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Bundestagswahl 2017

U-18-Bundestagswahl: Demokratie üben

Die U-18-Wahl entstand 1998 in Berlin und wird vom Bundesjugendring koordiniert. 2013 gaben 200.000 Minderjährige ihre Stimme ab. Auf dem Foto stehen Berliner Schüler an, um für die Europawahl 2014 abzustimmen.

Die U-18-Wahl entstand 1998 in Berlin und wird vom Bundesjugendring koordiniert. 2013 gaben 200.000 Minderjährige ihre Stimme ab. Auf dem Foto stehen Berliner Schüler an, um für die Europawahl 2014 abzustimmen. ( Foto: dpa)

Thorsten Rheude

Thorsten Rheude

Interview: Südpfälzer Thorsten Rheude (31) koordiniert die U-18-Bundestagswahl für Rheinland-Pfalz am 15. September

Thorsten Rheude ist Beisitzer im Kreisjugendring Germersheim und koordiniert die Bundestagswahl für Minderjährige im ganzen Bundesland. Alle unter 18 Jahren können hier ohne notwendige Registrierung in einem U-18-Wahllokal ihrer Nähe wählen oder ein eigenes Lokal anmelden. Im Gespräch erklärt Rheude das Projekt.

 

Herr Rheude, was ist die U-18-Wahl?

Es ist eine Simulation neun Tage vor der eigentlichen Bundestagswahl. Jeder unter 18 Jahren, egal welcher Nationalität, kann seine Stimme abgeben. Kinder und Jugendliche sollen sich so früh mit Parteien auseinandersetzen und politische Prozesse kennenlernen. Wenn jemand wählen oder ein Wahllokal anmelden will, spricht er mit Freunden und Eltern darüber. Freunde reagieren oft mit ’Was machst’n da und warum?’ Dieser Austausch ist das, was wir wollen.

 

Welche Funktion haben Sie dabei?

Ich prüfe, dass die Wahllokale, die sich bei uns anmelden, politisch neutral sind. Jeder darf eins eröffnen, solange keine politischen Ziele verfolgt werden. Ich verschicke auch die Materialien.

 

Wie kontrollieren Sie die Neutralität?

Es sind oft Vereine und Verbände, die im Landesjugendring vertreten sind, da können wir von einer gewissen Neutralität ausgehen. Klar, ein Wahllokal im katholischen Pfarrheim hat vielleicht fünf CDU-Wähler mehr als eins, das vom BUND organisiert wird. Trotzdem unterstelle ich denen erstmal, dass sie neutral sind und jeder dort abstimmen kann, wie er will.

Warum ist die Wahl schon am 15. September, an diesem Freitag?

Dahinter steckt die Hoffnung, dass Kinder und Jugendliche durch die Wahl einen Trend aufzeigen und Erwachsene auf das Ergebnis reagieren. So kommen Erwachsene und Jugendliche ins Gespräch.

Wählen Jugendliche denn anders?

Es gab Wahlen in der Vergangenheit, wo kleine Parteien wie etwa die Piraten oder die Tierschutzpartei stärker gewählt wurden, als anschließend bei den echten Wahlen von Erwachsenen.

Was sind die Regeln bei der U-18-Wahl?

Die Wahl muss frei und geheim sein. Es muss eine Wahlurne und einen Sichtschutz beim Wählen geben. Zum Anonymisieren fassen wir immer mindestens drei Wahllokale zu einem Wahlkreis zusammen. In der Südpfalz gibt es aber bereits 18 Anmeldungen. Da unterteilen wir in kleinere Regionen.

Bis Freitag noch ein Wahllokal anzumelden, geht das?

Auch in dieser Woche ist jeder eingeladen, sich bei mir anzumelden. Nur für Werbung wird es dann knapp. Aber Jugendgruppen oder Sportvereine, die sich eh freitags treffen und vor Ort ein Wahllokal aufmachen, die haben genug Leute zum Abstimmen. Für Einzelne ist es schwierig. Drei bis fünf Helfer braucht es für ein Lokal.

Melden sich eher einzelne Jugendliche bei Ihnen oder Schulen?

Beides. Eine Sozialkundelehrerin in Landstuhl macht das in Eigenregie mit Schülern. Bei einer anderen Schule ging die Initiative von den Schülern aus. Die Teilnehmer sind aber bunt gemischt, auch freie Träger sind mit ihren Jugendtreffs dabei.

Überrascht Sie politisches Engagement von Jugendlichen?

Nein, das liegt aber an meinem Hintergrund beim Kreisjugendring und der Jungen Union. Es ist okay, dass es junge Leute gibt, die Politik nicht interessiert. Aber viele bringen sich gerne ein. Verdrossenheit mag es geben, aber von meinem Gefühl her hält sich das in Grenzen. Manche Jugendliche sind besser informiert als einige Erwachsene.

Wie alt sind die jüngsten Teilnehmer in Rheinland-Pfalz?

In Lingenfeld im Landkreis Germersheim weiß ich von einer Gruppe, da fängt es ab neun Jahren an.

Aktuell sind 18 der 30 angemeldeten Wahllokale aus der Südpfalz. Was ist mit dem Rest der Pfalz?

Wir wollten im Landkreis in jeder Verbandsgemeinde ein Wahllokal haben, entsprechend aktiv sind wir auf Mitglieder des Kreisjugendrings zugegangen. Wir haben aber auch eine Berufsschule in Landstuhl und Wahllokale in Bad Dürkheim dabei.

War es schwierig, außerhalb der Südpfalz Teilnehmer zu finden?

Das war es. Ich habe die Kreisjugendringe im ganzen Bundesland angeschrieben, nur ganz wenige haben sich zurückgemeldet.

Sind Sie zufrieden mit der Beteiligung?

Ich bin total glücklich, wie es im Landkreis läuft. Acht Wahllokale waren das Ziel, jetzt ist fast in jedem Ort eines. Im Rest des Landes habe ich mir mehr gewünscht, aber die Wahl ist freiwillig.

Was passiert Freitagabend?

18 Uhr schließen die Wahllokale, dann wird ausgezählt. Online gibt es einen Livestream mit Hochrechnungen. Mit dem Endergebnis für Rheinland-Pfalz rechnen wir gegen 19.30 Uhr.

 

Info

Eine Übersicht der Wahllokale steht im Internet unter www.u18.org, Kontakt per E-Mail an rheinland-pfalz@u18.org. | Interview: Stefan Heimerl