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Mittwoch, 29. April 2015 Drucken

Grünstadt

Tödliche Schüsse aus der Dienstwaffe

Zwei rot-weiße Bänder erinnern noch an den Polizeieinsatz am Montag in der Uhlandstraße. ( Foto: Benndorf)

Grünstadt: Bei einem Polizeieinsatz am Montagabend in der Uhlandstraße ist ein 40-jähriger Mann von zwei Schüssen aus der Dienstwaffe eines Beamten tödlich getroffen worden. Nicht nur auf insozialen Netzwerken – beispielsweise Facebook – wird die Frage diskutiert, ob der Beamte in Notwehr gehandelt hat.

Mehrere Notrufe waren am Montagabend bei der Polizei eingegangen. In einem Mehrfamilienhaus sei zwischen Ehepartnern ein heftiger Streit ausgebrochen. Der Einsatz am Montag war nicht der erste in diesem Haus in der Uhlandstraße, das zu den Wohnblocks 38 bis 48 des kirchlichen Siedlungswerks Speyer gehört.

Zwei Streifenwagen rücken aus. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums öffnet der 40-jährige Ehemann den Beamten die Wohnungstür im ersten Obergeschoss, um dann „unvermittelt mit einem großen Küchenmesser“ auf die Polizisten im Flur loszugehen. Mehrere Aufforderungen, stehen zu bleiben und das Messer fallen zu lassen, habe der Mann ignoriert, auch der Einsatz von Pfefferspray habe den Angreifer nicht aufhalten können, heißt es im Einsatzbericht.

Darauf habe ein 45-jähriger Polizist die Waffe gezogen und zwei Schüsse auf den Mann abgegeben. Die Kugeln treffen den Mann im Unterbauch. Lebensgefährlich verletzt wird er in eine Ludwigshafener Klinik gebracht und sofort operiert. In der Nacht zum Dienstag aber stirbt er an den Folgen der Schussverletzungen. Das habe die gestrige Obduktion bestätigt, so die Staatsanwaltschaft. Wesentlich mehr Angaben macht die Behörde noch nicht. Sie verweist auf noch ausstehende Untersuchungen, so auch zu der Frage, ob der Mann eventuell unter Drogen- oder Alkoholeinfluss gestanden hat.

„Die Familie hat seit vielen Jahren friedlich in der Uhlandstraße gewohnt“, sagt eine Nachbarin zur RHEINPFALZ. Dann aber habe der Ehemann nach einem Arbeitsunfall seinen Job verloren. Weitere private Schicksalsschläge hätten ihn wohl aus der Bahn geworfen. Von psychischen Problemen wird gesprochen. Von der Befragung der Ehefrau, die mit dem gemeinsamen kleinen Sohn in der Wohnung war, erhoffen sich die Ermittler Hinweise auf die Beweggründe des Mannes.

In sozialen Netzwerken wie Facebook wird einerseits viel Verständnis für die Polizei in dieser offensichtlichen Ausnahmesituation gezeigt. „Für mich Notwehr“, heißt es in einem Beitrag. Ein anderer aber findet, dass „ein Schuss in Arm oder Bein auch gelangt hätte“. Die Kritik gipfelt in dem Kommentar „Völliges Versagen der zwei Beamten“.

Diskutiert wird auch, ob eine Bewaffnung mit Taser (Elektroschockgeräte) die tödlichen Schüsse hätte vermeiden können. Später greifen sich die Diskutanten allerdings in Fäkalsprache an. Was einen anderen Facebook-Nutzer zu der kritischen Einschätzung verleitet, er sei es leid, „wieder diese hirnlosen Kommentare zu lesen“.

Nach Angeben des Leitenden Oberstaatsanwalts Hubert Ströber (Frankenthal) ist wegen des Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge ein Verfahren eingeleitet worden. Solch eine Untersuchung werde routinemäßig eingeleitet. Daraus sei daher kein Schuldvorwurf abzuleiten. Die Ermittlungen führt aus Neutralitätsgründen das Polizeipräsidium Kaiserslautern, weil die Inspektion Grünstadt zum Polizeipräsidium Ludwigshafen gehört. (ks/abf)