| Montag, 17. August 2009, 16:22 Uhr | Drucken | Versenden |
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Der richtige Riecher ist gefragt
Krimispiel ''Wine&Crime'' fordert gute Nase bei Verbrecherjagd und Weinprobe
"Wer beim 'Tatort' stört, wird abgeknallt" – das ist meine Devise, wenn am Sonntagabend die Anzeige meines Digitalweckers auf 20.15 Uhr springt. Ist der Krimi am Sonntagabend für Sie auch eine heilige Handlung? Sitzen Sie auch jedes Mal vor dem Fernseher und kombinieren eifrig mit, wenn die Kommissare auf Mörderjagd gehen? Und denken Sie nicht auch des Öfteren bei sich, dass Sie den Fall schneller gelöst hätten als die Verbrecherjäger auf dem Bildschirm? Dann können Sie nun ihren detektivischen Riecher in der Praxis erproben. Und zwar bei einem Krimispiel…
Von Kathrin Engelskircher
Das tue ich schließlich bei "Wine&Crime", bei der meine Nase zur Hochform auflaufen soll. Denn den richtigen Riecher braucht man sowohl für die Verbrecherjagd als auch für die in das Krimispiel integrierte Weinprobe. Zum ersten Mal bin ich Gott dafür dankbar, dass er mich nicht gerade mit einem Stupsnäschen gesegnet hat. Denn wie sollte ein solches Miniorgan diese beiden großen Aufgaben bewältigen? Mit Hütchen und grüner Weste werde ich zur ehrgeizigen Mutter
"Genießen Sie Ihr Essen, es könnte ihr letztes sein", werde ich in dem als Restaurant getarnten Tatort begrüßt. Die lange Tafel in der Kneipe ist bereits präpariert, an jedem Platz liegen Utensilien für die Rolle, die jeder Teilnehmer an dem Abend besetzen wird. Denn Sie sollten nicht nur Freude am Mitraten, sondern auch ein bisschen am Mitspielen haben, wenn Sie sich für "Wine&Crime" entscheiden. Mich erinnert das Ganze ein bisschen an die Verkleidungskiste von früher. Gespannt setze ich das für mich bestimmte Hütchen auf und lasse mir das pastellgrüne Oberteil umbinden. Mal sehen, was auf dem Zettel steht. Oh-ha, ich bin ehrgeizig, verbissen und habe eine attraktive Tochter. Und meinen Mann kann ich gleich mal nebenbei beschnuppern. Dann geht es los, und das Ganze auf Pfälzisch… Eine vergiftete Fast-Weinprinzessin – Wer hat das größte Motiv?
Tatort Speyer: Die Lokalprominenz ist zusammen gekommen, um die erste Weinprinzessin der Domstadt zu küren. Zur Auswahl stehen vier Kandidatinnen, die alle ihre kleinen Geheimnisse haben. Plötzlich sinkt eine der aussichtsreichsten Bewerberinnen, Kassandra Ruhländer, auf einem Stuhl nieder. Zunächst sind noch alle Anwesenden glücklich über die plötzliche Stille, hat "meine Tochter" doch gerade in den höchsten (Quietsch)Tönen ein Liedchen zum Besten gegeben, um von ihrer Tauglichkeit als Weinprinzessin zu überzeugen.
Doch dann rührt sie sich gar nicht mehr. Man kann sie zwicken und schütteln, Dinge, die sie sich bestimmt nicht hätte gefallen lassen, wäre sie noch am Leben. Irgendjemand hat Kassandra durch Gift im Weinglas heimtückisch ermordet. Potenzielle Mörder/innen und Motive gibt es mehr als genug. War es Antonia, eine Konkurrentin Kassandras, die schwanger und verheiratet ist, wobei jede Begebenheit an sich schon eine Wahl zur Weinkönigin ausschließt? Oder doch eher die Stiefgeschwister, die Kassandra ihren Erfolg neiden? Und dann ist da noch Xaver, der wie kein anderer Bierkrüge stemmen kann und der Kassandra als seine große Liebe bezeichnet, wobei sie es nicht so genau nahm mit der Treue… Bei der Mördersuche hilft ein gutes Gläschen Wein Die Geschichte um Kassandra ist einer von 40 eigenen Krimis, die Birgit Hiefner-Konietzko und Yvonne Schwegler dieses Mal bei "Wine&Crime" darbieten. Sie binden die Teilnehmer immer wieder geschickt mit ein, alle haben Spaß an ihren neuen Rollen. Sogar der Herr, der mit Kuhfleckenhut die schon erwähnte Antonia repräsentiert. Und meine Tischnachbarn, von denen einer als Antonias heimlicher Angetrauter fungiert, tauen von Minute zu Minute mehr auf… …was natürlich auch am Wein liegen kann, der uns kredenzt wird. Ein Glas Sekt und fünf verschiedene edle Tropfen sind im Eintrittspreis enthalten. Dazu erhalten wir Informationen über die Herkunft der Trauben und die Geschichte des jeweiligen Roten, Weißen oder Rosé. Gut schmeckt er wohl, doch leider kann ich mir all die Daten gar nicht merken, zu sehr bin ich mit dem Überprüfen der Alibis beschäftigt. Eine "Meisterdetektivin" enttarnt den Mörder Ein Teilnehmer nach dem anderem fordert einen weiteren Spielpartner dazu auf, seine Aussage zu machen und erfährt dabei ganz nebenbei geheime Gedanken der jeweiligen Person. Schließlich wird ein Verdacht geäußert, von der Detektivin mir gegenüber. Sie belebt die tote Kassandra kurzzeitig wieder, die sich zunächst über die Geschwindigkeit bei ihrer Überfahrt ins Totenreich beschwert, dann aber bestätigt, was die Hobbykommissarin vermutet. Dafür erntet diese einen bewundernden Applaus – naja, vielleicht ist es auch nur die Erleichterung, nicht selbst Opfer geworden zu sein… Ich bin auf jeden Fall schwer beeindruckt, so schnell wäre ich nicht auf den Täter gekommen. Am Sonntag kann ich ja aber weiter trainieren, so dass ich beim nächsten Mal vielleicht mindestens so gut bin wie "Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv"…
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