Dressler liebt die Oper, den Alkohol dagegen nicht mehr
Im Nu hat der Fan sich einen Überblick verschafft und zahlreiche der Exponate wieder erkannt. Beispielsweise ist der Rollstuhl von Doktor Ludwig Dressler zu sehen. Mit Liebe zum Detail ist der fahrbare Untersatz mit einem Arztkittel dekoriert, daneben steht eine Wodkaflasche. Kenner wissen natürlich gleich, dass der Allgemeinmediziner trockener Alkoholiker ist. Nicht so fundierte Ausstellungsbesucher erfahren durch ein Schild, dass Dressler außerdem die Oper liebt. Ein blauer Drehstuhl stammt aus dem Reisebüro "Ehrlich Reisen". Für Betreiberin Helga Beimer, deren Gesicht quasi die Serie repräsentiert, bedeutete dieses einen neuen Lebens- und Liebesabschnitt, wie ich hier erfahre. Auch ein Exponat von Else Kling, der verstorbenen Klatschtante der "Lindenstraße", darf nicht fehlen. Dem Ohrensessel des Haudrachens verleihen Kittelschürze und Schrubber authentisches Ambiente. Kind ja oder nein? – Auskunft geben die Drehbücher
Während ich den Küchenstuhl aus der Frauen-WG mit Schwangerschaftstest und Lockenwicklern bestaune, läuft im Hintergrund die Folge der "Lindenstraße" vom vergangenen Sonntag, in der passenderweise das Kinderkriegen Thema ist. Es sind die Drehbücher, in denen die Geschichten der Charaktere der Serie weiterentwickelt werden und die über deren Schicksal(sschläge) entscheiden. Originaldrehbücher aus 24 Jahren sind hinter einer Glasscheibe zu bestaunen, und da kommt schon einiges zusammen. Durchblättern kann man die Seiten für die Folge 1243 vom Tag der Bundestagswahl – und dabei feststellen, dass die Fassung bereits im November 2008 entstanden ist. Die alltäglichen Dramen der Serienprotagonisten vollziehen sich aber nicht nur in deren Wohnungen, sondern auch in charakteristischen Kneipen, wo oft nur ein Schluck des georderten Getränks konsumiert wird, bevor man nach einer plötzlichen Eingebung das Lokal verlässt. In der "Lindenstraße" sind das das griechische Restaurant Akropolis und das Café Beyer, aus denen Inventar wie die Speisekarte bewundert werden kann. Durch das benutzte Mobiliar, die Bilder und die Beschreibungen habe ich fast das Gefühl, den vergossenen Freuden- und Kummertränen beizuwohnen. "Lindenstraßen"-Alltag hautnah erleben
In der Folge, die in dem Fernseher läuft, erkenne ich den Stuhl des Café Beyer wieder. Und tatsächlich entwickelt sich vor meinen Augen eine tränenreiche Szene mit der Entscheidung für das Kind und gegen die Abtreibung. Die "Lindenstraße" wirbt mit dem Slogan "Nichts ist aufregender als der Alltag" für sich. Die Ausstellung, die noch ausgebaut werden soll, verspricht für den Fan noch eine Steigerung dieser Aufregung. Denn hier ist der "Lindenstraßen"-Alltag wieder und wieder zu erleben – und das hautnah.
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